Wirtschaftsbericht der Industrie- und Handelskammer - Unternehmen beurteilen die aktuelle Lage „vorsichtig optimistisch“ Sorge im Hotel- und Gaststättengewerbe

Der neue Lockdown bremst die Konjunkturerholung in der Region Heilbronn-Franken deutlich ab.

Von 
Werner Palmert
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Die Unternehmen in der Region beurteilen die aktuelle wirtschaftliche Situation „vorsichtig optimistisch“. Allerdings gibt es im Hotel- und Gaststättengewerbe große Sorgen mit Blick auf die Zukunft. © DPA

Heilbronn-Franken. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen insgesamt leicht besser als im Vorquartal eingeschätzt. Die Geschäftsaussichten bleiben aber insgesamt „vorsichtig optimistisch“, wie die IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring und ihr Stellvertreter Christof Geier bei der Vorstellung der neuesten Wirtschaftsdaten gestern in ihrem Fazit unterstrichen. An der Umfrage nahmen 443 Unternehmen mit rund 95 000 Beschäftigten teil.

Normalität erst 2022?

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Die Rückkehr zu normaler Geschäftstätigkeit wird von der Mehrzahl der befragten Unternehmensführer mehrheitlich erst bis 2022 erwartet. Die Industrie zeigt sich bei der Betrachtung der einzelnen Wirtschaftszweige derzeit als Konjunkturmotor, die Baubranche bewegt sich weiter auf hohem Niveau. Deutlich verschlechterte Geschäfte meldet der Handel und auch die Lageurteile im Dienstleistungssektor sind überwiegend negativ. Besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen ist das Hotel- und Gaststättengewerbe. Hier zeigt die Krise besonders einschneidende Umsatzverluste, während sich der Arbeitsmarkt – trotz neuerlichem Lockdown – erstaunlich robust verhält.

Beim Blick auf die Umfrageergebnisse aus dem Main-Tauber-Kreis fällt auf, dass sich hier die Beurteilung der Gesamtlage gegenüber der Gesamtregion doch unterscheidet. In der Region sind 46 Prozent der Befragten mit der wirtschaftlichen Situation zufrieden, im Main-Tauber-Kreis nur 32 Prozent, dagegen beurteilen 35 Prozent im Kreis die Lage als gut in der Region aber nur 32 Prozent und.

Für 33 Prozent schlecht

Als schlecht betrachten allerdings 33 Prozent der Unternehmen im Kreis ihre Situation, in der Region sind dies aber nur 22 Prozent.

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Die aktuelle Geschäftslage wird von den regionalen Unternehmen insgesamt noch etwas besser als im Vorquartal beurteilt, fasste IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring zusammen: „Es herrscht vorsichtiger Optimismus. Rund ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie haben sich die Lageurteile der Betriebe gegenüber den Vormonaten zwar erneut verbessert, vom Vorkrisenniveau ist die regionale Wirtschaft am Jahresanfang 2021 jedoch noch deutlich entfernt.“

Die wirtschaftliche Aufholbewegung verläuft durch den neuen Lockdown langsamer als erhofft. Die Entwicklung der Wirtschaft bleibt zweigeteilt. Einem von sozialen Kontakten stärker abhängigen und daher durch die Pandemie stark beeinträchtigten Handels- und Dienstleistungssektor steht eine sich robust entwickelnde Industrie gegenüber. „Nach wie vor bedarf es vor allem einer wirksamen Unterstützung der vom Lockdown hart getroffenen Betriebe, einer Zurückdrängung der Neuinfektionen sowie einer effektiven Impfstrategie. Mit der dann möglichen schrittweisen Rückkehr des öffentlichen Lebens dürfte eine kräftigere Erholung ab dem Frühjahr zu erwarten sein“, blickt die Hauptgeschäftsführerin optimistisch in die Zukunft.

Besseres Urteil

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Im Branchenvergleich hat sich im vierten Quartal 2020 die Industrie, die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, am besten entwickelt. Die aktuelle Geschäftssituation wird spürbar besser beurteilt als im Vorquartal. Der Saldo aus positiven und negativen Stimmen nähert sich mit 18 Prozent dem Vorkrisenniveau wieder an. Dies deutet darauf hin, dass die Industrie – anders als noch im Frühjahr – von den Lockdown-Maßnahmen bisher weniger stark betroffen ist. 38 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) der Betriebe verbuchten einen Zuwachs der Auslandsorders. Die Exporterwartungen haben deutlich zugenommen.

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Zum großen Sorgenkind hat sich das Hotel- und Gaststättengewerbe im Verlauf der Pandemie entwickelt. Die Lagebeurteilung in dieser Branche, die bei den Ergebnissen zu den Dienstleistern nicht mit einbezogen ist, hat sich aufgrund des zweiten Lockdowns gegenüber dem Vorquartal erneut drastisch verschlechtert. Kein Betrieb (Vorquartal 26 Prozent) hält die aktuelle Geschäftslage für gut, 81 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) sprechen von einem schlechten Geschäftsverlauf. 81 Prozent erwarten 2020 einen Umsatzrückgang von über 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 62 Prozent berichten von einem Eigenkapitalrückgang. 14 Prozent droht eine Insolvenz. 68 Prozent (Vorquartal 64 Prozent) erwarten eine schlechtere zukünftige Entwicklung.

Auch das Stimmungsbild im regionalen Baugewerbe, bisher immer der Branchenprimus, hat sich gegenüber dem Vorquartal auf hohem Niveau verschlechtert. Während 59 Prozent (Vorquartal 74 Prozent) der Betriebe die aktuelle Geschäftslage als gut bezeichnen, sind sieben Prozent (Vorquartal null Prozent) mit dem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden. Auch die Auftragseingänge insgesamt fallen negativer als im Vorquartal aus. fünf Prozent (Vorquartal 13 Prozent) melden steigende Auftragseingänge, ein Drittel berichtet wie im Vorquartal von einem Rückgang.

Lediglich im Wohnungsbau sind die Auftragseingänge stabil geblieben. Im Straßen- und Tiefbau, im öffentlichen Hochbau und im gewerblichen Hochbau ist dagegen ein spürbarer Auftragsrückgang zu verzeichnen.

Etwas günstiger

Die Beurteilung der konjunkturellen Situation durch die regionalen Dienstleister fällt etwas günstiger als im Vorquartal aus. Nach wie vor überwiegen jedoch die negativen Stimmen und man blickt mit Skepsis in die Zukunft. Größte Geschäftsrisiken stellen die Corona-Pandemie (84 Prozent) und die Inlandsnachfrage (71 Prozent) dar. 17 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) planen Neueinstellungen, 26 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) wollen Personal abbauen.