Umwelt und Natur - Allein 2015 wurden 60 Tonnen in der Landschaft entsorgt / Bis zu 5000 Euro Geldstrafe drohen Neuer Rekord beim Müll am Straßenrand

Von 
Roland Mehlmann
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Einfach in der Landschaft entsorgt werden viele Kleinabfälle, aber auch Flaschen, Hausmüll und viel mehr.

© Mehlmann

Main-Tauber-Kreis. Wer hat das nicht schon erlebt? Man sitzt im Auto oder steht an der Straße und sieht, wie Zigaretten oder anderer Müll mit einer lässigen Handbewegung aus einem Fahrzeug geworfen werden.

Nicht nur am Straßenrand Probleme

  • Stellen schon die zahlreichen Verstöße entlang der Verkehrswege die Straßenmeistereien des Kreises vor große Probleme, so haben die Bauhöfe nicht weniger Schwierigkeiten mit wild abgelagertem Müll.
  • Wie Astrid Hackenbeck von der Stadt Weikersheim weiß, hat der dortige Bauhof immer wieder mit überquellenden Papierkörben am großen Parkplatz beim Heiligen Wöhr zu kämpfen. So mancher Tourist, der seinen Abfall ordnungsgemäß entsorgen will, steht vor Abfalleimern voller Hausmüll, der da definitiv nichts zu suchen hat. Auch Bauschutt, der immer wieder an Steinleseplätzen abgekippt wird und Grünabfälle, die heimlich beim Grillplatz "Am Galgen" entsorgt werden, sorgen für Ärger. Beliebtes Ziel der Müllsünder sind auch die Abfallkörbe entlang der Radwege. Es ist kaum zu glauben, welche Mengen an Hausmüll in und um diese abgelegt werden.
  • Carsten Müller von der Stadt Bad Mergentheim weist darauf hin, dass in der städtischen Polizeiverordnung eine Regelung bezüglich der Entsorgung von Kleinabfällen aufgenommen wurde. Demnach ist es untersagt, auf öffentlichen Straßen, Gehwegen oder in Grün- und Erholungsanlagen, Gegenstände wegzuwerfen oder abzulagern, außer in die zur ordnungsgemäßen Entsorgung oder Ablagerung bestimmten Abfallbehälter. Zudem dürfen in öffentliche Abfallkörbe ihrer Größe und Zweckbestimmung entsprechend nur Kleinabfälle wie z.B. Fahrscheine, Obstreste, Zigarettenschachteln und dergleichen eingeworfen werden. Insbesondere ist es verboten, Haus- und Gewerbemüll oder Altpapier einzuwerfen. Solche kleineren Vergehen werden in der Regel mit einem Bußgeld von 30 bis 50 Euro, im Wiederholungsfall höher, geahndet.
  • Ein positives Beispiel soll aber in der Aufzählung dieser Müllsünden nicht fehlen. Auch 2015 wurde in der Stadt Bad Mergentheim die Aktion "Kehrtwende" durchgeführt, bei der viele Einzelpersonen, Familien und Vereine mit anpackten, um in einem gemeinsamen Kraftakt die Landschaft in der Umgebung wieder herauszuputzen. Da wird dann auch schon mal an einem Tag ein großer Container gefüllt. 2015 waren zusätzlich über 400 Schüler sowie einige Asylbewerber im Einsatz. rome
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Diese oben beschriebene Unsitte hat dermaßen zugenommen, dass im vergangenen Jahr ein trauriger Rekord aufgestellt wurde. Gerade jetzt, nachdem überall in den Städten die Aktionen "Saubere Landschaft" gelaufen sind und zudem die Straßenmeistereien den milden Winter genutzt haben, um viel Gehölz am Straßenrand zurück zu schneiden und das neue Grün noch nicht richtig durchkommt, sieht man überall den Müll im Straßengraben liegen, der von vorbeifahrenden Fahrzeuglenkern achtlos in der Landschaft entsorgt wurde.

Hohe Kosten für Entsorgung

Wie Markus Moll vom Landratsamt zu berichten weiß, hat sich das Müllaufkommen 2015 im Vergleich zu 2014 stark erhöht. Im Zuständigkeitsbereich des Straßenbauamtes Main-Tauber-Kreis sind an den rund 912 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen rund 60 Tonnen Abfall beseitigt worden.

