Neujahrsempfang der Wirtschaft in Mosbach

„Müssen alle gemeinsam besser werden“

Referentin Simone Mosca brennt für das Thema Nachhaltigkeit

Von 
Sabine Braun
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Simone Mosca, Mitglied der Geschäftsführung des gleichnamigen Unternehmens mit Sitz in Waldbrunn, hielt beim Neujahrsempfang der Wirtschaft in den Räumen der Mosbacher Sparkasse einen Vortrag. Die Unternehmerin brennt für das Thema Nachhaltigkeit. © Sabine Braun

Mosbach. „Ohne Nachhaltigkeit können Unternehmen nicht langfristig wachsen“ – so hatte Simone Mosca ihr Referat zum 14. Neujahrsempfang der Wirtschaft 2023 im Neckar-Odenwald-Kreis überschrieben. Im Vortrag wie auch in der folgenden Diskussion wurde deutlich, dass die Unternehmerin das Thema mit Leidenschaft betreibt – und ihr Unternehmen damit nachdrücklich nach vorne bringt. Ausrichter des 14. Neujahrsempfangs für Unternehmer, Wirtschaftsförderer und Repräsentanten aus Rathäusern, Behörden und Kammern waren das Unternehmerinnen-Forum Neckar-Odenwald-Kreis, der Unternehmerkreis Mosbach, die Wirtschaftsjunioren und die Handwerksjunioren.

Der Empfang in den Konferenzräumen der Sparkasse Neckartal-Odenwald in Mosbach sei eine kleine Premiere, betonte deren Vorstandsvorsitzender Michael Krähmer. Denn es handle sich um die erste Großveranstaltung seit Beginn der Pandemie. Und zum ersten Mal seit 2019 gestalte man den für den Wirtschaftsraum so wertvollen Termin in Präsenz. Besondere Grüße galten unter anderem Minister Peter Hauk, Landrat Dr. Achim Brötel, DHBW-Rektorin Gabi Jeck-Schlottmann, IHK-Geschäftsführer Dr. Andreas Hildenbrand sowie Mosbachs Oberbürgermeister Julian Stipp.

Erholung „ausgebremst“

Nach dem eigentlich optimistischen Start in das Jahr 2022 sei mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine das „eigentlich Unvorstellbare“ geschehen. Danach sei nichts mehr so gewesen wie erwartet, blickte Krähmer zurück. Die Inflationsrate sei weiter angeheizt worden. Ersparnisse würden entwertet. Die Unternehmen stünden vor großen Herausforderungen wie unterbrochene Lieferketten, Rohstoffknappheit und Arbeitskräftemangel. Die nach der Pandemie erwartete Erholung der Wirtschaft sei deutlich ausgebremst worden.

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Nachhaltigkeit habe sich die Sparkasse schon bei der Gründung vor über 150 Jahren auf die Fahnen geschrieben. Sie sei auch in der Selbstverpflichtung der deutschen Sparkassen zur Klimafreundlichkeit festgehalten, leitete Krähmer zum Thema des Abends über.

Man dürfe das Thema Nachhaltigkeit nicht mit schlechter Laune und Besserwisserei, Knauserigkeit und einem Verlust an Lebensqualität in Verbindung bringen, so Landrat Dr. Achim Brötel. „Wir müssen es anders anpacken. Nachhaltigkeit muss sexy werden.“ Gleichzeitig appellierte Brötel an die Teilnehmer des immer „etwas anderen Neujahrsempfangs“, zuversichtlich zu bleiben, denn „wir kriegen das Jahr nicht besser gemeckert“.

„Mittelständische Betriebe in unserer Region leben Nachhaltigkeit schon immer“, war OB Julian Stipp überzeugt. Unternehmer in der ländlich geprägten Region dächten nicht kurzfristig, sondern in der Regel immer schon für die nächste Generation. „Und das ist gut so.“ Das „Best-Practice“-Modell werde Hoffnung geben, freute sich Stipp auf den Vortrag von Simone Mosca.

