FN-Serie „Unser Wald“ - Im Hardheimer Forst mit Revierleiter Florian Pogorzelski unterwegs Exotische Baumarten rücken in den Fokus

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Ralf Marker
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Das muss man schon genau hinschauen: Die Atlaszedern wurden erst in diesem Jahr gepflanzt und müssen noch groß und stark werden. © Ralf Marker

Hardheim. Von diesen Bäumen gibt es einige in den Wäldern des Neckar-Odenwald-Kreises. Die Fränkischen Nachrichten haben sich mit Revierförster Florian Pogorzelski an einem warmen Spätsommertag auf den Weg gemacht und im Hardheimer Forst umgeschaut.

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Der Weg zum ersten Waldbild macht bereits auf die Dringlichkeit des Themas aufmerksam. Im Gemeindewald Hardheim, Distrikt 8 „Berg“ rascheln jede Menge trockene Blätter unter den Füßen, kleine Staubwolken wirbeln auf. Der Boden ist knochentrocken. Der Betrachter kommt nicht sofort auf den Gedanken, dass er hier vor einem besonderen Baum steht. „Das ist eine Edelkastanie, oder Esskastanie“, klärt Pogorzelski auf. Die wärmeliebende Edelkastanie (Castanea sativa), entlang des Oberrheingrabens bereits durch die Römer verbreitet, wird als eine potenziell angepasste Baumart an die erwartete Erwärmung durch den Klimawandel eingeschätzt.

Die Edelkastanie ist gut an mäßig frische bis sehr trockene Standorte angepasst, erträgt aber staunasse oder kalkhaltige Böden nicht gut. Sie kommt mit einem jährlichen Niederschlag von 400 bis 1600 Millimeter aus. „Allerdings ist sie spätfrostgefährdet, das mag sie nicht. Genau so wenig einen richtig harten Winter.“ Aber die scheinen ja aus der Mode zu kommen. „Richtig tiefe Temperaturen sind die Ausnahme geworden“, so Pogorzelski. Seit etwas mehr als zehn Jahren gedeihen die Kastanien im Wald und fruktifizieren sogar schon.

Genau gegenüber, auf der anderen Seite des Waldweges, steht der Baum des Jahres 2020, der nächste Exot. Robinien (Robinia pseudoacacia) wurden hier gepflanzt. Sie ist mit Blick auf den Klimawandel ein kleiner Wunderbaum. Die Robinie ist anpassungsfähig, anspruchslos und zeichnet sich durch extrem dauerhaftes und hartes Holz aus. Sie zählt damit zu einer recht häufig in Europa angebauten fremdländischen Baumart. Außerdem verfügt sie über eine ausgewiesene Toleranz gegenüber Hitze und Wasserstress, was bei einem prognostizierten Klimawandel von Bedeutung sein kann. „Das Holz der Robinie ist bei vernünftigen Schaftqualitäten durchaus gefragt, zum Beispiel im Außenverbau, der Mehrgenerationenplatz in Schweinberg wurde beispielsweise aus reiner und unbehandelter Robinie errichtet“, so der Revierleiter.

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Sie stammt ursprünglich aus dem Osten der Vereinigten Staaten und kommt – wie auch die auf der gleichen Fläche stockende Esskastanie – mit geringen Niederschlägen aus: Spärliche 400 bis 500 Millimeter jährlich genügen ihr. 3200 Kastanien und 2500 Robinien wurden in dem etwa zwei Hektar großen Waldbereich vor zehn Jahren gepflanzt.

