Wald - Um- und Nasslagerung soll die gute Holzqualität retten / Umfangreiche Waldschäden sowie massive Probleme durch Borkenkäfer befürchtet Schwierige Zeiten auch für den ForstBW

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Fuhrmann Bernhard Wachter aus Unterschüpf beim Abladen des Fichtenstammholzes. © Forst BW

Waldbesitzer und Forstbetriebe kämpfen mit großen Schwierigkeiten. So auch ForstBW, der Anfang des Jahres gegründete Forstbetrieb des Landes.

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Main-Tauber-Kreis/Waldenburg. Dies teilt der in Waldenburg ansässige ForstBW-Forstbezirk Tauberfranken mit. Danach drohen nach den extremen Trockenjahren 2018 und 2019 auch in diesem Jahr erneut umfangreiche Waldschäden infolge des Klimawandels sowie massive Probleme durch Borkenkäfer in Nadelholzbeständen. Mit der katastrophalen waldökologischen Entwicklung seien gravierende wirtschaftliche Verluste verbunden, wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht.

Die bisherigen Niederschläge im Frühjahr sind zu gering, um die für einen vitalen Wald notwendige Bodenfeuchte zu erreichen, so die Einschätzung der Forstleute. Für Borkenkäfer, die zudem viel Brutraum im Sturmholz vom Februar dieses Jahres finden, seien das weiterhin beste Ausgangsvoraussetzungen für eine anhaltende Massenvermehrung.

Zudem werde der schon seit zwei Jahren durch europaweit große Mengen Käferholz schwer belastete Holzmarkt nun auch noch durch die Corona-Krise zusätzlich stark belastet. Hohe Kosten für den Wiederaufbau klimastabiler Wälder einerseits und wegbrechende Holzerlöse andererseits würden den Forstbetrieb immer tiefer in die roten Zahlen abrutschen lassen. Deshalb sei Beschränkung auf das absolut Notwendige gefordert. Für den Forstbezirk Tauberfranken heißt das in erster Linie: Schadensbegrenzung.

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In der ersten Welle der Holzaufarbeitung von Sturm- und Käferholz erwartet Forstbezirksleiter Mathias Hall bis Mitte Juni einen Anfall von 25 000 Festmeter Nadelstammholz. Nur ein Teil der Menge, rund 6000 Festmeter, lässt sich umgehend nach der Holzaufarbeitung zu den Sägewerken bringen. Oberstes Ziel ist für die verbleibende Menge, das hochwertige, aber derzeit nicht verkäufliche Holz vor Qualitätsverlusten zu schützen. Dazu werden rund 8000 Festmeter innerhalb der Hohenloher Staatswälder in sogenannte Trockenlager gefahren. Die Nadelhölzer werden in Wälder mit hohem Laubholzanteil verbracht, wo die ausfliegenden Borkenkäfer keinen Schaden mehr anrichten können und der Schatten der Laubbäume das Holz vor Austrocknung schützt.

Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Holzfuhrunternehmer, mit denen die Revierförster derzeit eng zusammenarbeiten, um frisch aufgearbeitete Hölzer rasch von den Nadelholzwäldern wegzufahren. Neben der Werterhaltung habe die Umlagerung den Vorteil, dass auf eine Behandlung mit Pestiziden verzichtet werden kann, hebt der Forstbezirk hervor. Ein weiterer Teil des Nadelstammholzes, namentlich die noch nicht von Käfern befallenen Sturmhölzer, werden in bestehende Nasslager gefahren. Hier ist eine besonders gute Werterhaltung des Holzes garantiert. Doch sind die Aufnahmekapazitäten der Nasslager in unserer Region begrenzt. Der übrige Teil des Nadelstammholzes muss, soweit es von Borkenkäfern befallen ist, mit zugelassenen Mitteln gespritzt werden.

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Wegen fehlender Absatzmöglichkeiten aber werden alte Käferbäume, aus denen die Käfer bereits ausgeflogen sind, nicht mehr aufgearbeitet. Solche Bäume lässt der Forstbezirk nur beseitigen, wenn sie künftig die Arbeitssicherheit im Wald gefährden oder von ihnen eine konkrete Gefahr für Verkehrswege oder Waldbesucher ausgeht.

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Der Forstbezirk erwartet, dass die Konsequenzen der Klimaveränderung noch viel stärker unsere Wälder prägen werden. Man müsse sich an den Anblick von abgestorbenen Bäumen sowie die mit den Aufräum- und Wiederbewaldungsarbeiten einhergehenden Beeinträchtigungen der Erholungsmöglichkeiten im Wald, beispielsweise wegen gesperrter oder schadhafter Wege, gewöhnen. Die Wald- und Baumartenstruktur werde sich deutlich und sehr viel schneller als bisher verändern.

Und auch bisher nicht bei uns heimische Baumarten werden der Prognose des Forstbezirks zufolge häufiger anzutreffen sein. Für den Forstbezirk und seine Beschäftigten sei dabei oberstes Ziel, möglichst klimastabile Wälder für die Zukunft zu entwickeln.