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Wirtschaft - Start in das neue Ausbildungsjahr war für die Unternehmen ein besonderer Kraftakt / Viele junge Menschen verschieben ihre Ausbildung

Odenwald-Tauber: „Drastischer Einbruch bei Bewerbern”

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Die Corona-Krise hat auch im Jahr 2021 die Suche nach Auszubildenden behindert. So ist die Zahl der Bewerber deutlich gesunken.

Odenwald-Tauber. Der Ausbildungsmarkt ist auch in diesem Jahr stark von den Folgen der Pandemie sowie von strukturellen Veränderungen geprägt. Für alle Beteiligten war der Start in das neue Ausbildungsjahr ein besonderer Kraftakt, so manch junger Mensch hat die Berufswahl verschoben.

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In der Folge gingen die Bewerberzahlen zurück. Im Berichtsjahr 2020/21 waren bei den Arbeitsagenturen Heilbronn und Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim 4555 Bewerberinnen und Bewerber gemeldet, das sind 563 weniger als vor einem Jahr. „Die Ursachen für den weiteren Rückgang an Bewerberinnen und Bewerbern sind vielfältig“, sagt Manfred Grab, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Heilbronn.

Keine Praktika möglich

Die Gründe seien nicht nur demographisch. Viele Jugendliche hätten es aufgrund der Corona-Pandemie schwerer gehabt, sich um eine Ausbildung zu kümmern. Zahlreiche Maßnahmen zur Berufsorientierung aber auch betriebliche Praktika waren nicht möglich. Auch wurden virtuelle Ausbildungsmessen offenbar nicht in dem Umfang genutzt, wie es nötig gewesen wäre. „Wir sehen, dass der persönliche Kontakt zur Berufsberatung aber auch zu den Betrieben durch digitale Alternativen nicht vollständig ersetzt werden kann“, sagt Grab.

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Mit den Lockerungen hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt wieder etwas aufgehellt. Trotzdem blieben 92 Jugendliche zum 30. September unversorgt, das waren 14 mehr als im letzten Jahr. Die Nachvermittlung in den Arbeitsagenturen läuft weiter.

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Bei Unternehmen, die vom Lockdown besonders betroffen waren, beispielsweise Friseurgeschäfte, Hotels und Gaststätten, ist der Rückgang der Ausbildungsangebote besonders sichtbar. Insgesamt waren bei den Arbeitsagenturen 7961 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 402 weniger als vor einem Jahr. „Viele Unternehmen halten aber trotz der widrigen Rahmenbedingungen an der Ausbildung fest, weil sie genau wissen, dass ihnen sonst nach Corona die Fachkräfte fehlen werden“, erklärt Elisabeth Giesen, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. 889 Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden, das waren 157 mehr als im Vorjahr. In vielen Berufen, in denen es am Arbeitsmarkt Engpässe gibt, konnten überdurchschnittlich viele Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. Dazu zählen Lebensmittelberufe, Bauberufe, Berufskraftfahrer oder Metallberufe.

Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken berichtet aktuell von 1662 neueingetragenen Ausbildungsverhältnissen im Jahr 2021 und einem kleinen Minus von 0,6 Prozent. „Wir gehen davon aus, bis zum Jahresende die Vorjahreszahlen zu erreichen“, sagt Schnörr. Auch im ersten Coronajahr 2020 ist das Handwerk der Region Heilbronn-Franken mit einem Minus von nur -3,7 Prozent recht glimpflich aus der Krisenzeit hervorgegangen. Die demographische Entwicklung bilde sich deutlich ab. Bei den Neueintragungen kämen laut Schnörr inzwischen 6,8 Prozent der Auszubildenden aus Asylherkunftsländern. „Das Handwerk ist daher weiterhin offen für eine koordinierte Zuwanderung und bereit, alle junge Menschen jeglicher Herkunft auszubilden.“

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Fachkräftemangel ein Risiko

Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin IHK Heilbronn-Franken, stellt fest, dass bis Ende Oktober 3713 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse registriert wurden. Das entspreche einem Minus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Nach wie vor stellt der Fachkräftemangel für unsere Betriebe ein großes Geschäftsrisiko dar.“

Sehr problematisch sei gewesen, dass aufgrund der anhaltenden Pandemie kaum Berufsorientierung an Schulen und auf Bildungsmessen in Präsenz möglich gewesen sei. Hier konnten digitale Formate nur bedingt die Lücke füllen.

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Silke Ortwein, DGB-Gewerkschaftssekretärin Main-Tauber-Kreis, Stadt- und Landkreis Heilbronn bezeichnet den Wegfall von Ausbildungsstellen nicht nur in den vom Corona-Lockdown besonders betroffenen Branchen als problematisch. „Die letztjährigen Abgangsklassen konnten nur teilweise mit einem Ausbildungsangebot erreicht werden.“ Zwar hätten von den zunächst unversorgten einige Schülerinnen und Schüler die Zeit für die Verbesserung ihrer schulischen Ausbildung genutzt, aber viele seien auch einfach „unterm Radar“ verschwunden. Sie besuchen keine Schule mehr und ihr Verbleib ist unklar. Weder sind sie als Studierende noch als Auszubildende eingemündet noch haben sie sich bei den Agenturen gemeldet. Es liege die Vermutung nahe, dass vielen dieser Jugendlichen die Einmündung in den Arbeitsmarkt nur verzögert und im schlimmsten Fall gar nicht gelingen wird.

Jörg Ernstberger, Geschäftsführer Südwestmetall Heilbronn Region Franken, stellt fest, dass die Corona-Pandemie weiterhin einen negativen Einfluss auf den regionalen Ausbildungsmarkt der Metall- und Elektroindustrie hat. „Lediglich 17 Prozent der Mitgliedsunternehmen haben ein Plus an Auszubildenden zu verzeichnen, 40 Prozent bilden weniger als im Vorjahr aus. Das, obwohl das Ausbildungsangebot bei 96 Prozent der befragten Unternehmen gleich oder sogar größer geworden ist.“ Ein drastischer Einbruch sei bei den Bewerberzahlen zu verzeichnen. So hätten 87 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen weniger Bewerbungen erhalten. Dies liege sicherlich zum einen an fehlenden bzw. stark eingeschränkten Bildungsmessen, zum anderen an Corona-bedingten Ausfällen von Netzwerktreffen zwischen Schulen und Firmen bzw. mangelnden Praktika.

Allgemein sei zu erkennen, so Ernstberger, dass viele Jugendliche infolge von Corona und der konjunkturellen Situation in der Metall- und Elektroindustrie noch unentschlossen sind und daher noch viele Ausbildungsplätze für das Jahr 2022 nicht belegt werden konnten.

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