Europawahl 2019 - Enttäuschung bei CDU und SPD / Freude bei den Grünen und bei der FDP / AfD spricht „von beachtlichem Ergebnis“ „Das Minus von rund 14 Prozent ist ernüchternd“

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Sabine Braun und Sabine Braun
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Mit der Auszählung der Europawahl begann auch in Buchen am Sonntagabend das große Auszählen. © Olaf Borges

Herbe Verluste für die CDU, aber auch für die SPD, Zugewinne für Grüne, AfD, FDP und Freie Wähler – das brachte die Europawahl. Die FN fragten die Parteien nach einer Bewertung.

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Neckar-Odenwald-Kreis. Die wichtigste politische Kraft im Landkreis ist und bleibt die CDU. Doch statt der 52,3 Prozent im Jahr 2014 erzielte sie nun bei der Europawahl nur noch 38,1 Prozent der 67 289 gültigen Wählerstimmen, so das vorläufige Ergebnis. In keiner Kommune kam die Partei über 50 Prozent – allerdings sehr nahe dran mit jeweils über 48 Prozent in Mudau, Ravenstein und Hardheim.

„Ein Minus von rund 14 Prozent auf Kreisebene – das ist natürlich ernüchternd, auch wenn wir nach wie vor die stärkste Kraft sind“, so der CDU-Kreisvorsitzende Markus Haas, Bürgermeister von Waldbrunn. „Die herben Verluste drücken ganz arg“, betonte er. Man werde nun analysieren, diskutieren und Schlüsse ziehen müssen. Die Wahlkämpfer vor Ort hätten jedoch ihr Möglichstes gegeben.

„Bittere Niederlage für SPD“

Auch die SPD kann nicht zufrieden sein: Zwar verlor sie weniger als die CDU, doch der Absturz von über 21 Prozent auf jetzt 14,7 Prozent schmerzt. „Das Europawahlergebnis ist einmal mehr eine bittere Niederlage für die SPD“, bedauert Kreisvorsitzender Jürgen Graner. Er sieht aber auch einen Grund zur Freude: „Zum Glück hat es unsere Europaabgeordnete und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Evelyne Gebhardt, wieder geschafft und vertritt die SPD auch weiter als soziale Stimme in Europa“.

„Bürger wollen Klimaschutz“

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Jubel dagegen bei den Grünen: Sie sind mit 15,6 Prozent zweitstärkste Kraft im Kreis geworden und konnten ihr Ergebnis gegenüber den Europawahlen von 2014 (6,8 Prozent) mehr als verdoppeln.

„Über das gute Ergebnis freuen wir uns sehr, auch wenn wir im Neckar-Odenwald-Kreis immer noch sehr konservativ sind, wenn ich das mit den Städten vergleiche“, so Grünen-Sprecherin Amelie Pfeiffer aus Bödigheim.

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Glücklich sei man, dass der Rechtsruck in Europa nicht so extrem gekommen sei wie befürchtet. Aus ihrer Sicht zeigt das Ergebnis, dass die Bürger für Europa Demokratie, Toleranz und Klimaschutz wollen.

„Für konservative Normen“

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11,8 Prozent der Stimmen holte die AfD im Neckar-Odenwald-Kreis (2014: 6,6 Prozent). Ihr Sprecher Bernd Kirst freut sich: „Die AfD hat im Neckar-Odenwald ein beachtliches Ergebnis erzielt, das sowohl über dem Gesamtergebnis in Baden-Württemberg als auch Gesamtdeutschlands liegt.“

Nun gelte es, dass „unsere gewählten Kandidaten in Brüssel und Straßburg in Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Kräften AfD-Politik machen, die zu einer Rückbesinnung auf konservative Normen in unserer Gesellschaft führt“. Das werde nicht leicht, sei aber möglich, so Kirst

„Super abgeschnitten“

Achim Walter, Vorsitzender der FDP im Landkreis, ist ebenfalls zufrieden. Seine Partei konnte ihren Anteil von 2,3 auf 5,5 Prozent steigern. „Mit durchschnittlich fünf bis sechs Prozent, manchmal sogar darüber, haben wir super abgeschnitten“, freut sich Walter, „das motiviert auch hier vor Ort“.

3,9 Prozent (2014: 2,3 Prozent) holte die Partei der Freien Wähler auf Europa-Ebene. Mit der Vereinigung der Freien Wähler, die in den Kommunen des Landkreises und im Kreistag aktiv sind, hat diese Partei allerdings nichts zu tun, so der FWV-Kreisvorsitzende Bruno Herberich. Die „Freien“ vor Ort verstehen sich nach wie vor als Bündnis unabhängiger Bürger und haben keine Ambitionen, auf europäischer Ebene aktiv zu werden.

Froh über hohe Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung ist deutlich gestiegen: Warfen 2014 nur 54,3 Prozent der Kreisbürger ihren Stimmzettel in die Urnen, so taten es jetzt 63,5 Prozent.

Das freut die Sprecher der Parteien natürlich. „Es ist immer gut, wenn viele Menschen zur Wahl gehen“, so Jürgen Graner. Achim Walter: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sich die Leute bewusst für die Wahl interessieren“.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Buchen

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