Im Neckar-Odenwald-Kreis - Mit 8,2 Prozent hatten vergleichsweise viele Schulabgänger im Jahr 2018 keinen Abschluss Aussicht auf ein gutes Leben fehlt

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teb/zds
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8,2 Prozent der Schulabgänger blieben im Neckar-Odenwald-Kreis 2018 ohne jeglichen Abschluss. Im bundesweiten Vergleich bedeutet das für den Kreis Platz 306.

Im Neckar-Odenwald-Kreis blieben zuletzt 8,2 Prozent (Vorjahr: 5,0 Prozent) ohne jeglichen Abschluss. © zds
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Neckar-Odenwald-Kreis. Deutschland hat ein Bildungsproblem, der Neckar-Odenwald-Kreis auch: „Stagnation am oberen Ende des schulischen Qualifikationsspektrums, wachsende Probleme am unteren“, beschreibt der Bildungsbericht 2020 der Bundesregierung die Lage. Einfacher ausgedrückt: Es gibt einen unguten Trend zum Schulabgang ohne Abschluss. Bundesweit sind es jetzt 6,8 Prozent der Jugendlichen, die nach der Schule Problemkinder sind, weil sie keinen Abschluss haben. 2013 waren es noch 5,2 Prozent. Im Neckar-Odenwald-Kreis blieben zuletzt 8,2 Prozent (Vorjahr: 5,0 Prozent) ohne jeglichen Abschluss. Im bundesweiten Vergleich bedeutet das für den Neckar-Odenwald-Kreis Platz 306.

Die niedrigste Quote und damit Platz 1 hat der Kreis Eichstätt mit 2,3 Prozent jungen Menschen ohne Abschluss. Es ist allerdings im Gegenzug auch festzustellen, dass der Anteil der Abgehenden mit Abitur bundesweit einen neuen Höchstwert erreicht hat: 34,8 Prozent der zuletzt gezählten Schulabgänger hatten das Reifezeugnis in der Tasche. Verglichen damit liegt die Quote im Neckar-Odenwald-Kreis mit rund 30,5 Prozent Abiturienten niedriger als im Bund. Und in der Bundesliga der Abiturienten liegt man damit auf Platz 228 unter den 403 im Regionalatlas ausgewerteten Städten, Kreisen und Stadtstaaten, Spitzenreiter mit einer Abiturientenquote von 64,6 Prozent ist in diesem Vergleich die Stadt Neustadt an der Weinstraße.

Sozialer Sprengstoff

Der Blick auf die Kehrseite der Bildungsmedaille hat seinen Grund: Hier liegt sozialer Sprengstoff, weil die Aussicht auf ein gutes Leben fehlt: In ganz Baden-Württemberg beendeten 6,4 Prozent junge Menschen die Schulzeit, ohne einen Hauptschulabschluss in der Tasche zu haben. Das ist eine etwas geringere Quote als im Vorjahr mit damals 6,6 Prozent. Deutschlandweit ist der Anteil der Abschlusslosen zum fünften Mal in Folge – nach Jahren mit sinkender Tendenz – gestiegen: und zwar von 5,2 Prozent 2013 auf zuletzt 6,8 Prozent. Allerdings ist diese Zahl statistisch mit Vorsicht zu genießen, weil die Statistiker da zwei Gruppen mixen, die nicht in einen Topf gehören: Enthalten sind auch Schulabgänger ohne Abschluss, die gar keinen Abschluss machen konnten, weil sie eine Förderschule besuchten. Viele von ihnen eine mit dem Schwerpunkten Lernen oder Geistige Entwicklung, und da wird meist gar kein Hauptschulabschluss angeboten. Aber: Unter den Abschlusslosen „... sind immer weniger Förderschüler, das heißt., der Anstieg geht ausschließlich auf vermehrte Abgänge ohne Abschluss aus den anderen Schularten zurück“, sagt der Bildungsbericht.

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Im Neckar-Odenwald-Kreis entwickelten sich die beiden Gruppen junger Menschen so: 2010 blieben 5,2 Prozent ohne Abschluss, 2013 waren es 4,8 und aktuell sind es 8,2 Prozent. Dagegen machten im Sommer 2018 (auf den 2018er-Werten fußt der Bildungsbericht 2020) im Neckar-Odenwald-Kreis rund 30,5 Prozent der Schüler Abitur, und damit weniger als im Vorjahr mit 31,6 Prozent. Im Jahr 2013 hatte die Abiturienten-Quote bei 25,4 Prozent gelegen und im Jahr 2010 machten rund 28,5 Prozent aller von den Schulen Abgehenden den begehrten Abschluss.

Zutreffende Voraussage

Dabei gilt nach wie vor: Mama Abitur, Papa Abitur, Kind Abitur ist eine noch immer zutreffende Voraussage für den Bildungsweg: „Mehr als sieben von zehn Kindern, von denen mindestens ein Elternteil Abitur oder Fachhochschulreife hat, erreichen diesen Abschluss ebenfalls“, sagt die Bildungsstatistik. Das heißt auch: „Bei den Grundschulübergängen auf weiterführende Schularten treten weiterhin erhebliche soziale Disparitäten auf“, sprich „Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Elternhäusern“ werden von ihren Eltern nicht gleich aufs Gymnasium geschickt. Sie wechseln dann zwar den Bildungsweg häufiger: „Die anfänglichen Unterschiede werden damit aber kaum ausgeglichen“, sagt der Bildungsbericht. Der Anteil der Abiturienten lag zwar mit 35,7 Prozent 2013 bundesweit schon mal höher, aktuell gilt: 34,8 Prozent der zuletzt gezählten Schulabgänger hatten das Reifezeugnis in der Tasche. Verglichen damit liegt die Quote im Neckar-Odenwald-Kreis mit rund 30,5 Prozent Abiturienten niedriger als im Bund.

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Warum das kein reines Hurra auslöst, ist einfach zu erklären: Mama kriminell, Papa kriminell, Kind kriminell, ist auch eine Gleichung, vor der seit Jahren gewarnt wird. Denn: „Betrachtet man den Einfluss der Bildungsvariablen auf kriminelle Verhaltensweisen, so zeigt sich, dass der Abbruch einer Ausbildung, ein fehlender Hauptschulabschluss sowie der Besuch der Hauptschule an sich eine signifikante, meist hochsignifikante Rolle bei der Erklärung kriminellen Verhaltens spielen. Aufgrund des Einflusses dieser Variablen ist zu vermuten, dass insbesondere bei Jugendlichen, die ihren Schulabschluss nicht geschafft haben oder – aus welchen Gründen auch immer – ihre Ausbildung nicht erfolgreich zu Ende führen konnten, ... dazu führen, dass häufiger kriminelle Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden und die Gefahr besteht, in die Kriminalität abzurutschen. Um kriminellem Verhalten wirksam vorzubeugen, ist es daher von entscheidender Bedeutung, Jugendlichen Bildungschancen und, damit verbunden, die Aussicht auf ein selbstbestimmtes und glückliches Leben in Beruf und Gesellschaft zu eröffnen“. Der Satz ist zehn Jahre alt. Er stand 2010 in der Bertelsmann-Studie „Unzureichende Bildung: Folgekosten durch Kriminalität“ zu lesen. Zehn Jahre später ist das Problem nicht kleiner, sondern im Bundesschnitt um 0,5 Prozentpunkte größer geworden. Im Neckar-Odenwald-Kreis sogar um drei Prozentpunkte. Hört sich nicht so viel an, aber ist kein Erfolg einer Bildungspolitik, die „kein Kind zurücklassen“ wollte, wie es in Wahlversprechen hieß. teb/zds