Genossenschaftsbanken - Volksbanken Main-Tauber und Mosbach wollen Gespräche intensivieren / Entscheidung der Volksbank Franken fiel gestern Abend Mittelfristig ist eine Fusion denkbar

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Olaf Borges und Heike v. Brandenstein
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Main-Tauber-Kreis. "In den nächsten drei Jahren werden zehn bis zwanzig Prozent aller Bankstellen wegfallen", prognostizierte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) bereits im vergangenen Jahr. Von einer Schließungswelle oder gar einem Aussterben der Genossenschaftsbanken in kleinen Ortschaften war immer wieder zu hören.

Die Volksbanken Main-Tauber und Mosbach haben das Okay ihres Aufsichtsrats, um die Gespräche zu intensivieren und sich nach Partnern umzuschauen. Die Entscheidung bei der Volksbank Franken fiel gestern erst nach Redaktionsschluss.

© heike v. Brandenstein

Groß tut sich leichter

Hintergrund: Die Volksbanken Main-Tauber, Mosbach und Franken

  • Die Volksbanken Main-Tauber, Mosbach und Franken mit Sitz in Buchen wurden alle in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts als Genossenschaftsbanken gegründet.
  • "Was einer alleine nicht schafft, dass schaffen viele", lautete der Grundgedanke des genossenschaftlichen Geschäftsmodells, dem Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich Wilhelm Raiffeisen als Gründungsväter vor über 150 Jahren folgten.
  • Kennzeichen der Volks- und Raiffeisenbanken ist bis heute die regionale Ausrichtung.
  • Ende 2015 gab es in Deutschland 1021 Volks- und Raiffeisenbanken, 26 weniger als ein Jahr zuvor. 1970 waren es noch 7096 eigenständige Genossenschaftsbanken, 1990 3344 und zur Jahrtausendwende 1794.
  • Die Volksbank Main-Tauber wies zum Jahresende 2014 eine Bilanzsumme von 1754 Millionen Euro auf, hatte zu diesem Zeitpunkt 73 000 Kunden und 409 Mitarbeiter.
  • Die Volksbank Franken mit Sitz in Buchen erreichte eine Bilanzsumme in Höhe von 866 Millionen Euro. Sie hatte Ende 2014 46 000 Kunden und 228 Mitarbeiter.
  • Die Volksbank Mosbach wies zum gleichen Zeitpunkt eine Bilanzsumme von 780 Millionen Euro bei rund 54 800 Kunden und 246 Mitarbeitern aus. hvb
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Die Meldung, dass die drei Volksbanken Main-Tauber, Mosbach und Franken Fusionspläne hegen, passt in dieses Bild. Die Niedrigzinsphase der Europäischen Zentralbank ist am Nullpunkt angekommen, die regulatorischen Pflichtaufgaben der Geldhäuser nehmen zu. Groß tut sich da leichter als klein.

"Uns geht es sehr gut, und alle drei Volksbanken sind so aufgestellt, dass wir nicht fusionieren müssen", kommentiert Michael Schneider die Ausrichtung. Der Aufsichtsrat seines Hauses habe entschieden, dass sich der Vorstand umschauen dürfe. Und das, so Schneider, gelte für alle Richtungen - nicht nur gen Neckar-Odenwald-Kreis, sondern zum Beispiel auch in den alten badischen Raum, wo die Volksbanken Limbach, Krautheim und Kirnau beheimatet sind.

Dass die Fusionsgespräche zwischen den Volksbanken Main-Tauber, Mosbach und Franken auf Initiative der Volksbank Mosbach in Gang kamen, bestätigte gestern der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Mosbach, Klaus Saffenreuther, gegenüber den FN.

Niedrigzinsphase

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"Die lange Niedrigzinsphase und die Regulierungswelle macht die Arbeit für größere Einheiten definitiv leichter", stellt der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Franken, Klaus Holderbach, gegenüber den FN klar. Man müsse aber auch fragen, wie bei einer derartigen Größe die Verankerung in der Region beibehalten werden könne.

Mit den Volksbanken Mosbach und Main-Tauber kooperiere man schon jetzt auf verschiedenen Feldern. Eine verstärkte Zusammenarbeit, gegebenenfalls sogar ein Zusammenschluss, werde schon länger diskutiert. Doch jetzt habe man einen Punkt erreicht, an dem eine Antwort auf die Frage, ob die Gespräche intensiviert werden sollen oder nicht, nötig wird.

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Der Aufsichtsrat der Volksbank Franken, der gestern in Buchen bis nach Redaktionsschluss tagte, hat sich dieser Frage gestellt. Wie das Gremium entschieden hat, will Holderbach heute mitteilen. Er machte jedoch deutlich, dass es sich lediglich um den Auftrag zu einer Gesprächsintensivierung handele. "Ich könnte im Moment keine Prognose abgeben, ob es zu einer Fusion kommt oder nicht", so Holderbach gegenüber den FN.

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Das sieht Michael Schneider, Chef der bilanzsummenstärksten Bank des Trios genauso. "Eine Fusion wird es nicht um jeden Preis geben", ist er sich sicher. Die Gespräche, die es bereits seit einiger Zeit gebe, sollten aber intensiviert werden. "Im Jahr 2016 wird es mit Sicherheit zu keiner Entscheidung kommen", meint er. Alle drei Geldinstitute seien von ihrer Struktur gleich aufgestellt, da sie im ländlichen Raum verankert sind. Und alle drei wollen ihre Regionalität behalten. Schließlich macht das den Charme der Genossenschaftsbanken aus und entspricht zudem dem ursprünglichen Gründungsgedanken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dass für zwar gut aufgestellte, allerdings sehr kleine Volksbanken, die Auflagen strengerer Bankenregeln schwer zu stemmen sind und sie deshalb im Zusammenschluss mit größeren Nachbarhäusern Schutz suchen, ist auch für die Volksbank Main-Tauber nichts Neues. Immer wieder hat es Fusionen gebeben. Die letzte, vor sieben Jahren, mit der Volksbank Bad Mergentheim. Dieses Jahr wird die Volksbank Altertheim mit der in Tauberbischofsheim beheimateten Genossenschaftsbank fusionieren.

Wie schnell sich das Rad in der Bankenbranche dreht, zeigt der Kommentar des Vorstandsvorsitzenden zu diesem Zusammenschluss: "Vor einem Jahr hatten wir die Volksbank Altertheim noch nicht auf unserem Schirm."