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Energieagentur Neckar-Odenwald - Energetische Sanierung und Neubau von Schulen und Kitas vorgestellt

Luftqualität spielt entscheidende Rolle

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Die EAN-Infoveranstaltung „Energetische Sanierung von Schulen“ in der Alten Mälzerei in Mosbach war gut besucht und bot viele Informationen. © Martin Hahn

Mosbach. Dass die Luftqualität in Schul-, Kita- und Versammlungsräumen eine entscheidende Rolle spielt, ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Dadurch wurde es mehr als deutlich, was es heißt, im Winter bei Minus- oder im Sommer bei Tropentemperaturen alle 20 Minuten die Fenster „aufzureißen“. Die Energieagentur Neckar-Odenwald (EAN) hatte vor diesem Hintergrund neben Architekten, Planer und Bauingenieuren auch kommunale Vertreter zu einer Informationsveranstaltung in die Alte Mälzerei nach Mosbach eingeladen. Landrat Dr. Achim Brötel freute sich bei seiner Begrüßung über die gute Beteiligung. Sein Dank galt der Akademie der Ingenieure und der EnerSearch GmbH als Kooperationspartner und den Referenten. Organisator Uwe Ristl führte kurz in das Thema ein, immer mehr Schul- und Kitagebäude wiesen Modernisierungsrückstände auf.

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Lüften fördert Konzentration

Professor Dr. Albrecht Rittmann, Ministerialdirektor a.D., machte den Start: Eine hohe CO2-Konzentration wirke sich nachteilig auf die Leistungsfähigkeit der Schüler aus. Messungen belegten, dass auch häufiges Lüften nicht ausreichend sei. Vor diesem Hintergrund besagen neue Normen, dass Räume ab 200 Quadratmetern mit einer Lüftung ausgestattet werden müssten, transportable Raumlüfter könnten zwar die Keimlast verringern, nicht jedoch die CO2-Konzentration.

Ein weiterer Punkt sei die durch Personen ansteigende Luftfeuchtigkeit – auch hier wären Lüftungsanlagen das Mittel der Wahl. „Lüftung heißt nicht gleichzeitig auch Kühlung“, so Rittmann. Bei den immer heißeren Sommern müssten passende Lösungen gefunden werden. Klimaanlagen sah er aufgrund des hohen Energiebedarfs eher kritisch.

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Mit kaltem Wasser durchspülte Kühldecken könnten eine Möglichkeit sein. Die Anforderungen an eine Lüftung seien somit in Bezug auf Zugluft- und Keimfreiheit, Temperatur, Geräuschentwicklung und Betriebskosten hoch und komplex. Ein absolutes „Muss“ sei die raumspezifische Regelungsmöglichkeit von Lüftungsanlagen für jedes einzelne Zimmer, neben den Geräte- und Installationskosten müssten Planer vor allem auch die Betriebs- und Wartungskosten im Auge behalten.

Lanze für Qualitäts-Architektur

Professor Dr.-Ing. Alexander Beck aus Schwäbisch-Hall brach in seinem Vortrag eine Lanze für eine „ökologische, ökonomische und sozialkulturell funktionierende“ Architektur. Eine solche hohe Qualität setze einen aufwändigen technischen Prozess voraus, bei dem man immer wieder mit den Auftraggebern in die Diskussion gehen müsse. Im Rahmen des Spannungsfelds „Zeit, Kosten und Qualität“ müsse immer wieder neu austariert werden.

Ausführlich ging er auf das Thema „volumengleicher Neubau“ im Vergleich zu Kern- oder Teilsanierungen ein. Beim Neubau an gleicher Stelle dürfe man nie vergessen, dass noch Interimslösungen für die Unterbringung der Schüler während der Bauzeit und Abrisskosten hinzukämen. Beim Neubau an anderer Stelle brauche man ein Grundstück, eventuelle Erlöse für die alte Liegenschaft könnte diese Kosten jedoch relativieren. Positiv bei Sanierungen schlage sich, so Beck, der Werterhalt nieder. Genauso sei die pädagogische Raumfunktion der neu entstehenden „Lernlandschaft“ zu berücksichtigen – hier gab er mit auf den Weg, dass diese Fragen „gemeinsam mit den Lehrern“ zu klären seien.

Diplom-Ingenieur und Architekt Hans-Jürgen Schneble aus Heidelberg stellte Beispiele erfolgter Schulsanierungen und das Forschungsprojekt „dezentrale, fassadenintegrierte Lüftungsanlagen für energetisch sanierte Gebäude“ vor. Heißere Sommer und schlechte Luft in den Klassenzimmern seien ein großes Problem. Er erläuterte, dass bei sanierten Gebäuden die Luft regelrecht „eingesperrt“ würde. Nachts mit kühler Luft lüften sei hier eine Lösung, das gehe aber nur mit Lüftungsanlagen. Nachträglich eingebaute Lüftungsgeräte seien oft sehr groß, es gebe Probleme mit Zugluft und den Betriebsgeräuschen.

Modelle vorgestellt

Er habe mit mehreren Einzellüftern, ausgestattet mit Solarkollektoren, gute Erfahrungen gemacht. Der Einbau dieser kleinen Geräte könne beispielsweise an den senkrechten Fensterrahmen erfolgen. Integrierte Wärmetauscher hielten im Winter die Wärme „drinnen und im Sommer draußen“. Selbst bei denkmalgeschützten oder bereits energetisch sanierten Gebäuden sei deren Einbau nachträglich möglich. Messungen mit ertüchtigten Räumen hätten ergeben, dass diese Lösung sowohl in Bezug auf die Temperaturen als auch der CO2-Konzentration und den Betriebskosten gut und nachahmenswert sei. In seinem vorgestellten Projekt (circa vier Einzellüfter pro Raum) waren die Umbaukosten pro Klassenzimmer (hochgerechnet auf heute) circa 19 000 Euro, für Betrieb und Wartung kämen noch rund 65 Euro pro Zimmer und Jahr hinzu.

Hersteller solcher Einzellüfter ist beispielsweise die EnerSearch Solar, Mitarbeiter Dipl.-Physiker Marco Wagner vermittelte in seinem Vortrag zahlreiche technische Hintergründe. Einzellüfter, so Wagner, hätten folgende Vorteile: Ein geringerer Stromverbrauch als ein einzelner Großlüfter, keine Zugluft, kaum Geräuschentwicklung und eine gute nachträgliche Montier- und Einbaubarkeit.

Intelligent verschatten

Für die Temperaturregelung sei es wichtig, auf eine entsprechende Abschattung mit intelligenter Zeitsteuerung an den Fenstern zu achten. „Ab neun Uhr sollte im Sommer kein Fenster mehr geöffnet werden“, so Wagner. Die Lüfter sorgten über Nacht dafür, dass die kältere Luft das Gebäude abkühlen könne (Sommernachtkühlung). Tagsüber werde zwar Frischluft (wichtig für den CO2-Gehalt und die ideale Luftfeuchtigkeit) angesaugt, die Wärme bleibe aber aufgrund der eingebauten Wärmetauscher draußen. Dieser Effekt sei im Winter natürlich genau umgekehrt, die einströmende kalte Luft werde durch die Innenluft erwärmt.

Abschließend erläuterte Organisator Uwe Ristl die verschiedenen Fördermöglichkeiten und bedankte sich bei den Referenten für die fundierten Vorträge.

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