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KZ-Gedenkstätte - Autorinnengespräch mit Zdenka Becker am 20. Mai / Vor Ort recherchiert

Zwischen Schweigen und Reden

Lesedauer: 

Neckarelz. Eine Lesung in der KZ-Gedenkstätte Neckarelz ist eher eine Seltenheit. Am Freitag, 20. Mai, indes liest Zdenka Becker, österreichische Schriftstellerin mit slowakischen Wurzeln, um 19 Uhr im Seminarraum der Gedenkstätte aus ihrem neuesten Roman „Es ist schon fast halb zwölf“. Es geht um ein altes Ehepaar, Hilde und Karl Dorn.

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Sie könnten einen beschaulichen Lebensabend verbringen, wäre da nicht Karls zunehmende Demenz. Auf dem Dachboden findet Hilde zwei Kisten mit alten Briefen wieder . Sie führen zurück in die Zeit ihrer Verlobung und jungen Ehe, als Karl in Berlin gearbeitet hat und sie jahrelang getrennt waren. Vor ihrem inneren Auge steht diese Vergangenheit wieder auf. Zudem taucht ein Hobbyhistoriker auf, der unangenehme Fragen nach einem Familienmitglied stellt …

Zdenka Becker wurde mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet. © Einzinger

Zdenka Becker hat vor zwei Jahren für diesen Roman in der Gedenkstätte Neckarelz recherchiert. Denn der historische Kern gehört zur Familiengeschichte: Ihr Schwiegervater Leo Becker arbeitete von 1938 bis 1945 im Flugzeugmotorenwerk von Daimler-Benz, zuerst in Genshagen/Ludwigsfelde bei Berlin, dann im Obrigheimer Stollen „Goldfisch“. Untergebracht war er nach der Werkverlagerung in der Sammelunterkunft „Heimschule“ in der heutigen Johannes-Diakonie. Er schrieb tatsächlich 500 Briefe an seine Verlobte und Ehefrau. Darin wird seine „kriegswichtige“ Arbeit nur gestreift, dennoch bilden sie und auch die unterschiedliche Haltung der Eheleute zum NS-Regime in Deutschland und Österreich den dunklen Hintergrund des Romans. Es ist eine Geschichte um Erinnerung und Verdrängung, Schweigen und Reden. Beim Autorinnengespräch in der Gedenkstätte wird es auch darum gehen, wie sich reale Familiengeschichte und historischer Stoff in ein literarisches Werk verwandeln.

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