Preisträger ausgezeichnet Zivilcouragepreis ging an 15 Personen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis

Mit Mut, Entschlossenheit und Zivilcourage haben 15 Personen aus dem Neckar-Odenwald-Kreis anderen Menschen in Not geholfen. So verhinderten drei Männer in Mudau eine Vergewaltigung.

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Den Hauptpreis für ihren couragierten Einsatz erhielten Daniel Grimm (dritter von links), Christian Peterhänsel (vierter von links) und Michael Röckel (dritter von rechts). © Nicola Beier

Neckar-Odenwald-Kreis. Bereits zum zehnten Mal zeichnete der Verein „Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ den selbstlosen Einsatz von Bürgern aus, die anderen Menschen in Notsituationen zur Seite standen oder geholfen haben.
Landrat Dr. Achim Brötel, der Vorsitzende des Vereins, lobte zu Beginn der Veranstaltung, welche aufgrund der Corona-Situation im kleinen Kreis im Bürgersaal des Mudauer Rathauses stattfand, den Einsatz der Bürger. Er hob hervor, dass Zivilcourage gerade in der jetzigen Zeit, „wichtiger denn je ist. Die Quarantänesituation kann Aggressionspotenzial fördern“, deshalb sei es gerade jetzt wichtig, genau hinzusehen und sich gegebenenfalls für andere einzusetzen.

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„Wegschauen hilft nur den Tätern“

Dabei gilt es jedoch, gewisse Regeln zu beachten, „denn Zivilcourage heißt immer: anderen helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben“, erklärte Dr. Brötel. So könne man Hilfe organisieren, in dem man bewusst auf das Geschehen aufmerksam mache und den Täter in den Vordergrund rücke. Auch für das Opfer könne man etwas tun, indem man sich persönlich kümmere oder den Rettungsdienst rufe. „Zivilcourage heißt aber auch, gezielt hinschauen und sich einzuprägen, was gerade passiert und sich anschließend als Zeuge zur Verfügung zu stellen“, so der Landrat. „Wegschauen hilft nur den Tätern.“

Insgesamt zeichneten Dr. Achim Brötel als Vorsitzender des Vereins „Sicherer Neckar-Odenwald-Kreis“ und der Heilbronner Polizeipräsident Hans Becker 15 Personen in zehn Fällen mit dem Zivilcouragepreis 2019 aus. Mit dabei waren Werner Boßbach, Revierleiter aus Buchen, der stellvertretende Revierleiter aus Mosbach, Anton Zimmermann, sowie Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger und Marion Günther, Leiterin der Zentralstelle im Kreis. Die Präsente und Urkunden wurden den Preisträgern bereits im Vorfeld von den Revierleitern persönlich vorbeigebracht, da es die aktuelle Situation nicht erlaubt, große Versammlungen abzuhalten.

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Lediglich die Hauptpreisträger bekamen ihr Geschenk in Mudau überreicht. Neben einem Präsentkorb erhielten Daniel Grimm, Christian Peterhänsel und Michael Röckel einen Polizei-Hubschrauberflug als Dank für ihren Einsatz. Sie verhinderten in den frühen Morgenstunden im Juni 2019 eine Straftat. Eine junge Frau war auf dem Weg zu einem Fest am „Mudauer Galgen“, als ein betrunkener Mann sie zu Boden riss und versuchte sie zu vergewaltigen. Die Frau rief um Hilfe. Durch die Schreie wurden Grimm, Peterhänsel und Röckel auf das Geschehen aufmerksam und eilten ihr zu Hilfe. Sie zogen den Mann von ihr herunter und verständigten die Polizei, die diesen festnahm. Der Täter wurde zwischenzeitlich zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt.

Auch Helena Waschinskaja wurde mit dem Preis ausgezeichnet. Sie beobachtete, wie zwei Männer in der Linsengasse in Buchen auf ihr Opfer einschlugen und stellte sich ihnen entgegen. Durch ihr lautes Rufen aufzuhören, ließen die Täter von ihrem Opfer ab und flüchteten, bis die Polizei sie festnahm.

