„Du bist gut so wie Du bist“

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Dascha hat ein paar Pfunde mehr auf den Rippen. Alex eine sehr tiefe Stimme. Maria will die erste gehörlose Siegerin werden. Ana betet jeden Abend. Franzi ist nach eigener Aussage eher so die „Metal Bitch“. Soulin ist aus Syrien geflüchtet. Und Lena kommt sogar aus Bayern.

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Deutschlands berühmteste Casting-Show geht in die 16. Runde und wieder kann nur eine Germany’s Next Topmodel werden. Das neue Motto der Show und der Schlüssel zum Erfolg: Personality! Ein durchaus cleverer Schachzug, das Bedürfnis nach Diversität und einer vielfältigen, selbstbestimmten und selbstbewussten Gesellschaft, welches gerade die junge weibliche Zielgruppe verkörpert, aufzugreifen. Allein für die Quote? Vielleicht. Und trotz aller Kritik besitzt diese Sendung mit Sicherheit nach wie vor eine Strahlkraft, die ein Zeichen setzt: Du bist gut so wie Du bist! Und das ist gut so.

© Picasa

So kann auch ich zugeben, dass ich jede Folge dieser 16. Staffel mitverfolgt habe. Ja, ich bin zu Beginn gezwungen worden, dieses werbeüberladene Feuerwerk an lustigen Klamotten und sehr besonderen Typen mitanzuschauen. Erschreckenderweise tue ich es mittlerweile freiwillig. Was mich verwundert: Wie passt es zu dieser Imagesendung für Diversität und Toleranz, dass von Beginn an mit besonderer Hingabe Szenen gezeigt werden, in denen sich die Kandidatinnen gegenseitig anzicken, lästern und sich verbal an die Gurgel gehen.

Im wirklichen Leben arbeite ich mit Schülerinnen und Schülern zusammen. Und natürlich ist Fertigmachen, Ausgrenzen und Mobbing auch hier ein Thema. Ich wünsche mir, dass Gemany’s Next Topmodel genau da ein Zeichen setzt. Es reicht nicht, offen für alles zu sein. Ich muss es mit meinem ganzen Handeln verkörpern.

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Es braucht eine Heidi Klum, die sich nicht an kleinen Gemeinheiten und Intrigen aufgeilt, sondern sich hinstellt und ihren Mädchen klarmacht, für was diese Sendung denn nun steht. So funktioniert Vorbild sein meiner Meinung nach.

Kandidatin Lena, die auf dem Bauernhof groß geworden ist, scheidet leider schon in der ersten Runde aus. Diversität scheint also doch ihre Grenzen zu haben und bis eine Kandidatin mit Gummistiefeln und Latzhose im Finale steht, müssen wohl noch ein paar Staffeln ins Land gehen.

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Michael Miltenberger, Leitung im Jugendpastoralen Team Odenwald-Tauber und Referent im Arbeitsbereich Schule

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