Gesundheit - 2019 waren im Main-Tauber-Kreis 3578 AOK-Versicherte wegen Schlafstörungen in Behandlung Schlafmangel beeinflusst das Wohlbefinden

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Main-Tauber-Kreis. Ein hektischer Alltag, Sorgen und Ängste bewirken bei vielen Menschen Probleme beim Einschlafen. Zusätzlich verlängern sich die Wachphasen in der Nacht. Die Folge sind Abgeschlagenheit und Übermüdung am Tag. Wenn dies häufig vorkommt, liegen Schlafstörungen vor, die einen Arztbesuch notwendig machen.

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Die Zahl der betroffenen AOK-Versicherten stieg in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich an. In Baden-Württemberg von 159 793 Patienten im Jahr 2015 auf 198 347 in 2019. Im Main-Tauber-Kreis erhöhten sich die Behandlungszahlen im gleichen Zeitraum von 2842 auf 3578 Fälle. Damit waren 6,1 Prozent der AOK-Versicherten im Landkreis wegen einer Schlafstörung in ärztlicher Obhut.

Schlafstörungen belasten Menschen massiv. © AOK

Laut einer Forsa-Umfrage haben zehn Prozent der Menschen häufig Probleme, abends einzuschlafen, bei vier Prozent ist dies sehr häufig der Fall. Das wird auch durch Untersuchungen des Robert-Koch-Instituts belegt. Nach dessen Angaben haben sechs Prozent der Menschen in Deutschland wegen Übermüdung „erhebliche Beeinträchtigungen im Alltag und 33 Prozent spürbare“.

Weiterer Anstieg befürchtet

Infolge von Corona rechnen Fachleute wegen erzwungener Isolation und Befürchtungen, den Arbeitsplatz zu verlieren, mit zusätzlichem psychischen Stress und noch mehr Schlafstörungen. Schon ohne die aktuelle Pandemie stiegen die Behandlungen von 2015 bis 2019 in Baden-Württemberg jährlich um 3,7 Prozent und im Main-Tauber-Kreis um drei Prozent.

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„Hintergründe für den Anstieg von Schlafstörungen sind zum Beispiel Termin- und Leistungsdruck, Schichtarbeit, psychische Belastungen aber auch eine intensive abendliche TV- und Computernutzung“, so der AOK-Arzt Dr. Hans-Peter Zipp. Die Symptome können verschieden sein. Neben Müdigkeit etwa Kopfschmerzen, Gedächtnisprobleme, Bewegungs- und Atmungsstörungen. Dabei schränken chronische Schlafstörungen die Befindlichkeit und Leistungsfähigkeit der Betroffenen erheblich ein. Die Gefahr für Unfälle steigt.

„Wer sporadisch Probleme hat einzuschlafen, dem hilft oft schon ein abendlicher kurzer und gemächlicher Spaziergang. Auch ruhige Musik hören oder ein Gespräch mit seinen Lieben hilft herunterzukommen. Gute Hausmittel sind pflanzliche Beruhigungsmittel und Baldriantee,“ rät AOK-Entspannungsexpertin Sandra Wittmann. Wenn man dann doch mal nachts wach liegt, sollte man sich nicht unter Druck setzen. „Der Blick auf die Uhr ist der absolute Schlaf-Killer. Am besten ist es, an etwas Schönes zu denken oder sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren“, empfiehlt die Präventionsfachfrau. Dagegen sollten Menschen, die häufig und regelmäßig unter Abgeschlagenheit und Konzentrationsproblemen leiden, einen Arzt aufsuchen.

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„Unter Umständen kann eine Untersuchung im Schlaflabor angebracht sein. Verschreibungspflichtige Schlafmittel dürfen nur eine begrenzte Zeit eingesetzt werden, da diese zahlreiche Nebenwirkungen haben und schnell abhängig machen. Zugleich sind viele Patienten am Tag nach der Einnahme noch schläfrig und ihre Reaktionsfähigkeit wird herabgesetzt,“ verdeutlicht Dr. Hans-Peter Zipp. In etwa zwei Drittel der Fälle können Mediziner die Schlafstörungen auf organische oder psychische Ursachen zurückführen, so dass ein Behandlungsansatz vorhanden ist.