FN-Umfrage - Die Buchhändler im Main-Tauber-Kreis haben dem Lockdown tapfer getrotzt und entwickelten pfiffige Ideen / Die Kunden blieben ihnen treu Mit Büchern Abenteuer im Kopf erleben

Von 
Sabine Holroyd
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Johannes Benz vom Buchhandel „Schwarz auf Weiss“ gehört mit seinem Lastenfahrrad fast schon zum Tauberbischofsheimer Stadtbild. © Buchhandel schwarz auf weiss

Wie geht es eigentlich den Buchhändlern der Region während der Krise? Und welche Literatur ist momentan besonders gefragt? Die FN suchten nach Antworten.

Die Lieblingsbücher der Literaturexperten

Natürlich haben wir die Buchhändler im Main-Tauber-Kreis auch nach ihrer aktuellen Lieblingslektüre gefragt.

Johannes Benz, Tauberbischofsheim: „Das Kind in mir will achtsam morden“ von Karsten Dusse, erschienen im Heyne Verlag. 2. „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“, von Thomas Klupp, (Piper). 3. „Für immer die Alpen“, von Benjamin Quaderer, (Luchterhand).

Rainer Moritz, Bad Mergentheim: 1. „Stern 111“ von Lutz Seiler, (Suhrkamp). 2. „Offene See“ von Benjamin Myers, (Dumont). 3. „Die Pest“ von Albert Camus, (Rowohlt).

Dirk Franzen, Bad Mergentheim: „Der Name der Rose“ von Umberto Eco, (Hanser). 2. „Drei Kameraden“ von Erich Maria Remarque, (Kiepenheuer & Witsch). 3. „Ansichten eines Clowns“ von Heinrich Böll, (Kiepenheuer & Witsch).

Angelika Hörnig, Wertheim: 1. „Der Zopf“ von Laetitia Colombani, (Fischer). 2. „Die Schwestern vom Ku’damm“, Trilogie von Brigitte Riebe, (Wunderlich). 3. „Die geheime Mission des Kardinals“ von Rafik Schami, (Hanser).

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Main-Tauber-Kreis. Unterhält man sich mit den Buchhändlern in Tauberbischofsheim, Wertheim und Bad Mergentheim, wird schnell klar: Sie haben dem Lockdown tapfer getrotzt – durch ihre Internetseiten und pfiffige Ideen wie zum Beispiel dem eigenen Lieferservice. Der Satz von Johannes Benz, Inhaber des Tauberbischofsheimer Buchhandels „Schwarz auf Weiss“, trifft somit auch auf seine Kollegen der anderen Buchhandlungen im Main-Tauber-Kreis zu: „Wir kommen in der Krise ganz gut zurecht“.

Kunden blieben treu

Johannes Benz sagt: „Wir haben viele Kunden, die uns treu sind und mit Bestellungen den Laden am Laufen halten. Das Bestellaufkommen hat gewaltig zugenommen. Weil wir schon seit Jahren einen Webshop betreiben, war die Umstellung aber gut machbar“. Ganz ohne Stress lief es dann aber doch nicht ab: „Total unterschätzt haben wir den Aufwand, der nötig ist, alles zu berechnen, zu verpacken und dann auszuliefern.“

Benz weiter: „Es ist es für uns schon immer selbstverständlich, die Bücher dahin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Das alles zahlt sich jetzt aus, und wir brauchen uns vor dem boomenden Online-Handel nicht zu verstecken. Natürlich haben wir auch Umsatzrückgänge, aber wenn man den Fokus auf andere Dinge legt als immer nur bessere Zahlen, gibt es im Moment auch wirklich angenehme Dinge. Nachmittags nichts anderes zu tun als Bücher mit dem Fahrrad auszuliefern, ist wie Spazierengehen“. Johannes Benz freut sich dann immer auch über das Strahlen vieler Kunden, wenn er ein Buch persönlich abliefert.

