Schlabber-Look hat Grenzen

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Michael Weber-Schwarz
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Es gibt die merkwürdigsten Aktions- und Gedenktage: Heute ist zum Beispiel der „Tag der Jogginghose“. Erklärte Stoßrichtung: Am 21. Januar einfach den ganzen Tag eine Jogginghose tragen. Manchen wird das nicht schwer fallen. In Banken und Büros aber kann ein zu legerer Kleidungsstil schnell zum Problem werden.

„Egal ob du in die Schule, zur Arbeit oder sonst wo hin gehst – trage eine Jogginghose“ – mit diesem Aufruf setzten vier junge Menschen aus dem österreichischen Graz im Jahr 2010 ein Statement gegen die damalige Modekritik von Karl Lagerfeld. „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, sagte der spitzzüngige Modezar (gestorben 2019).

Die Aussage sorgte für eine Gegenbewegung und eine immer größer werdende Fangemeinde: Über 200 000 Facebook-Nutzer meldeten sich bereits 2015 als Unterstützer für das Jogginghosen-Event an. In Österreich sollen sich sogar Bankangestellte von ihrer gewohnten Business-Kleidung getrennt haben und im Schlabber-Look hinterm Schalter gestanden sein. Das war aber mehr ein Marketing-Gag: Man habe den Kunden demonstrieren wollen, dass ein Besuch in der Filiale ebenso bequem wie Internetbanking daheim sein kann.

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Seither gehört die Jogginghose zunehmend zum Straßenbild – und wer kann schon wissen, ob Trägerinnen und Träger nicht gerade auf dem Weg ins Fitnessstudio sind oder von der Walking- oder Laufrunde zurückkehren?

Im Berufsleben dürfte man mit einem allzu lockeren Kleidungsstil auch künftig anecken, denn angemessene Kleidung drückt auch Respekt vor dem Gegenüber aus. In Jogginghosen: Der Pfarrer vor dem Altar, die Notarin im Amt, der Lehrer (außer natürlich im Fach Sport) – undenkbar.

Ob ein Outfit diensttauglich ist, entscheidet übrigens der Arbeitgeber. Die Einhaltung eines Dresscodes kann vom Arbeitnehmer verlangt werden, vor allem, wenn sich Mitarbeiter in der Öffentlichkeit bewegen. „Besonderes Geschäftsinteresse“ nennt sich das.

Übrigens: Karl Lagerfeld hat zu Lebzeiten selbst Jogginghosen designt: Bis heute kaufbar ist sein „Jersey Suit“, eine Jogginghose für rund 100 Euro mit breitem Logo-Bund. Ob man sein Produkt nur zum Joggen tragen darf oder auch im Job? Lagerfeld hat sich dazu nicht geäußert. Es rangiert aber immerhin unter „Streetwear“ – gilt also als Straßenoutfit.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim