Praktischer Anschauungsunterricht - IHK-Heilbronn-Franken präsentiert Industrie 4.0 zum Anfassen / Elabo präsentiert Software für Smart Factory Eine Chance für den Mittelstand?

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Werner Palmert
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Praktischer Anschauungsunterricht: Industrie 4.0 zum Anfassen gab es bei der Veranstaltung der IHK in den Räumen der Firma Elabo in Crailsheim. Auf dem Bild von links Horst Maywald und Thomas Hösle von der Firma Elabo, Professor Dr. Wolfgang Prinz und Stefan Gölz von der IHK Heilbronn-Franken.

© Werner Palmert

Crailsheim. "Industrie 4.0", die "vierte industrielle Revolution", in der Fachwelt auch als "Internet der Dinge" bekannt. Diese Begriffe waren bisher etwas, mit dem sich Großkonzerne beschäftigten. Für mittelständische Unternehmen lag die Smart Factory bislang anscheinend finanziell wie technisch außer Reichweite. Das könnte sich bald ändern, denn für den Einstieg des Mittelstandes in die vernetzte Produktion hat die Crailsheimer Firma Elabo eine herstellerunabhängig einsetzbare Datenmanagement-Software entwickelt, die sämtliche produktionsrelevanten Informationen in Echtzeit verfügbar macht. In einer Informationsveranstaltung mit praktischem Anschauungsunterricht bot die IHK Heilbronn-Franken ihren Mitgliedern die Möglichkeit, sich vor Ort in der Musterfabrik von Elabo in Crailsheim ein Bild über die interessanten Anwendungsbeispiele zum Thema Industrie 4.0 in der Region zu machen.

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Die Elabo GmbH, ein Unternehmen der euromicron-Gruppe, ist Technologieführer bei der Entwicklung und Herstellung intelligenter Mess- und Prüfverfahren. Um zu demonstrieren, wie sich durch die Digitalisierung die Bereiche Forschung, Entwicklung, Fertigung, Qualitätssicherung und Wartung verknüpfen lassen, hat das Unternehmen in Crailsheim eine Testanlage entwickelt. Neben Vorträgen gab es bei der Veranstaltung auch die Möglichkeit, sich vor Ort über neue Industrie 4.0-Anwendungsfelder zu informieren und sich in einer realistischen Umgebung ein Bild zu machen.

Erwartungen waren hoch

Als die führenden Industrieverbände Bitkom, VDMA und ZVEI im Frühjahr 2013 gemeinsam die Plattform Industrie 4.0 ins Leben riefen, waren die Erwartungen hoch. Alle wollten auf breiter Front von den Vorteilen intelligent vernetzter Produktionstechniken profitieren. Flexiblere und effizientere Arbeitsabläufe sollten Herstellungskosten sinken und Gewinne steigen lassen. Die kundenindividuelle Serienfertigung würde dank umfassender Vernetzung ein Kinderspiel sein. Heute, gut zwei Jahre später, hat sich Ernüchterung breitgemacht: speziell für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, den Mittelstand, ist die Smart Factory meist Wunschdenken geblieben. In einer Umfrage gaben immerhin 56 Prozent der befragten Unternehmen an, dass die hohe Komplexität des Themas ein Hindernis für die Umsetzung von Industrie 4.0 sei. In diese Lücke stieß die Firma Elabo mit der Entwicklung mittelstandspezifischer Industrie 4.0-Konzepte. Am Firmensitz in Crailsheim wurde eine Musterfabrik eingerichtet, die exemplarisch den Aufbau einer mittelständischen Smart Factory demonstriert. Besucher können sich hier aus erster Hand darüber informieren, wie sich Forschung und Entwicklung, Fertigung und Qualitätssicherung sowie Reparatur und Wartung harmonisieren und mit sicherheitstechnischen Lösungen verknüpfen lassen.

Software ist Herzstück

Technisches Herzstück der Smart Factory ist "EDM 4.0" eine von Elabo entwickelte Datenmanagement-Software, die mittels SQL-Datenbank alle produktionsrelevanten Daten zentral vorhält und den Entwicklungs-, Fertigungs- und Serviceabteilungen in Echtzeit zur Verfügung steht. Neue Konstruktionsdaten fließen unmittelbar in alle Fertigungs- und Prüfprozesse ein. Neue Messparameter werden automatisch auf sämtliche Prüfgeräte übertragen. Produktionsdaten und Rücklaufinformationen, Fehler- und Reparaturstatistiken sind zentral archiviert und können so überall berücksichtigt werden.

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Diese umfassende Harmonisierung der gesamten industriellen Produktionskette ist nicht auf eine einzige Produktionsstätte beschränkt, sondern kann via Internet standortübergreifend realisiert werden. Die vernetzte Produktion lässt sich auch dann verwirklichen, wenn Entwicklung, Fertigung und Service auf mehrere europäische Länder verteilt sind. An einem Musterarbeitsplatz, der auch auf Messen eingesetzt werden kann, zeigten die Elabo-Chefs Thomas Hösle und Horst Maywald den Teilnehmern der IHK-Veranstaltung die Einsatzmöglichkeiten dieser neuen IT-Technik. Das Elabo-System lässt auch die Möglichkeit der Vernetzung in einzelnen Abschnitten zu. Industrie 4.0 lässt sich auf diese Weise Schritt für Schritt mit maßvollem Investitionsaufwand realisieren. Auch die Befürchtungen hinsichtlich der technischen Komplexität werden dadurch überschaubarer. Fünf Schritte sollten vor und während der Umsetzung jedoch unbedingt beachtet werden: Offener und vertrauensvoller Umgang mit der Belegschaft. Den Mitarbeitern die Realität der kommenden Veränderungen im Tagesablauf nicht verschweigen. Einen Aufgabenkatalog und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse mit genauer Kosten-Nutzen-Rechnung erstellen und erst dann das System bereitstellen und die Organisation transformieren.