150 Jahre Taubertalbahn (Teil 4) - Sehr teure Brücken- und Tunnelbauwerke sicherten das Überleben der Strecke in den 1980er Jahren Wichtige Achse für überdimensionierte Güter

Von 
Bernhard Geisler
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Stabile Brücken und groß dimensionierte Tunnelbauwerke sicherten das Überleben der Bahnlinie zwischen Lauda und Wertheim in den 1980er Jahren.

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Main-Tauber-Kreis/WErtheim. Eine komplette Stilllegung der Tauberbahn stand indessen nie ernsthaft zur Diskussion. Es sind tatsächlich zwei mehr oder weniger bedeutende Faktoren, die das Überleben der Bahnlinie in den entscheidenden 1980-er Jahren gesichert haben.

Vorteilhaft für die Strecke war die Tatsache, dass ursprünglich der zweigleisige Ausbau geplant und bei den sehr teuren Brücken- und Tunnelbauwerken speziell im unteren Streckenabschnitt auch umgesetzt worden war. Richtig stabile Brückenpfeiler und Widerlager wurden im Streckenabschnitt Lauda – Wertheim für die Aufnahme zweier Gleise in die Landschaft gestellt.

Man kann dies heute noch sehr gut sehen, insbesondere bei den Brücken in Gamburg und Bronnbach, wo neben der L 506 jeweils auch die Tauber überspannt ist. Im Gegensatz zu den Brückenbauwerken, bei denen das Trassengleis auf einer Seite der Stützpfeiler aufgelegt ist, wurde das Gleis in den kurzen Tunnelabschnitten mittig verlegt. Dadurch erreichte man zum einen ein über den normalen Regellichtraum hinausgehendes, deutlich größeres Profil, das den Transport von eigentlich überdimensionierten Gütern ermöglicht.

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Der für einen zweigleisigen Ausbau ausgerichtete Untergrund lässt zusätzlich auch schwerste Transporte zu, so dass die Tauberbahn eine wichtige Querverbindung von Crailsheim nach Frankfurt (Main) darstellt, über die man die Hauptabfuhrstrecken bis heute von diesen sperrigen, schweren und langsam vorankommenden Zügen entlasten kann. Die Bahnstrecke durch das Tal der Tauber ist für „LÜ – (Lademaß Überschreitende) Sendungen jedweder Art zugelassen. Nicht selten verkehrten hier Sonderfahrzeuge, wie beispielsweise tiefer gelegte Flachwagen (Tiefladewagen) mit 20 Achsen und mehr, auf denen riesige Transformatoren oder Turbinen bewegt wurden.

Fahrten mit den überdimensionierten Kraftwerksteilen gerieten dennoch zur Sisyphusarbeit. Jedes Bahnsteigdach, jedes Signal, jedes Brückengeländer konnte im Weg sein und so musste die Ladefläche oder die zwischen die Achsenverbände eingehängten Ladungen x-Mal über Handkurbel und hydraulische Vorrichtungen verschoben werden, um nicht an einem Hindernis hängen zu bleiben.

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Ein Großteil der Strecke konnte dadurch nur im Schritttempo zurückgelegt werden und alle Beteiligten waren erleichtert, wenn man schadlos beispielsweise an einem Verladekran im Wertheimer Hafen angekommen war, um auf den Weitertransport mit dem Schiff umzuladen. Der Einbruch bei der Produktion überdimensionierter Turbinen, ins-besondere für die Verwendung in gasbetriebenen Kraftwerken, sorgte in jüngster Zeit für einige Schlagzeilen. Nicht nur deshalb sind die besonderen LÜ-Sendungen auf der Tauberbahn in den letzten Jahren auch deutlich weniger geworden.