Hoffnungsvoller Ersatz

Weiter geht die Fahrt zu einer 0,4 Hektar großen Versuchsfläche aus Gelbkiefer (Pinus ponderosa) und Douglasie (Pseudotsuga menziesii). Letztere Baumart ist bereits seit über hundert Jahren voll etabliert und bewährt in Mitteleuropa und gilt als hoffnungsvoller Ersatz für die schwindende Fichte im Bauholzbereich. Die mit der Douglasie gruppenweise gemischte Gelbkiefer aber hat großes Potenzial, wenn der prognostizierte Klimawandel kommt. Sie hat eine große Bandbreite in ihrem Standortsanpassungsvermögen und ihrer Ökologie. Das wird bei einem Blick auf ihre natürliche Verbreitung im Westen von Nordamerika deutlich: vom südlichen Kanada bis Mexiko und von Oklahoma bis zur Pazifikküste. Beim jährlichen Niederschlag ist sie noch genügsamer, der liegt dort zwischen 280 und 1750 Millimeter. Zwei Monate Trockenheit im Sommer steckt sie weg, sie gilt als dürretolerant.

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Groß ist ihre Kältetoleranz, die liegt bei minus 43 Grad. Das wird sie im Hardheimer Wald wohl nicht erleben. Wohl aber Wind, gegen den gilt die Gelbkiefer als widerstandsfähig. Das macht sie für Standorte im Odenwald interessant. „Ich nenne diesen kleinen Anbauversuch wegen der im westlichen Nordamerika bekannten natürlichen Vergesellschaftung von Gelbkiefer und Douglasie meinen ,kleinen amerikanischen Wald’“, so Pogorzelski lächelnd. Gepflanzt wurden die insgesamt 800 Bäume 2014.

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Exotenbäume sind in Deutschland kein ganz neues Thema. Das wird beim nächsten Waldbild deutlich. 50-jährige Roteichen (Quercus rubra) stehen hier mit bereits ansehnlichen Dimensionen und ansprechender Qualität. Die Amerikanische Roteiche ist schon lange in Europa vorhanden und wird als potenzielle Art für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel eingeschätzt. „Sie wird an Bedeutung gewinnen“, sagt der Revierleiter. Das sei auch eine Baumart, mit der man operieren könne, da man mit der Roteiche bereits Erfahrung hat. Sie stammt aus dem Osten der USA und dem Südosten Kanadas. Beim jährlichen Niederschlag ist sie anspruchsvoller: Mindestens 700 Millimeter sollten es nach Möglichkeit sein, sie gedeiht aber nachweislich auch bei geringeren Niederschlägen. Die Roteiche ist zudem eine sehr wichtige Wirtschaftsbaumart in den USA.

Resistenz gegen Trockenheit

Noch ganz klein sind die Bäume bei der letzten Station der Exkursion. Die 400 Atlaszedern (Cedrus atlantica) wurden erst in diesem Frühjahr gepflanzt und müssen noch gegen Verbiss durch Wild geschützt werden. Die Atlaszeder zeigt eine gute Resistenz gegen Trockenheit, das zeigt sich bereits jetzt am sehr geringen Ausfall über den trockenen Sommer.

Ihre natürliche Verbreitung ist das Atlasgebirge in Marokko und Algerien, wo sie auf einer Höhe von 1350 bis auf 2400 Metern wächst. Der jährliche Niederschlag liegt zwischen 499 und 1786 Millimeter. Diese Zeder ist die wichtigste Wirtschaftsbaumart in Marokko, sie ist genügsam. „Auch auf sie werden langfristig gewisse Hoffnungen als Ersatz für die Fichte im Bereich des Bauholzes gesetzt“, sagt der Revierleiter. Was nicht heißt, dass die genannten alternativen Baumarten als Monokulturen im Wald angepflanzt werden. „Genau das wollen wir nicht“, so Pogorzelski. Einheimische Baumarten sollen und dürfen nicht verdrängt werden. „Auch wissen wir noch viel zu wenig über das Gedeihen der alternativen, fremdländischen Baumarten und ihre Auswirkungen auf unsere heimischen Waldgesellschaften.“ Deshalb seien diese kleineren Versuchsanbauten absolut sinnvoll und notwendig. Ziel müsse aber mittel- bis langfristig eine punktuelle Vergrößerung der Bandbreite an Baumarten sein, ohne die heimische Waldökologie zu gefährden. „Nur so können wir den Herausforderungen des Klimawandels begegnen.“

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter Buchen, zuständig für Walldürn.