Zuerst ein Modebegriff

Sabine Philipp-Raquét, die Vorsitzende des Unternehmerinnen-Forums, unterstrich, dass Nachhaltigkeit, die zuerst als Modebegriff erschien, in der Wirtschaft zu einem festen Bestandteil und wichtigen Baustein des Wachstums geworden sei. Nachhaltigkeit müsse keinen Ärger und keine Ängste auslösen, sondern könne zu besserer Qualität von Produkten und Dienstleistungen führen, für die mehr Geld verlangt werden könne. Faire Wertschöpfungsketten, Recycling oder auch das Bekenntnis zur lokalen Produktion seien weitere wichtige Faktoren. „Tatsache ist“, schloss Philipp-Raquét, „dass es nicht bei einem Trend geblieben ist“.

Simone Mosca, seit 2008 mit Timo Mosca und Alfred Kugler in der Unternehmensführung der weltweit tätigen Mosca GmbH mit Sitz in Waldbrunn, habe zunächst interne Prozesse überarbeitet und neugestaltet. In der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit der richtige Weg für eine lebenswerte Zukunft sei, widme sie sich diesem Thema.

„Grünen Zwerg auf der Schulter“

Das stellte die gelernte Industriekauffrau und Industriefachwirtin in ihrem Referat nachdrücklich unter Beweis. „Keine Angst, ich klebe mich hier nirgends fest und werfe nicht mit Suppe“, erklärte Simone Mosca zunächst. „Aber ich habe einen kleinen grünen Zwerg auf der Schulter sitzen“. Jeder in der Wirtschaft habe eine Verantwortung – den Beschäftigten, den Partnern, den Lieferanten und den Kunden gegenüber.

Gerade als Unternehmen, das mit Kunststoff arbeite, stehe Mosca in der Pflicht. Es gehe darum, Materialien im Kreislauf zu halten, aber auch um Ersatzmaterialien. Ein kurzer Imagefilm machte deutlich, dass Mosca das Thema Nachhaltigkeit nicht nur bei den Kunststoff-Umreifungsbändern, sondern auch beim kundenindividuellen Maschinenbau verankert hat.

Mit weltweit 1200 Beschäftigten in 20 Ländern will das Unternehmen auf globaler Ebene verantwortlich agieren. Orientiert an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen habe man sich früh an einen Nachhaltigkeitsbericht gemacht und diesen jetzt online gestellt. Das war ein „Riesending“, so Simone Mosca. Fokussiert habe man sich auf wenige Hauptziele: Man wolle stets sozial und ökonomisch verantwortlich, innovativ, intelligent und transparent agieren. Aus jedem Bereich nannte sie Beispiele: So stellt Mosca seit Jahren gemeinsam mit der Johannes-Diakonie soziale Projekte für die Azubis auf die Beine. Ständig besser und effizienter produzieren zu wollen liege ohnehin im Maschinenbauer-Gen, schmunzelte die Unternehmerin.

Vielfältige Wege

Ganz ohne Verpackung werde es auch künftig nicht gehen. Dabei nachhaltig zu sein, dafür gebe es vielfältige Wege, erläuterte die Referentin ihrem aufmerksamen Publikum: Diese reichen von neuartigen Kunststoffen über intelligente Maschinen für sparsamen Folieneinsatz bis hin zu einer Verschweißtechnologie, die leise und ohne Dämpfe arbeitet. Schon jetzt kann Mosca 100 Prozent Recyclingware verarbeiten – wenn der Markt den Rohstoff hergibt.

In der Diskussionsrunde wurden Themen angesprochen wie die längeren Rotteprozesse bei stärkebasierten Bio-Kunststoffen. Genannt wurde aber auch die Problematik, Mitarbeiter zum Betrieb zu bringen, wo es an öffentlichen Verkehrsmitteln fehlt. Solche Fragen zu lösen koste Geld. „Das ist ein Invest, einer muss es zahlen“, bilanzierte Simone Mosca. Und noch etwas stellte die Referentin heraus: Nachhaltigkeit im Betrieb geht nur, wenn sie im ganzen Unternehmen gelebt wird. Und man müsse bereit sein, einen Schritt zurückzutreten, gewohnte Prozesse auf den Prüfstand zu stellen und zu verändern. „Dass wir alle gemeinsam immer besser werden, darum geht es im Kern“, schloss Simone Mosca.

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