Leserbrief - Zu „150 Jahre Taubertalbahn: Kerngeschäft wurde vernachlässigt“ (FN, 9. März) Warten auf den Märchenprinzen

Von 
Manfred Silberzahn
Lesedauer: 

Den Initiatoren dieser Veranstaltung am vergangenen Freitag, der Projektgruppe Regionale Eisenbahn, gebührt höchste Anerkennung für diese gelungene Veranstaltung. Die geladenen Gastredner bestachen allesamt durch ihre Fachkompetenz.

AdUnit urban-intext1

Sven Hantel, Konzernbevollmächtigter der Bahn, sang dem Anlass des Tages entsprechend, das Hohelied der Taubertalbahn. Da hatte er allerdings eine empfindlichen Stelle der zahlreichen Tagungsteilnehmer aus dem Umpfertal getroffen. Diese hatten sich aufgemacht, um auf dieser Bühne ihren Wunsch nach den ihnen zustehenden Haltestellen anzumelden. Er verwies bezüglich dieses Wunsches auf die politischen Mandatsträger, da nur diese gemeinsam mit dem Verkehrsministerium diesen Missstand beseitigen können. Auch der Sprecher der Westfrankenbahn, der tags zuvor das Engagement des Main-Tauber-Kreises als beispielhaft würdigte, hieb in dieselbe Kerbe. Für die Bestellung des Nahverkehrs ist das Land zuständig, dies waren seine Worte.

Der wichtigste Ansprechpartner hierfür, der Landtagsabgeordnete Prof. Dr. Reinhart hatte wohlweislich zu diesem Zeitpunkt die Veranstaltung bereits verlassen. In seinen Grußworten hatte er zwar auf die Verpflichtung des Staates/Landes für eine funktionierende Infrastruktur hingewiesen. Bezüglich der Versorgung der Strecke von Osterburken nach Lauda lässt er bislang leider jegliche Initiative vermissen. Den offenen Brief einer Arbeitsgruppe des SPD-Ortsvereins Boxberg-Ahorn zu diesem Thema, vom November 2017, hat er bis heute nicht beantwortet.

Der anwesende Landrat Reinhard Frank fühlte sich leider überhaupt nicht angesprochen. Einzig der Bürgermeister von Ahorn, Elmar Haas, meldete die Ansprüche seiner Gemeinde an. Der Bürgermeister von Boxberg dagegen hatte es vorgezogen an dieser Veranstaltung nicht teilzunehmen. Wieder hat der Hauptnutznießer einer Wiederbelebung dieser Strecke „vergessen“ seine Ansprüche anzumelden. Seine letzte öffentliche Stellungnahme war der Verweis auf die seit Jahren im Haushalt bereitgestellten Mittel. Durch sein, an den Tag gelegtes, mangelndes Interesse ist man fast versucht zu glauben, er möchte die bereitgestellten Mittel am liebsten gar nicht ausgeben. Dazu passt auch die immer wieder, bei meinen umfangreichen Recherchen, zu hörende fehlende „dringliche Bedarfsmeldung“ seitens der Stadt Boxberg für eine Ertüchtigung der Haltestellen im Umpfertal.

AdUnit urban-intext2

Im schlimmsten Fall besteht hier eine heimliche Absprache mit der Landkreisverwaltung, die augenscheinlich andere Ziele verfolgt. Wie sonst soll man sich die offensichtliche Bevorzugung der Taubertalbahn erklären. Allein in der vergangenen Woche sind Fördermittel von 520 000 Euro aus dem unerschöpflichen Füllhorn des Landes über Tauber- und Mainregion geschüttet worden. Unter anderem mit der abenteuerlichen Begründung zur Förderung des Fremdenverkehrs. Somit wird das „vergessene Tal“ weiterhin im Dornröschenschlaf verharren und vergeblich auf den Märchenprinzen warten, der es wachgeküsst. Die vitalen Interessen der Umpferregion sind offensichtlich weniger als zweitrangig.

Unser Landrat Reinhard Frank hatte beim medialen Auftritt in Rosenberg zur Vorstellung des Positionspapiers offensichtlich auch wichtigere Termine. Wie sonst ließe sich sein Fehlen erklären. Es wurde die einmütige Vorgehensweise der beiden Landkreise bekräftigt. Wenige Tage danach fand ein Treffen im Verkehrsministerium statt, ohne die Vertreter des Main-Tauber-Kreis. Was soll man davon halten?

AdUnit urban-intext3

Abschließend vermisse ich im oben genannten ganzseitigen Pressebericht die Erwähnung der zahlreichen Wortmeldungen aus den Reihen der Zuhörer.

AdUnit urban-intext4

Mit keiner Silbe wurden diese erwähnt. Objektive Presse stelle ich mir anders vor.