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Timo Bodenschatz und Ben Mayer, 15 und 16 Jahre alt, erhielten den Sonderpreis des Rotary Clubs Neckar-Odenwald-Kreis für junge Menschen. Sie wurden im April 2019 an der „alla hopp!“-Anlage in Buchen Zeugen einer Körperverletzung. Dort schlug der Täter auf seinen Kontrahenten ein. Als dieser am Boden lag, wurde er bespuckt und mit Alkohol übergossen. Die beiden Zeugen forderten den Täter auf, damit aufzuhören, und Bodenschatz redete ruhig auf ihn ein, wodurch der Täter von seinem Opfer ab ließ. Später wurde er von der Polizei verhaftet.

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Natalie Herkert aus Buchen und Rene Norman Merz aus Hardheim wurden beide Zeugen einer Unfallflucht. Sie beobachteten, wie Autos auf einem Parkplatz beschädigt wurden und sich die Fahrer jeweils vom Unfallort entfernten, ohne dem Geschädigten einen Hinweis zu hinterlassen. Herkert und Merz notierten sich die Kennzeichen und gaben diese an die Autohalter weiter, so dass diese nicht auf dem Schaden sitzenblieben.

Daniela Reinhardt und Andrea Neubrandt aus Mudau verhinderten im September 2019, dass ein 89-jähriger Mann Opfer eines Betruges wurde. Beide sind Verkäuferinnen in einem Penny Markt in Strümpfelbrunn. Dort wollte der Mann „Apple iTunes“-Karten im Wert von 1000 Euro kaufen. Ihm wurde vorher telefonisch mitgeteilt, dass er beim Online-Lotto 40 000 Euro gewonnen habe, diese jedoch nur ausgezahlt würden, wenn er die Geschenkkarten kaufen und die Codenummern übermitteln würde. Die Verkäuferinnen redeten so lange auf den Mann ein, bis dieser überzeugt war, dass es sich um einen Betrugsversuch handelte.

Heiko Maier aus Limbach beobachtete, wie zwei Männer auf einem Firmengelände Altmetall aus einem Container in einen weißen Transporter luden, und verständigte daraufhin die Polizei. Diese kontrollierte die beiden Männer später und nahm sie fest. Durch das aufmerksame Verhalten von Maier wurde so ein Diebstahl aufgeklärt.
Mut und Entschlossenheit bewies auch Susanne Hoffuri aus Elztal, als sie im November 2019 mit der Straßenbahn zwischen Heidelberg und Osterburken unterwegs war. Sie beobachtete, wie ein Fahrgast einem anderen Mann gegen den Kopf schlug. Die Bahn war voll besetzt, doch Hoffuri war die Einzige, die eingriff und die Polizei verständigte. Daraufhin sah der Täter von seinem Opfer ab und wurde an der nächsten Haltestelle von der Polizei in Empfang genommen.

In Mosbach konnte ein Einbruch verhindert werden, weil Zdecko Brankovic und Milenko Brcina zusammen mit zwei weiteren Anwohnern zwei Männer beobachteten, wie sie um ein Gebäude schlichen, dessen Bewohner zu diesem Zeitpunkt in Urlaub waren. Die Täter liefen in Richtung „Siebenbürgerstraße“ und wurden dort bei einem Einbruch beobachtet und gestört, woraufhin sie flüchteten. Mit der Hilfe weiterer Anwohner gelang es den Preisträgern die Täter festzuhalten, bis die Polizei eintraf.

Die letzte Person, die ausgezeichnet wurde, möchte anonym bleiben. Der 29-jährige Mann beobachtete in den frühen Morgenstunden zwei Männer, die im September 2019 aus einem blauen Ford stiegen und in Richtung eines Kindergartens liefen, in dem zu diesem Zeitpunkt noch kein Betrieb herrschte. Als wenig später im Inneren des Gebäudes Licht anging, wurde der Beobachter stutzig und alarmierte daraufhin die Polizei. Diese traf gerade ein, als die Eindringlinge mit ihrem Pkw flüchten wollten. Sie nahm die Täter fest