Wirtschaftslagebericht der IHK - Unternehmen beurteilen die aktuelle Lage deutlich besser als in den Vormonaten Zuversicht bei den Geschäftserwartungen

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Werner Palmert
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Die Konjunktur befindet sich in der Region auf einem Erholungskurs. © DPA

Erstmals herrscht bei den Unternehmen im Kammerbezirk Heilbronn-Franken wieder etwas Zuversicht. Das fand diese bei einer Umfrage heraus.

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Main-Tauber-Kreis/Heilbronn. Bei den Geschäftserwartungen überwiegt erstmals seit Sommer 2019 bei den Unternehmen im Kammerbezirk der IHK Heilbronn-Franken wieder die Zuversicht. Diese insgesamt erfreuliche Nachricht stand im Mittelpunkt der gestrigen Präsentation der aktuellen Wirtschaftsdaten durch Hauptgeschäftsführerin Elke Döring, die aufgrund der steigenden Corona-Zahlen erstmals in einer digitalen Pressekonferenz erfolgte.

Mit voller Wucht

Die Corona-Krise traf zu Jahresbeginn die regionale Wirtschaft mit voller Wucht. Die zur Eindämmung der Pandemie getroffenen Maßnahmen führten zu einer tiefen Rezession, die von den Wirtschaftssachverständigen mit der Weltwirtschaftskrise 2009 verglichen wurde. Die Lage in der Industrie war drastisch eingebrochen, der Handel verzeichnete gravierende Umsatzeinbußen, die Dienstleister berichteten von einem „historischen Tiefststand“ und das Hotel- und Gaststättengewerbe erlebte und erlebt ein noch nie dagewesenes Desaster.

Die jüngste Konjunkturumfrage der IHK, an der 419 Unternehmen mit rund 87 000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk beteiligten waren, zeigt, dass sich die Wirtschaft in der Region Heilbronn-Franken langsam von dem heftigen Einbruch infolge der Corona-Pandemie erholt. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im dritten Quartal 2020 deutlich besser als in den Vormonaten eingeschätzt. Die Konjunktur in Industrie und bei den Dienstleistern fällt weniger negativ als in den Vormonaten aus. Der Rückstand zum Vorkrisenniveau ist allerdings immer noch groß. Im Groß- und Einzelhandel haben sich die Geschäfte spürbar belebt. Überdurchschnittlich gut beurteilen nach wie vor die Bauunternehmen ihre aktuelle Situation. Bei den Geschäftserwartungen insgesamt überwiegt, wie eingangs erwähnt, erstmals seit über einem Jahr wieder die Zuversicht. Beim Blick auf die Situation in den vier Landkreisen der Region Heilbronn-Franken, der in der zurückliegenden Zeit durchaus unterschiedliche Kennzahlen hervorbrachte, sind augenblicklich kaum Unterschiede zu erkennen. Die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend negativ beurteilt, wobei sich die Einschätzung zwischen „befriedigend“ und „schlecht“ mit 38 und 39 Prozent im Main-Tauber-Kreis noch am ehesten die Waage hält. 23 Prozent der im Main-Tauber-Kreis befragten Unternehmen bezeichnen die derzeitige Konjunktur mit „gut“. Nur im Stadtkreis Heilbronn wird diese Quote mit 26 Prozent getoppt, dafür sehen 49 Prozent der Unternehmer in der Regionalhauptstadt ihre aktuelle Geschäftslage als „schlecht“ an.

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Bis zum jetzigen Zeitpunkt lassen die Bekanntmachungen der Amtsgerichte auch keine dramatische Entwicklung der Betriebsinsolvenzen erkennen, wenngleich die Anzahl der Insolvenzanmeldungen seit dem 1. Oktober gestiegen ist. Das hängt jedoch auch mit den gelockerten Insolvenzregeln, die angesichts der Corona-Pandemie eingeführt wurden, zusammen.

Aufgrund der derzeitigen Unsicherheiten beim Infektionsgeschehen ist eine Prognose schwierig und die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob ähnliche branchenbezogene Einschränkungen wie im Frühjahr auf die Unternehmen zukommen, wie Pressesprecher Dr. Detlev Schultz-Kuhnt auf Anfrage betont.

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Bedeckt halten sich die Hauptgeschäftsführerin und auch ihr Stellvertreter, Dr. Helmut Kessler, bei der Prognose zur weiteren Entwicklung der Wirtschaft in der Region. Beide sehen den tiefsten Punkt allerdings als überwunden.

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Das Schlimmste was jetzt passieren könnte, wäre eine zweite Infektionswelle und der damit verbundene erneute Lockdown für die Wirtschaft. Döring und Kessler gehen auch davon aus, dass eine lange Durststrecke zu überwinden sein werde, bei der es darauf ankomme, wie die Unternehmen die Liquiditäts- und Finanzierungsprobleme in den Griff bekommen. Sie glauben auch, dass es von großer Wichtigkeit ist, die Exportmärkte wieder zu beleben, sehen aber die größere Chance in der Ankurbelung der Binnenmarktnachfrage.

Langsame Erholung

Die Wirtschaft im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken erholt sich langsam von dem heftigen Einbruch infolge der Corona-Pandemie. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im dritten Quartal 2020 deutlich besser als in den Vormonaten eingeschätzt. Die Konjunktur in Industrie und bei den Dienstleistern fällt weniger negativ aus als in den Vormonaten. Mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit rechnen die Betriebe mehrheitlich voraussichtlich bis Ende 2021. Die Lageurteile der regionalen Unternehmen haben sich im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal deutlich verbessert und es überwiegen leicht die positiven Einschätzungen. 30 Prozent (Vorquartal: 20 Prozent) der Unternehmen sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während 28 Prozent (Vorquartal: 41 Prozent) mit der Geschäftslage unzufrieden sind.

Zögerlicher Optimismus

Bei den Geschäftserwartungen überwiegt erstmals seit Sommer 2019 wieder der Optimismus. 30 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung, während 21 Prozent (Vorquartal: 40 Prozent) skeptisch in die Zukunft blicken. 32 Prozent der Betriebe arbeiten bereits wieder auf Vorkrisenniveau oder rechnen mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit im Jahresverlauf. 31 Prozent kalkulieren im Jahr 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität. Hemmschuh für die weitere wirtschaftliche Erholung sind die aufgrund der hohen Unsicherheit zurückgestellten Investitionen aus dem In- und Ausland. Zudem ist die finanzielle Situation in etlichen Unternehmen herausfordernd.

Für die Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, Elke Döring, bedeutet dies: „Auch, wenn jetzt erfreulicherweise wieder ein Aufwärtstrend zu verzeichnen ist und fast ein Drittel aller Betriebe angibt, bis Ende des Jahres wieder das Vorkrisenniveau zu erreichen, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten Unternehmen davon noch weit entfernt sind. Die mit der Pandemie einhergehenden Geschäftsrisiken bleiben unvermindert hoch. Mehr denn je benötigen die Betriebe daher gute Standortbedingungen.“