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Deutscher Hotel- und Gaststättenverband im Neckar-Odenwald-Kreis - Interview mit dem Kreisvorsitzenden / „Unsere Branche macht sich ernsthaft Sorgen“

„Eine Stornowelle ist über uns gerollt“

Von 
Sascha Bickel
Lesedauer: 
Vor einem Restaurant hängt dieses Schild mit der Aufschrift „Liebe Gäste bei uns gilt 2G – geimpft oder genesen. Bitte halten Sie Ihre Nachweise bereit“.

Die Gastronomie und Hotellerie gehen durch ein wahres Wechselbad der Gefühle. Aktuell trübt sich die Stimmung wieder stark ein, weil die vierte Corona-Welle übers Land rollt. Weihnachtsfeiern werden haufenweise storniert. Der Frust wächst.

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Neckar-Odenwald-Kreis. Schon mehrfach hat die Redaktion mit Branchenvertretern über die Corona-Situation und deren Auswirkungen auf die Geschäfte gesprochen. Nachdem sich die Stimmung im Spätsommer und zu Herbstbeginn merklich aufhellte, sinkt sie aktuell wieder dem Nullpunkt entgegen – Paul Berberich, der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Neckar-Odenwald-Kreis, spricht von einer Tragödie.

Lassen Sie uns kurz zurückblicken: Wie ist es der Gastronomie und Hotellerie in den vergangenen Monaten ergangen?

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Sascha Bickel
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Paul Berberich: Das Sommer- und Herbstgeschäft waren bis Ende Oktober in den meisten Betrieben sehr gut und fast auf Vor-Corona-Niveau 2019. Wochenweise bei dem ein oder anderen sogar darüber.

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Wie ist nun die aktuelle Situation? Spüren Sie gerade eine Flut an Absagen von Weihnachtsfeiern oder Familienfeiern vor und an Weihnachten?

Berberich: Fast schlagartig bleiben durch die Corona-Verordnungen, die Einschränkungen 3G/2G usw. viele Gäste weg und ganz viele Veranstaltungen geschäftlich wie privat, Feiern, Zusammenkünfte und sogar Kurzurlaubsreisen werden wieder storniert. Es ist eine regelrechte Stornowelle – auch was Weihnachtsfeiern betrifft – auf uns zugerollt. Auch geimpfte und genesene Gäste bleiben aus Vorsicht oder bei Gruppen, weil Ungeimpfte dazwischen sind, weg. Insgesamt eine Katastrophe.

Was sagen Sie zu den Entwicklungen auf Bundes- und ebenso auf Landesebene?

Berberich: Die Politik hat mit ihren Entscheidungen zum Ausbremsen der vierten Corona-Welle viel zu lange gezögert. Das hängt natürlich auch mit der „Übergangslage“ von der alten Regierung zu einer neuen Regierung zusammen. Die Bundestagswahl ist uns, was die Corona-Lage betrifft, mit zum Verhängnis geworden. Der Flickenteppich zwischen den einzelnen Länderregelungen bei den Corona-Verordnungen sorgte für viel Verwirrung und Unsicherheiten. Keiner weiß mehr richtig Bescheid.

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Der Dehoga muss das in vielen zusätzlichen Mitgliederanfragen mit einer Unzahl von zusätzlichen Aufwandsstunden ausgleichen und den ganzen Unmut der Gastronomen abfedern.

Wie geht es jetzt weiter?

Berberich: Das weiß keiner so richtig und hängt wohl ganz von der weiteren Entwicklung der Infektionszahlen und der Überlastung unserer Kliniken und dem entsprechenden Pflegepersonal ab. Wenn die Krankenhäuser, Ärzte und Pfleger am Limit sind und die ersten auch Nicht-Corona-Notfallpatienten nicht mehr behandelt werden können, wird die Politik wohl noch weitere Einschränkungen im öffentlichen Leben veranlassen müssen.

Ich will das Wort „Lockdown“ eigentlich nicht in den Mund nehmen. Soll und darf man ja auch nicht mehr. Aber drei große Fragezeichen bleiben? Unsere Branche macht sich ernsthaft Sorgen.

Wie groß sind die personellen Probleme in der Branche?

Berberich: Gerade die letzten zwei Monate hat sich unsere Personalsituation wieder ein wenig erholt und einige Kollegen konnten wieder neue Mitarbeiter gewinnen. Das gute Sommergeschäft hat wieder ein wenig Vertrauen in die Branche gebracht. Nun ist alles wieder dahin. Weitere Kurzarbeit oder schlimmsten Falles Entlassungen mangels Arbeit und wirtschaftlicher Notlage werden die Situation für die kommende Saison ab Frühjahr 2022 nochmals verschärfen. Es ist eine Tragödie!

Redaktion Hauptsächlich zuständig für die Große Kreisstadt Bad Mergentheim

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