Landkreisehrenamtspreis - Erstmals zeichnete die Jury keine Einzelpersonen, sondern Laientheatergruppen für ihr kulturelles Engagement aus Spielfreude auf äußerst hohem Niveau

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Heike von Brandenstein
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Martin Luther und der Pickelhaubenpolizist stammen aus ganz unterschiedlichen Epochen. Die „Theaterfreunde Schwabhausen“ ließen beide über Handys staunen. © Heike von Brandenstein

Großes Theater wurde am Dienstagabend bei der Verleihung des Landkreisehrenpreises geboten. Ausgezeichnet wurden sechs Laienspielgruppen, die ihre Stücke auf die Bühne bringen.

Landkreisehrenpreis

Die Richtlinien über den Landkreisehrenpreis beschloss der Kreistag im Juni 2007.

Danach kann an Personen, die sich auf Kreisebene durch aktive und ehrenamtliche Tätigkeit für kulturelle, sportliche, soziale, kirchliche und andere gemeinnützige Ziele engagieren, der Ehrenpreis verliehen werden.

Träger des ersten Landkreisehrenpreises war Hugo Kistner aus Igersheim, der zahlreiche Filme über den Main-Tauber-Kreis gedreht hat.

Der zweite Preis ging an Johannes Ghiraldin aus Tauberbischofsheim. Er ist Gründer und langjähriger Vorsitzender des Vereins zur Erforschung jüdischer Geschichte und Pflege jüdischer Denkmäler im tauberfränkischen Raum.

Im Jahr 2013 wurde der dritte Landkreisehrenpreis an Dr. Carlheinz Gräter für sein umfassendes schriftstellerisches Werk über Land und Leute in Tauberfranken verliehen.

Bei der vierten Preisverleihung wurde der Landkreisehrenpreis erstmals an eine Frau verliehen. Clarry Bartha aus Boxberg wurde diese Auszeichnung für ihr großes Engagement im Bereich Musik verliehen.

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Main-Tauber-Kreis. So eine ausgelassene und fröhliche Stimmung herrscht im Tauberbischofsheimer Rathaussaal höchst selten. Flotte Sprüche und selbstbewusstes Auftreten gehören für Schauspieler eben dazu. Doch auch leise Szenen mit Tiefgang waren am Dienstagabend zu hören. Laientheater, das wurde schnell deutlich, ist so vielfältig wie die Stücke, die auf den großen professionellen Bühnen aufgeführt werden. Es geht nicht immer um die leichte Heimatsottise, sondern ebenso um Themen, die berühren und den Alltag, wenn auch, wie im Theater üblich, überspitzt widerspiegeln.

Vielfalt und Kreativität

Landrat Reinhard Frank sollte sich für das kommende Jahr viele Abende im Frühjahr und Sommer freihalten, denn die Einladungen der sechs Bühnen aus dem Main-Tauber-Kreis, die mit einem Preis bedacht wurden, sind nur schwer auszuschlagen. Auch er zeigte sich begeistert von der Vielfalt und Kreativität der Theatermacher und -darsteller. Die früher übliche Bezeichnung des Liebhabertheaters würde er den Begriffen Laienspiel oder Laientheater zudem vorziehen. Schließlich stehe das Vergnügen im Mittelpunkt, so der Landrat.

Er versäumte es nicht, die vielen fleißigen Helfer in den Vereinen, die nicht auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stehen, zu nennen: Die Bühnenbauer, Maskenbildner, Beleuchter und Souffleusen ebenso wie diejenigen, die sich um den Kartenvorverkauf, die Bewirtung oder die Garderobe kümmerten.

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Sechs Gruppen, allesamt als Verein organisiert, hätten sich um den Landkreisehrenpreis beworben, erläuterte Frank. Weil die Jury alle als kulturelle Bereicherung für den Landkreis erachtet, entschloss sie sich kurzerhand, alle sechs mit einer Urkunde und einem Geldbetrag auszuzeichnen. Die ersten drei Preisträger erhielten zudem eine Glastrophäe. Als Sieger kürte der Landrat den Burgschauspielverein Freudenberg, der dieses Jahr „Die Päpstin“ aufgeführt hat. Mit einer Videosequenz zeigte die Gruppe ihr Können, weil die Hauptdarstellerin der Johanna erkrankt war. Vorsitzender Hartmut Beil war sichtlich gerührt über die überraschende Ehrung und sieht sie als Anreiz, sich auch künftig im Amateurtheaterbereich zu engagieren.

Den zweiten Platz sicherte sich das „Freilichttheater im Tempele“ aus Niederstetten. Mit „Kohlhiesels Töchter“ hatte es in der vergangenen Saison eine vielumjubelte Satire auf die Bühne gebracht, das die Rekordbesucherzahl von 7000 Zuschauern aller Altersklassen in seinen Bann zog, wie Vereinsvorsitzende Heidi Maedel erläuterte. „Wir hatten einen regelrechten Rollatorenparkplatz“, freute sie sich über das Interesse älterer Besucher, die den Stoff meist durch die Verfilmung mit Lilo Pulver kennen.

Szenische Kostprobe

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Platz drei sicherte sich der „Reinsbronner Bühnenzinnober“, der mit selbst geschriebenen Stücken des Vorsitzenden Arno Boas mal leichte, mal schwerere Kost auf die Bühne bringt. Im kommenden Jahr wird es um das Thema Erbschaft gehen. Eine szenische Kostprobe gab das Quintett schon vorweg, wobei klar wurde, dass es sich um durchaus realistische Familiendifferenzen bei der Frage um die Erbschaft handelt. Arno Boas kündigte die Sequenz als „Trailer von einem Stück, dass es noch nicht gibt“, an.

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Die Preise vier bis sechs gingen an die „Doredräwer“ Schäftersheim, die „GewölbeGaukler“ Wertheim und die Theaterfreunde Schwabhausen. Während die „Doredräwer“ auf den heimischen Dialekt setzen und die Wahl der Weinkönigin witzig und pointiert darboten, wurde es bei den „GewölbeGauklern“ ernster. Eine Szene über das Altsein, die Gebrechlichkeit und die schwindenden Freuden des Lebens wurden hier gezeigt.

Die Theaterfreunde Schwabhausen, ebenfalls dem Dialekt verpflichtet, banden ihre jüngsten mit den erwachsenen Bühnenprotagonisten zusammen. Die auf Schaufensterpuppen drapierten Kostüme im Fundus erwachten aus vergangenen Zeiten zum Leben und entfachten ein Spiel um Erfahrungen aus weit entfernten Epochen.

Eine heitere, vielschichtige und hochwertige Preisverleihung kann sich der Landkreis mit dieser ersten Gruppenauszeichnung im Rahmen des Landkreisehrenamtspreises auf die Fahnen schreiben. Er hat damit nicht nur einzelne, sondern viele engagierte Menschen prämiert, die mit Kultur andere Menschen in den Bann ziehen und Freude schenken.

Info: Ein Film über die Verleihung des Lankreisehrenpreises ist unter youtube in unserem fnwebvideo channel im Internet zu sehen.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber