Sommer 2018 - Lange Schönwetterphase erfreute die Menschen, stresste aber die Pflanzen Sonne satt – Natur matt

Von 
Harald Fingerhut
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Die Freibäder, wie das in Bestenheid, waren im Sommer immer gut besucht. © Birger-Daniel Grein

Sonnenanbeter kamen voll auf ihre Kosten: Der Sommer 2018 geizte nicht mit Sonnentagen. Doch die Medaille hat eine Kehrseite: Die lange Trockenheit sorgte für Stress bei Pflanzen.

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Main-Tauber-Kreis. Die Hitzewelle hatte den Main-Tauber-Kreis zwischen Mai und Oktober fest im Griff. Die Zahl der Sommertage (Tage, an denen die Tageshöchsttemperatur 25 Grad Celsius erreicht oder überschreitet) war bedeutend höher als sonst.

Viele Sommertage

In Bad Mergentheim beispielsweise zählte man 112 Sommer- sowie 41 heiße Tage. Der Höchstwert lag in den fünf Jahren davor bei 72 (2016) bei heißen Tagen lag der Wert bei rund 20 Tagen. Ausreißer waren das Jahr 2015 mit 36 heißen Tagen sowie das Jahr 2014 mit lediglich 12.

Ähnlich stellte sich die Situation am nördlichen Rand des Kreisgebiets in Freudenberg dar. Hier gab es 99 Sommer- sowie 32 heiße Tage. Der Höchstwert bei den Sommertagen lag zuvor bei 61. (Quelle: www.wetterkontur.de)

Freibäder gut besucht

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Kein Wunder, dass die Freibäder des Landkreises regen Zulauf hatten und nahezu täglich gut frequentiert waren. Für einen Sprung ins kühle Nass ist es schließlich nie zu heiß. Auf den Liegenwiesen waren natürlich die Schattenplätze „heiß begehrt“. Die Bademeister und Aufsichtskräfte konnten sich also über mangelnde Arbeit nicht beschweren. Allerdings wurden trotz der optimalen Wetterbedingungen vielerorts die Rekordmarken bei den Besucherzahlen früherer Jahre nicht geknackt. Die Bademeister machten dies am geänderten Freizeitverhalten vor allem bei Jugendlichen fest.

Dennoch besteht kein Zweifel, dass der Sommer für Freizeitaktivitäten im Freien nahezu optimal war. Das genossen viele. Doch was für den Menschen gut ist, muss für die Natur nicht unbedingt von Vorteil sein. Und so hat auch diese Medaille zwei Seiten. Während viele Menschen „aufblühten“, darbte die Natur aufgrund der langanhaltenden Trockenzeit. Viele Pflanzen litten unter dem Wassermangel, manche gingen ein.

Junge Bäume vertrockneten

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Der extrem niederschlagsarme und heiße Sommer hat dazu geführt, dass im Frühjahr angelegte Forstkulturen zu hohen Anteilen vertrocknet sind. Besonders betroffen waren die Nadelbaumpflanzungen, die nach dem Setzen einen deutlich höheren Wasserbedarf als Laubbaumpflanzungen haben. Welche Auswirkungen der trockene Sommer auf die Gesundheit der älteren Laubbaumbestände hat, wird sich erst im Jahr 2019 deutlich zeigen, wenn sichtbar wird, welche Bäume nicht mehr austreiben.

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Bereits 2018 war auffällig, dass insbesondere Buchen sehr früh, teilweise schon Ende August braune Blätter trugen. Die Nadelbaumbestände auf trockenen Standorten wiesen häufiger als in den Vorjahren braune Nadeln auf. Auch einige ältere Bäume sind deutlich geschädigt. Es wird von der Niederschlagsmenge in den nächsten Monaten abhängen, ob sie sich regenerieren können oder absterben.

