Sperrmüll - Aufruf zur ungarischen Sammlung am Montag ist nicht legal "Schilatte" und "Luster" gesucht

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Heike von Brandenstein
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Solche Sammelaufrufe landeten in etlichen Briefkästen innerhalb des Kreisgebiets. Die Landkreisverwaltung warnt vor einer Beteiligung.

© FN-Scan

Wer seinen "Luster", seinen "Gastfreund" oder "Schilatten" loswerden will, hat am Montag beste Chancen. Dann nämlich steht eine ungarische Sammlung an. Legal aber ist sie nicht.

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Main-Tauber-Kreis. Der Zettel, den Bürger in Tauberbischofsheim, Werbach, Edelfingen, Gerlachsheim und vielleicht noch anderswo in den vergangenen Tagen in ihren Briefkästen fanden, erinnert an den früheren Sperrmüll. Doch diese Straßensammlungen, die zwei Mal pro Jahr stattfanden, gibt es seit Jahresbeginn 2015 kreisweit nicht mehr. Seither werden sperrige Güter nur noch nach vorheriger Anmeldung abgeholt. "Sperrmüll auf Abruf" lautet die griffige Formel für diese Entsorgung.

Auf dem Zettel in den Briefkästen wird nun zu einer organisierten ungarischen Sammlung am Montag, 20. März, zwischen 7 und 12 Uhr aufgerufen. Wer das Ganze in die Wege geleitet hat, ist allerdings nicht vermerkt. Immerhin aber ist ein Hinweis für Regenwetter aufgeführt. Dann nämlich wird beim Heraustragen geholfen. Denn es heißt: "Beim regnerischen wetter komme ich auch für die hinausgetanten Sachen."

Kein "Sperrmüll" und kein "Abfall" soll vor die Tür gestellt werden, große, sperrige Dinge werden aber durchaus mitgenommen. Mopeds zum Beispiel oder "Ofen mit Kamin, Wellenreiterbrett, Gestrüp schnittmeister" oder "Bausteleimaschine (auch defekt)". Auch außer Verkehr gesetzte Autos werden gern abtransportiert. Daneben sind kleinere Dinge, wie Schuhe, Vasen, Besteck oder Kaffeemaschinen gefragt.

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Was aufgrund der falschen Rechtschreibung oder urkomischer Bezeichnungen zum Lachen reizt, finden der Abfallwirtschaftsbetrieb Main-Tauber und das Umweltschutzamt des Landkreises überhaupt nicht witzig.

Sammlungen solcher Art sind nämlich nicht legal. "So eine Sammlung entbehrt jeglicher rechtlicher Grundlage", sagt Dr. Walter Scheckenbach, Leiter des AWMT, auf FN-Nachfrage. Dahinter, so seine Erfahrung, steckten gewerbliche Sammler. Elektrogeräte dürften per se nicht an die Straße gestellt, sondern müssten ordnungsgemäß auf den Recyclinghöfen abgegeben werden. Das, so Scheckenbach, schreibe die Elektroschrottverordnung vor.

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Zudem wisse man nicht, in welche Kanäle das Sammelgut komme, weil nicht bekannt sei, wer den Aufruf gestartet hat. Der Eigenbetriebsleiter vermutet, dass an Herden, Computern, Telefonen oder Kühlschränken herumgeschraubt werde, um an die Teile zu kommen, die gefragt seien, wobei bei Kühlschränken das umweltschädliche FCKW freigesetzt werden könnte. Zudem komme es nicht selten vor, dass die nicht benötigten Reste auf Parkplätzen oder sonst wo in der Natur landeten.

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Michael Müller vom Umweltschutzamt verweist auf den Paragrafen 18 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, nach dem Sammlungen grundsätzlich anzuzeigen sind. Vereine oder gewerbliche Sammler müssen danach den Entsorgungsweg darlegen. Tun sie das nicht, begehen sie eine Ordnungswidrigkeit. Auch er betont, dass sämtliche Elektrogeräte grundsätzlich als gefährlich eingestuft sind und deshalb von Sammlungen ausgeschlossen sind.

Bislang liegt dem Umweltschutzamt vor, dass besagte Zettel im Kreisgebiet in Briefkästen in Tauberbischofsheim, Werbach, Edelfingen und Gerlachsheim eingeworfen wurden. "Wenn solche Sammlungen anstehen, schicken wir regelmäßig die Polizei raus, um die Sammlung zu verhindern", erläutert Müller. Bislang aber wurden lediglich von einem Fahrer die Personalien aufgenommen. Wer der eigentliche Initiator der Aktion ist, wissen die Behörden bislang nicht.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber