Bürgerinitiative „pro Region“ - Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und zur Arbeitsplatzsicherung / Schwache Beteiligung von Firmen bemängelt Neues „Bündnis für Transformation“ ins Leben gerufen

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Werner Palmert
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Öhringen. Die Bürgerinitiative „pro Region Heilbronn-Franken“ sieht dringenden Handlungsbedarf, um kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) bei der Lösung der Probleme in fast allen Bereichen des laufenden Transformationsprozesses zu unterstützen. Man will damit einen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und der Arbeitsplatzsicherung leisten.

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Zur Umsetzung dieser Pläne wurde am Montagabend in Öhringen das „Bündnis für Transformation“ ins Leben gerufen. Für die Übernahme der Aufgabe des organisatorischen Aufbaus und der Koordination, erklärte sich der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig bereit. Unterstützt wird das neue Bündnis von der Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Franken, den Agenturen für Arbeit Heilbronn-Neckarsulm und Schwäbisch Hall/Tauberbischofsheim, den IG Metallbüros Tauberbischofsheim, Schwäbisch Hall und Heilbronn-Neckarsulm sowie der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn GmbH.

Kleine und mittlere Unternehmen sollen neue Wege kennenlernen, mit modernen Technologien, Verbraucher-Trends oder der digitalen Transformation Schritt zu halten. Denn „es hilft nicht weiter, den Kopf in den Sand zu stecken und darauf zu warten, dass sich das Problem über Nacht von alleine löst“, wie Vorsitzender Jochen K. Kübler die Ausgangslage im Gespräch mit dieser Zeitung auf den Punkt brachte. Die Veränderungen betreffen fast alle Branchen und bekommen mit Blick auf die erforderlichen Schritte, um die vereinbarten Klimaschutzziele zu erreichen, eine ganz besondere Note. Gerade der Verkehrssektor und damit die Automobilindustrie seien besonders betroffen, denn die bis 2050 angestrebte Null-Emission bei der Co2-Belastung könne ohne die Elektrifizierung des Individualverkehrs nicht erreicht werden, wie Saskia Drechsel von der e-mobil BW in ihrem Impulsvortrag zum Thema „Auf welche Veränderungen müssen wir uns einstellen?“ ausführte.

Vorausschauend handeln

Die Elektromobilität sei mehr als nur der Austausch eines Antriebstranges. Grundsätzlich einher gehe damit der Technologiewandel, der Strukturwandel und die Veränderung der Wertschöpfung im gesamten Automobil-Sektor, der Wandel des Mobilitätssystems und der Wandel von Energiesystem und Infrastruktur. Elektromobilität mache nur unter der Bedingung eines Betriebs mit erneuerbarer Energie Sinn und sei daher integraler Bestandteil der Energiewende.

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In einem weiteren Beitrag informierte Dr. Stefan Baron, Geschäftsführer der AgenturQ der Metall-und Elektroindustrie über „Angebote und Darstellung von Qualifizierungsbeispielen aus der Praxis“. Dass durch den Wandel hin zur Elektromobilität Arbeitsplätze wegfallen, sei eine unumkehrbare Tatsache, denn der Zuwachs durch neue Berufsfelder könne keinen Ausgleich schaffen. Einen großen Vorteil zur Lösung der Frage „neue Arbeitsplätze“ sieht Baron im bereits bestehenden dualen Ausbildungssysteme. Was jetzt noch fehle, sei auch die Veränderung der betrieblichen Aus- und Weiterbildung. Seine Empfehlung: Vorausschauend handeln, mehr informell lernen, Arbeitsprozesse verknüpfen, überfachliche Kompetenzen der Mitarbeiter erkennen und fördern.

Mehr Chancen durch Qualifizierung sah auch Geschäftsführer Stefan Schubert von der Bundesagentur für Arbeit. Die Digitalisierung und der demografische Wandel beschleunigen die Veränderungen am Arbeitsmarkt. Durch das neue Qualifizierungschancengesetz seine eine Vielzahl von Änderungen in der beruflichen Weiterbildungsförderung eingetreten. Das neue Gesetz schaffe für Beschäftigte einen erweiterten Zugang zur Weiterbildungsförderung unabhängig von Ausbildung, Lebensalter und Unternehmensgröße. Befördert werden Berufsabschlüsse mit mindestens zweijähriger Ausbildungszeit aber auch Anpassungsqualifikationen wobei es bis zu 100 Prozent der Kosten übernommen werden. Daneben bestehe auch die Möglichkeit an abschlussorientierten Weiterbildungsmaßnahmen „von der Hilfskraft zur Fachkraft“ teilzunehmen.

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Unter den Teilnehmern waren auch der IG Metall-Bevollmächtigte Gerd Koch und das Beiratsmitglied der Bürgerinitiative, Wolfgang Vockel, aus Tauberbischofsheim. Beide bedauerten die schwache Beteiligung der angesprochenen Firmen aus dem Main-Tauber-Kreis. Er habe zahlreiche Unternehmer angeschrieben, so Koch, und auf das Informationsangebot aufmerksam gemacht, denn er sehe die Idee hinter dem „Bündnis für Transformation“ als sehr zielführend.

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Auch der Mitgründer der Bürgerinitiative, Frank Stroh, appellierte an die Unternehmensführer und Betriebsräte, sich diese Unterstützung nicht entgehen zu lassen. Das Problem sei offenbar noch nicht überall erkannt worden. Er sieht die digitale Transformation als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nicht im Alleingang, sondern nur gemeinsam mit der Politik gelöst werden könne.