Handwerksbetriebe - Gespräch mit Kammerpräsident Klaus Hofmann / Viele trifft die Pandemie eiskalt Manche haben alle Hände voll zu tun

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Neckar-Odenwald-Kreis. Viele Heimwerker, Haus- und Grundstücksbesitzer haben die Zeit der Pandemie dazu genutzt, ihr Eigenheim oder ihr Wohnumfeld zu modernisieren oder umzugestalten. Das haben auch die Handwerksbetriebe in der Region positiv gespürt. Im Gespräch mit dem Handwerkskammerpräsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald, Klaus Hofmann, informierte sich Minister Peter Hauk (MdL) über die aktuelle Situation der Handwerksbetriebe.

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„Viele Unternehmen im baulichen Handwerk haben alle Hände voll zu tun. Andere Branchen wie die Kosmetik- oder Friseurbetriebe trifft die Pandemie eiskalt. Für viele sind existenzielle Nöte einhergehend, das Einzige was jetzt hilft, sind klare Öffnungsperspektiven“, fordert Hofmann.

Peter Hauk sieht sich diesem Hilferuf verpflichtet: „Die sinkenden Infektionszahlen in den letzten Wochen machen Mut, um Öffnungsschritte zu verhandeln und diese baldmöglichst aufzuzeigen. Doch aus den Öffnungen sollte man keinen Aktionismus machen. Bei Öffnungsschritten muss klar abgewogen werden. Wir dürfen nicht riskieren, dass ein drittes Mal alles heruntergefahren werden muss, das wäre für einige Betriebe sonst endgültig tödlich“, sagte Hauk.

Im Vergleich von Stadt und Land ist für Hofmann ein leichter Vorteil der ländlichen Räume ersichtlich. „Die Lage ist auf dem Land stabiler als im Ballungsraum. Das zeigt sich beispielsweise auch bei der Zahl der abgeschlossenen Lehrverträge für das kommende Ausbildungsjahr. Hier sind die Betriebe im städtischen Gebiet zurückhaltender“, fasst Klaus Hofmann zusammen.

„Goldener Boden“ bleibt

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Im Friseurhandwerk gebe es sogar zahlreiche Stornierungen von Ausbildungsverträgen. Dennoch sieht Hauk die Chance, dass sich als Folge der Pandemie neue Interessenten für Handwerksberufe gewinnen lassen könnten. „Auch in der Industrie sind die Zeiten nicht rosig. Handwerk hat jedoch goldenen Boden, Handwerksberufe haben Zukunft und werden in Zukunft gut bezahlt sein. Die Downphase in der Industrie gilt es jetzt zu nutzen, junge Menschen von Handwerksberufen zu überzeugen“, so Hauk. Besonderes Potenzial sieht der Minister im Bereich der Installateure, Bauarbeiter oder Lebensmittelhandwerker.

Handwerkskammerpräsident Hofmann bedauert unterdessen, dass der zweite Lockdown viele Angebote zur Berufsorientierung unmöglich gemacht habe. Es sei schwierig, online jemanden von einem Beruf zu überzeugen, dazu brauche es den persönlichen Kontakt. Zu beobachten sei als Konsequenz, dass viele junge Menschen lieber weiter die Schule besuchen.

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Im Hinblick auf die Soforthilfen wünscht sich Handwerkskammerpräsident deutlich schnellere und planungssichere Auszahlungsvorgänge. „Existenzen hängen zum Teil am seidenen Faden. Es ist dringend, dass Hilfen unmittelbar ankommen, ehe einige Insolvenzen aufgrund des zweiten Lockdowns drohen“, fasst Hofmann den Ernst der Lage in einigen Sparten zusammen.

Soforthilfen müssen fließen

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Hauk zeigt Verständnis für den Unmut: „Ich sehe eine deutliche Verbesserung in der Auszahlung der Soforthilfen, seit diese durch das Land statt durch den Bund erfolgen. Die Wirtschaftsministerin hat mir kürzlich versichert, dass bereits über 50 Prozent der Soforthilfen ausbezahlt seien.“ Jetzt gelte es, die Soforthilfe III unkompliziert, aber verhältnismäßig umzusetzen. „Wir brauchen beispielsweise unsere Friseurbetriebe und allgemein die Handwerker um die Ecke auch noch nach der Krise. Es steht viel auf dem Spiel, deshalb wird das baden-württembergische Wirtschaftsministerium sukzessive Auszahlungen tätigen und die Effizienz in der Auszahlung noch steigern“, so Hauk abschließend.