Ernteeinbußen

Auch in der Landwirtschaft hat die lange Trockenheit für negative Auswirkungen gesorgt, allerdings sind die Landwirte nach übereinstimmender Einschätzung mit einem blauen Auge davongekommen. Insgesamt wurde eine durchschnittliche Ernte erzielt.

Bei Grünland und Futterbau brachte der erste Schnitt aufgrund ausreichender Niederschläge im Winter/Frühjahr einen mengen- und qualitätsmäßig guten Ertrag. Der zweite Schnitt hingegen war schon deutlich schwächer, der dritte und vierte fielen komplett aus. Ertragseinbußen von 30 bis 40 Prozent je nach Standort waren der Fall.

Beim Silomaisanbau sah es noch prekärer aus. Ernteeinbußen von 50 bis 60 Prozent führten dazu, dass die landwirtschaftlichen Betriebe in großem Stil Futter zukaufen mussten, um die Winterfutterversorgung des Tierbestands sicherzustellen.

Bei den Zuckerrüben gab es auf allen Flächen deutliche Mindererträge, die je nach Standort aber sehr unterschiedlich waren. Bei anderen spätreifen Feldfrüchten wie Hackfrüchte, Soja oder Feldgemüse, gab es ebenfalls deutliche Ertragseinbußen.

Wein und Obst gut

Beim Wein- und Obstbau hingegen verzeichneten die Betriebe l mengen mäßig einen Spitzenjahrgang. Beim Weinbau war dies bisweilen nur zu erreichen, indem Winzer und Weingärtner Wasser an die Reben brachten. Beim Obstbau mussten bisweilen je nach Standort bei der Qualität Abstriche gemacht werden.

Pegelstände niedrig

An den Gewässern im Main-Tauber-Kreis ist die langanhaltende Trockenzeit in diesem Jahr nicht spurlos vorübergegangen. Verzeichneten die Grundwassermessstellen aufgrund des guten hydrologischen Winterhalbjahrs noch im Mai Wasserstände im guten mittleren Bereich, so begannen diese mit Beginn des Sommers zu fallen und haben sich zum jetzigen Stand auf einem gerade noch normalen bis leicht unterdurchschnittlichen Wert eingependelt.

An den meisten Flusspegeln zeigte sich der Einfluss des fehlenden Niederschlags und sinkender Grundwasserstände ab August durch länger andauernde Werte unter dem mittleren Niedrigwasserabfluss (MNQ).

Andere negative Begleiterscheinungen, wie zum Beispiel eine stark erhöhte Wassertemperatur war mit Ausnahme des Mains in den Gewässern des Main-Tauber-Kreises nicht zu beobachten.

Obgleich die Niederschläge der letzten Zeit eine kurzfristige Erholung an den Pegeln gebracht haben, wird es noch eine Weile dauern, bis sich die Wasserstände in Bächen, Flüssen und im Grundwasser wieder dauerhaft bei Mittelwasserstand einpendeln. Bevor Grundwasser neu gebildet werden kann, muss der Bodenwasserspeicher zunächst weiter gefüllt werden. Die Niederschläge im Herbst sind zum Teil in den obersten Bodenschichten infiltriert, in der Masse jedoch nicht weit genug, um für das Grundwassergeschehen relevant zu sein.

Keine irreversiblen Schäden

Das Umweltschutzamt des Landratsamtes hofft auf eine anhaltend feuchte Witterung im hydrologischen Winterhalbjahr. Nur so können sich die Grundwasserstände und die Pegelstände in den Flüssen und Bächen wieder stabilisieren und normalisieren.

Der Faktor Wasser sielt in der Natur zweifellos eine wichtige Rolle. Je nach Wasserangebot werden bestimmte Pflanzen- und Tierarten gefördert beziehungsweise zurückgedrängt. Irreversible Schäden in der Natur aufgrund der extremen Trockenheit in diesem Jahr sind jedoch nicht zu erwarten, lautet das Fazit der Behörde.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.