Trotz Corona - Blumencafé bietet etwas Normalität Stückchen Lebensfreude

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Wittighausen. Das Coronavirus wirbelt den Alltag durcheinander. Probleme mit der Lebensmittelversorgung gibt es bisher keine. Doch der Mensch lebt nicht allein von Brot, Nudeln und Fertigsuppen. Dieser Meinung ist jedenfalls Blumencafé-Inhaberin Christina Reinhard. Und die Reaktion ihrer Gäste gibt ihr recht.

Anneliese, Katja und Christina Reinhard (von links) – drei taffe Frauen versorgen die Wittighäuser. © Renate Henneberger
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Mit Inkrafttreten der Corona-Verordnung des Landes zum 23. März musste Familie Reinhard Café und Gaststätte bis auf Weiteres schließen. In der Zwangspause ist die junge Unternehmerin nicht untätig. Sie macht sich mit Mutter Anneliese Gedanken, wie man die Krise am besten bewältigen könne. „Als ich auf Internet und über Facebook ankündigte, dass wir beabsichtigen, unser hausgemachtes Gebäck am Sonntag von 14 bis 16 Uhr im Straßenverkauf anzubieten, war das Echo geradezu überwältigend“, erzählt Christina Reinhard.

Unternehmerischen Mut und Einfallsreichtum hat sie bereits bei der Eröffnung des Blumencafés im Januar 2015 bewiesen. „Es war ein Wagnis und es gab auch skeptische Stimmen, die den Erfolg des Unternehmens in einer kleinen Ortschaft in Frage stellten“, erinnert sich die gelernte Floristin. Ob Damen-Kaffee-Kränzchen, Seniorentreff oder Familienfrühstück – inzwischen ist das kleine Café aus dem Ort nicht mehr wegzudenken. „Bedauern und ein bisschen Wehmut beherrschten die Stimmung der letzten Tage vor der Schließung“, erzählt Christina Reinhard. Aber auch viel Zuspruch und Ermutigung habe sie durch ihre Gäste erfahren.

„Backen, das ist für mich mehr als nur ein Geschäft. Es ist pure Freude und Leidenschaft“, sagt Christina Reinhard. Wieder mal Teig rühren, Sahne schlagen und den Duft von Frischgebackenen schnuppern – seit Tagen juckte es der begeisterten Bäckerin in den Fingern. „Die „Maulwurftorte“ ist der absolute Favorit der Tortenliebhaber“, weiß Anneliese Reinhard aus Erfahrung. Kalorientabellen, Cholesterinwerte und Alltagssorgen treten für einige Momente in den Hintergrund.

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Das Café ist geschlossen, verkauft wird über eine geschaffene Durchreiche an der Terrassentüre. Fußbodenmarkierungen machen auf die Einhaltung des Sicherheitsabstandes aufmerksam. Hübsch zurechtgemachte Schalen und Gestecke mit Tulpen und Narzissen stehen im Außenbereich zum Verkauf und erinnern: Es ist Frühling, trotz Corona-Krise.„Sicherheit geht vor“, erklärt Christina Reinhard. „Deshalb wird die Bezahlung nicht direkt über die Kasse abgewickelt. Die Kunden werfen das Geld in einen dafür vorgesehenen ,Briefkasten’. So wird direkter Kontakt vermieden.“

„Es geht natürlich ums eigene Überleben, um die Existenz“, erklärt Anneliese Reinhard. „Aber auch darum, den Menschen hier am Ort etwas Genuss und Normalität zu bieten“, ergänzt Christina Reinhard. „Mit jedem Stück Kuchen verkaufen wir ein bisschen Lebensfreude, denn die darf in diesen ernsten Zeiten nicht fehlen.“ Oder kurz gesagt mit einem Zitat von Liedermacher Konstantin Wecker: „Wer nicht genießt, wird ungenießbar.“