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Abfallbilanz - Gesetzeslage sorgt für große Bandbreite bei der Entsorgung

Neckar-Odenwald-Kreis: Menge bei Haushaltsabfall gesunken

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(teb)
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Bei Haushaltsabfall ist die Menge im Neckar-Odenwald-Kreis gesunken. © Bernd Thissen / dpa

Neckar-Odenwald-Kreis. Wer macht den wenigsten Müll? Die Krone gebührt nach der offiziellen Abfallstatistik den Menschen im bayrischen Kreis Aschaffenburg. Im Neckar-Odenwald-Kreis steuerte jeder und jede zuletzt 123,2 Kilo Haus- und Sperrmüll bei: Beim Meister der Müllsparer waren es dagegen 68,2 Kilogramm pro Kopf.

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Der Neckar-Odenwald-Kreis wirft also 54,9 Kilo mehr weg und liegt damit nicht mal unter den Top 20, sondern auf Platz 39 unter 393 Müllmachern bundesweit, deren Daten die Statistischen Landesämter für die Regionaldatenbank Genesis gemeldet haben. Die rote Laterne hat Bremerhaven mit 358,2 Kilo Haus- und Sperrmüll pro Kopf. Eine Position, die diese Stadt aber schon seit Jahren gewohnt ist und noch ausgebaut hat: 2017 beispielsweise lag die Pro-Kopf-Menge noch bei 356,3 Kilo.

Der Haus- und Sperrmüll, dessen Pro-Kopf-Menge wir für die Abfall-Bundesliga als Maßstab nehmen, summiert sich im Neckar-Odenwald-Kreis auf insgesamt 17 710 Tonnen. Das ist aber nur ein Teil des Müllbergs, der in Haushalten so anfällt. Die Gesamttonnage aller Haushaltsabfälle (ohne Elektroschrott) lag zuletzt bei 80 442 Tonnen, betrug also das 4,5-fache des statistisch erfassten Haus- und Sperrmülls. Die Feinheit liegt in der Deklaration. Denn wird Abfall als „Wertstoff“ deklariert, zählt er nicht mehr zur Hausmüllmenge.

Das wirkt sich aus: Nehmen wir im Neckar-Odenwald-Kreis das komplette Aufkommen an Haushaltsabfällen, dann lag das bis Ende 2020 bei 559,4 Kilo pro Kopf. Vor vier Jahren, präzise 2017, hatte der Pro-Kopf-Wert noch bei 568,5 Kilogramm pro Nase gelegen: Der Wert liegt heute also niedriger. Reduziert auf Haus- und Sperrmüll sind es 123,2 Kilo pro Kopf. (2017: 139,1 Kilogramm), ein Minus von 139,1 Kilo. Der Pro-Kopf-Wert bietet sich als Maßstab an, weil damit Bevölkerungsschwankungen keine Rolle spielen.

Warum die Menschen im Neckar-Odenwald-Kreis 1,8-mal so viel Hausmüll pro Nase in die Tonne werfen wie im bayerischen Kreis Aschaffenburg, ist einfach zu erklären. Das Grundgesetz grätscht hier dazwischen. Das legt das Recht der kommunalen Selbstverwaltung in Artikel 28 Absatz 2 Satz 1 fest und besagt: „Den Gemeinden muss das Recht gewährleistet sein, alle Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft im Rahmen der Gesetze in eigener Verantwortung zu regeln.“ Und das hat zu Folge, dass die zuständigen Stadt- und Landkreise so unterschiedlich entsorgen und verwerten, dass am Ende eine große Bandbreite entsteht: gelbe Tonnen, gelbe Säcke, graue Tonne, blaue Tonnen, grüne Tonnen, braune Tonnen, Heimkomposter, Glascontainer, Wertstoffhöfe.

Und während in der einen Stadt brav nach Grün-, Braun- und Weißglas, nach Altpapier, Rest-, Bio- und Plastikmüll getrennt wird, favorisiert man im Nachbarlandkreis die Methode „Flach und Rund“ – dort landet dann Papier zwischen Plastikfolien und Tetrapaks und Glas jeder Farbe zwischen Dosen und Verpackungen. Noch einen Kreis weiter fungiert die Papiertonne zugleich als Kombitonne für Altkleider und Papier. Und mal wird abgeholt, mal muss der Wertstoffhof angesteuert werden.

Blick auf Müllarten

Um ein genaueres Bild zu bekommen, ist also der Blick auf die anderen Müllarten notwendig, um abzuschätzen, wie der Neckar-Odenwald-Kreis zwischen Spitzenreiter und Schlusslicht aufgestellt ist. Dabei zeigt sich, dass das Pro-Kopf-Aufkommen organischer Abfälle im Kreis Aschaffenburg bei 185,0 Kilo liegt.

Bei uns sind es 222,5 Kilo pro Kopf. Haushaltsabfallschlusslicht Bremerhaven kommt auf 49,5 Kilogramm. Des Weiteren sortieren die aschaffenburgischen Mülltrennenden pro Nase 203,4 Kilo Wertstoffe aus, statt sie in die Mülltonne zu stopfen. Aus Bremerhaven werden in diesem Bereich dagegen 111,9 Kilogramm pro Kopf gemeldet. Und im Neckar-Odenwald-Kreis? Da sind es 212,5 Kilogramm Wertstoff pro Mensch.

Datenlage unübersichtlich

Und wie steht’s um die Weltmeisterschaft im Mülltrennen? Da ist die Datenlage unübersichtlich und meist nicht vergleichbar. Was wir sagen können: Die Menge an Haushaltsabfällen hat sich bundesweit in den vergangenen vier Jahren um 14,0 Kilo pro Kopf erhöht (im Neckar-Odenwald-Kreis ist sie um 9,1 Kilo pro Kopf gesunken). Deutschlandweit kamen in diesem Abfallbereich 194,0 Kilogramm pro Kopf zusammen. Werden Bioabfälle und Wertstoffe hinzugerechnet, landet die Republik im Durchschnitt bei 476,3 Kilogramm Müll pro Einwohnenden und einer bundesdeutschen Gesamtmenge von 39,6 Millionen Tonnen.

Kreis auf Platz 21

Vor allem Verpackungen sind dabei Wertstoffe, die – zumal wenn sie aus Kunststoff sind –, zwar in Müllverbrennungsanlagen gut heizen und Strom erzeugen, aber nach der reinen Lehre nichts im Mülleimer zu suchen haben. In dem Fall leben die deutschen Meistertrenner im bayerischen Rosenheim und holten zuletzt 420,2 Kilo pro Kopf an Wertstoffen aus der Tonne und sind auf diesem Feld Spitzenreiter der Wertstoffliga. Der Neckar-Odenwald-Kreis steht da mit 212,5 Kilo pro Nase auf Platz 21. Zum Naserümpfen oder nicht? Wenn’s an den Menschen liegt, die Müll machen, na ja. Wenn’s am System liegt, das für weniger oder keinen Müll sorgen soll, na ja, dann ist da noch Luft nach oben. Da ist’s dann wie in der Bundesliga: Alle müssten dem Meister nacheifern. (teb)

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