Evangelischer Verwaltungszweckverband Odenwald-Tauber - Dieter Mittmann als Leiter in den Ruhestand verabschiedet Viele Höhen und Tiefen in 27 Jahren erlebt

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Dekan Rüdiger Krauth (links) bedankte sich mit einem Faksimile von Psalm 1 beim langjährigen Leiter Dieter Mittmann. © Verwaltungszweckverband

Odenwald-Tauber. Mit einem Gottesdienst hatte es für ihn angefangen und mit einem Gottesdienst in der Mosbacher Stiftskirche sollte er in der vergangenen Woche nach beinahe 27 Jahren in den Ruhestand verabschiedet werden: Dieter Mittmann, Leiter des evangelischen Verwaltungsamts in Buchen. Der Gottesdienst entfiel ersatzlos – aus bekanntem Grund. Dabei war es ihm, der die Personal- und Bauverwaltung bei der Bundeswehr gelernt hatte, etwas Besonderes, nicht für irgendwen zu arbeiten. „Schade, dass mein Nachfolger das gerade nicht genauso wie ich damals erleben kann“, meint Mittmann.

Für 69 Gemeinden zuständig

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„Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er“: In diesem Bibelvers hatte er seinen Leitspruch für die Amtsführung gefunden. Und fand es wichtig, nicht nur mit Zahlen und Akten, sondern mit Menschen zu tun zu haben. Da er bereits als Jugendlicher in der evangelischen Gemeindejugend Lohrbach mitgearbeitet hatte, war er 1993 dankbar, auch beruflich im kirchlichen Bereich eine verantwortliche Aufgabe übernehmen zu können: für zuletzt 69 Gemeinden zwischen Mosbach und Wertheim inklusive ihrer Kindergärten und anderen Einrichtungen, drei Kirchenbezirke und weitere Einrichtungen wie kirchliche Sozialstationen oder Diakonische Werke die Verwaltungsarbeit zu übernehmen.

Als er 1993 das Amt übernahm, waren es ein paar Räume mit zusammengewürfeltem Mobiliar, dazu ein PC, an dem freitags die Sachbearbeiterinnen Schlange standen, um ihre Zahlen der Woche einzugeben. Vor wenigen Wochen hat Mittmann zuletzt den Umzug der beiden Abteilungen in Tauberbischofsheim und Mosbach in die neuen Räume in Buchen organisiert. Dort sind jetzt 28 Mitarbeiter unter einem Dach dafür zuständig, nicht nur Personal- und Finanzverwaltung für die Mitglieder des Zweckverbands zuverlässig bereitzustellen, sondern insbesondere die vielen Ehrenamtlichen und Pfarrer auch für ihre organisatorischen Entscheidungen zu beraten.

Neue Aufgaben

Im Laufe der Dienstjahre von Mittmann sind komplett neue Aufgabenfelder hinzugekommen – zum Beispiel Arbeitssicherheit, Datenschutz oder Bauberatung. Und die bestehenden Aufgaben werden eher komplizierter, so dass die Kirchengemeinden gern Entlastung in der Geschäftsführung etwa der Kindergärten in Anspruch nehmen und die Verantwortlichen vor Ort wieder freier für ihre eigentliche Tätigkeit in der Gemeinde werden. Mehrmals hat er in seiner beratenden Funktion warnen müssen: „Passe Sie uff, des geht so net.“ Dann waren die Kirchengemeinden selbst verantwortlich dafür, in solchen Fällen auch auf ihn zu hören – denn er arbeitete in ihrem Auftrag.

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Auf die Frage, ob er in seinem Verwaltungsamt auch Überraschungen erlebt habe, stockt Mittmann kurz und antwortet dann in seiner nüchternen Art: „Permanent.“ Sei es durch neue Anordnungen von der Kirchenleitung in Karlsruhe oder eben in Verhandlungen der Kirchengemeinden mit Dritten, die er begleitet hat und die nicht immer wie erwartet liefen. Und dann wird er persönlich und deutet an, dass außer den Überraschungen von außen im Lauf der Jahre auch schwere Krankheiten und Todesfälle bei Mitarbeitern ihm zugesetzt haben. Immerhin, meint er, haben Freude und Leid sich die Waage gehalten. Und wurde mit diesem Resümee nun im nötigen Sicherheitsabstand vom Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Dekan Rüdiger Krauth, mit einem Nachdruck von Psalm 1 aus der Gutenberg-Bibel in den Ruhestand verabschiedet.

Mit einem Dank an alle Mitarbeiter und einem E-Mail-Gruß an alle Partner beendete Mittmann in der vergangenen Woche seinen Dienst. Für seine Nachfolge ist das Feld gut bestellt: Die neuen Räume in Buchen sind soweit eingerichtet, mit seinem bisherigen Stellvertreter Patrick Schork ist ein neuer Leiter gefunden, der ohne größere Einarbeitung alles übernehmen kann.

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Das ist allerdings auch nötig, denn die nächsten Herausforderungen stehen schon vor der Tür: Ähnlich wie Vereine auch, müssen Kirchengemeinden ab dem kommenden Jahr überall dort Umsatzsteuern zahlen, wo sie „geschäftsmäßig“ auftreten – und das kann je nach Umfang schon bei einem Gemeindefest der Fall sein.

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Und außerdem wird man die Geschäftsführung auch der bisher nicht betreuten kirchlichen Kindergärten übernehmen.