Getränkedosen, Plastikflaschen, Zigarettenkippen und Verpackungsmüll wurden einfach aus dem Fenster geworfen oder Hausrat, Autoteile und Sondermüll wurden illegal an den Straßenrändern und Rastplätzen zurückgelassen. Im Schnitt kommen so jedes Jahr rund 45 Tonnen zusammen. In den nächsten Wochen sind so wieder viele Straßenwärter-Teams der Straßenmeistereien Wertheim, Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim ausschließlich damit beschäftigt, Parkplätze, Straßenböschungen und Bankette in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen. Andere wichtige Aufgaben, wie zum Beispiel das Ausbessern von Straßenschäden, müssen zunächst auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

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Das Müllsammeln ist zeit- und arbeitsintensiv. Über 4000 bis 5000 Arbeitsstunden im Jahr sind die Straßenwärter damit beschäftigt, Müll aufzusammeln. Die Entsorgung hat im vergangenen Jahr etwa 200 000 Euro gekostet, die bei Instandsetzungsarbeiten von Straßen eingespart werden müssen. Neben den Personal- und Fahrzeugkosten des Straßenbauamtes fallen zum Beispiel auch Kosten für Fremdunternehmer, die den Müll von den Straßenmeistereien abtransportieren und Entsorgungsgebühren an.

Hohe Strafen für Müllsünder

Die wilde Ablagerung von Abfällen ist kein Kavaliersdelikt. Diese ist vielmehr strafrechtlich relevant und wird von der Straßenbauverwaltung, sofern der Verursacher festgestellt werden kann, auch verfolgt. Wenn der Verursacher jedoch nicht in flagranti erwischt wird, ist es nur schwer nachzuweisen, woher der Müll kommt. Falls doch, drohen Strafen zwischen 500 bis 5000 Euro und mehr. Das Landratsamt weist darauf hin, dass Abfallsünder bei den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden zu melden sind.

Bildschirme und Sessel

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Leider scheinen sich allzu viele Mitmenschen sehr sicher zu fühlen. Anders lässt es sich nicht erklären, was an manchen Stellen so entsorgt wird. Vor einiger Zeit fand sich im Bach nahe den Stadtwerken in Bad Mergentheim ein älteres Modell eines Computerbildschirmes und auf einem Parkplatz zwischen Stuppach und Rengershausen konnte man, wenn man denn wollte, seine Pause in einem Polstersessel verbringen.

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Auch aktuell ist das Erstaunen groß, wenn man den "Park + Ride"-Parkplatz Richtung Wachbach anfährt. Außer den obligatorischen Altreifen und zahllosen Verpackungen und Plastikmüll, lassen sich hier ein Flatscreen und eine Hose im Gebüsch finden.

Siegbert Kappes, Leiter der Straßenmeisterei in Bad Mergentheim, stellt fest, dass nicht nur mutwillig weg geworfener Müll am Straßenrand liegt. Gar nicht so selten achten Lkw- und auch Pkw-Fahrer nicht genügend auf die Sicherung der Ladung, wenn sie Abfälle transportieren. Die Netze, die das Herunterfallen oder - wehen verhindern sollen, werden unsachgemäß oder manchmal gleich gar nicht befestigt. Das Ergebnis dieser Gedankenlosigkeit muss dann mühsam von den Mitarbeitern der Straßenmeisterei zusammengelesen werden.

Was besonders auffällt, sind die zahllosen Fast-Food-Verpackungen, die im ganzen Kreis am Straßenrand entsorgt werden. Das Schimpfen auf die Betreiber von Schnellrestaurants ist dabei zu kurz gedacht. Für die Entsorgung des Mülls sind die einzelnen Konsumenten selbst verantwortlich. Die Stadt Bad Mergentheim hat sich zudem schon seit vielen Jahren mit dem Betreiber des örtlichen McDonald´s darauf verständigt, dass seine Mitarbeiter den näheren Bereich um den Betrieb von den Hinterlassenschaften der Gäste befreien.

Hinterlassenschaften

Insgesamt scheint es wohl so zu sein, dass viele Mitmenschen der Ansicht sind, dass es nur wichtig ist, den Müll so schnell und leicht wie möglich los zu werden. Die Tatsache, dass ihn dann andere entsorgen müssen, dass das viel Zeit und Geld kostet und oft auch schädlich für die Umwelt ist, wird entweder verdrängt oder bewusst in Kauf genommen. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Bergstraße veröffentlichte im Internet dazu ein paar interessante Zahlen: So braucht eine Blechdose bis zu 100 Jahre zum Verrotten, eine Plastikflasche bis zu 1000 Jahre und Glas rund 4000 Jahre.