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Bücher zur Kinderbeschäftigung waren im Buchhandel „Schwarz auf Weiss“ sehr gefragt und zum Teil sogar ausverkauft. „Ich glaube, Bücher und der Buchhandel selbst werden wieder mehr wertgeschätzt. Wir haben es geschafft, dem Online-Handel Paroli zu bieten. Und das Image von Büchern ist nach wie vor überragend.“

Auch die Buchhandlung Moritz & Lux mit ihren Läden in Bad Mergentheim und Lauda hat aus der Schließung das Beste gemacht: „Wir haben sofort auf unsere Homepage und die Bestellmöglichkeit hingewiesen. Dies geschah sowohl online, per Zeitungsanzeige als auch im telefonischen Kontakt. Schon davor gab es das Angebot der portofreien Lieferung. Dies wurde reichlich genutzt. In den ersten beiden Wochen wurde also viel verschickt und per Rad oder Auto ausgeliefert“, sagt Inhaber Rainer Moritz. Zusätzlich richtete man eine Abholstation direkt am Eingang ein, auch sie wurde gern und reichlich genutzt.

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„Damit“, erklärt Rainer Moritz, „konnte ein Teil des Umsatzes aufgefangen werden – allerdings mit erhöhtem Aufwand. Viele Kunden haben erstmals die Online-Bestellmöglichkeit genutzt und stellten fest, dass wir genauso schnell, kostengünstig und lieferfähig sind wie der große Mitbewerber aus Amerika. Auf unsere zahlreichen Veranstaltungen wie etwa das Literaturkino mussten wir jedoch leider verzichten.“

In andere Welten abtauchen

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Die Belletristik lief in der Buchhandlung Moritz & Lux besonders gut. Rainer Moritz versteht das: „Hier kann man bequem in andere Welten und Zeiten abtauchen – ganz ohne Serverleistungen und Stromverbrauch. Dicht danach kommt das Kinder- und Jugendbuch, besonders der Bereich Kinderbeschäftigung. Ratgeber werden auch verlangt, aber nicht überproportional“.

Eingebrochen sei die Nachfrage nach Reiseführern.

„Wir haben uns aber darauf eingestellt, dass man jetzt die Schönheit Deutschlands und besonders auch unsere Region, unsere Heimat (wieder)entdecken kann“, so Rainer Moritz.

Positive Rückmeldungen

Auch in der Bad Mergentheimer Buchhandlung Rupprecht hat man eigentlich nur gute Erfahrungen gesammelt: „Während der Schließung waren wir für unsere Kunden trotzdem erreichbar, nahmen Bestellungen am Telefon entgegen, haben ausgeliefert, telefonisch beraten. Es war schön zu sehen, dass die Leute dieses Angebot auch angenommen haben. Über die vielen positiven, oft auch dankbaren Rückmeldungen von Kunden haben wir uns sehr gefreut. Aber letztendlich wurde doch klar: Eine Buchhandlung lebt nur, wenn sich Menschen darin bewegen, sich umsehen und sich beraten lassen. Deswegen war unsere Freude groß, wieder öffnen zu dürfen“, sagt Filialleiter Dirk Franzen.

„Die Leute wollen sich ablenken“

Die Online-Bestellungen über die Internetseite haben seiner Erfahrung nach zugenommen, die Bücher wurden über einen speziellen Lieferservice zu den Kunden gebracht.

„Die Leute“, sagt er, „wollen sich ablenken. Sie suchen deshalb etwas Schönes, Spannendes und Interessantes zu lesen. Bücher eignen sich ideal, um mal abzuschalten, Abenteuer im Kopf zu erleben. Was viele gerne lesen, das sind Reisebeschreibungen. Auch Wanderführer und Wanderkarten für unsere Region werden gerne gekauft.“

Wie bei Rainer Moritz und Rosemarie Lux in Bad Mergentheim waren auch bei ihm Bücher zur Beschäftigung von Kindern, überhaupt Literatur für Kinder und Jugendliche, besonders nachgefragt.

„Das Buch war nie weg“

Auch die Buchhandlung Buchheim in Wertheim hat während der Schließung einen Lieferservice angeboten, der laut Inhaberin Angelika Hörnig auch recht gut angenommen wurde. „In der jetzigen Zeit“, sagt sie, „werden vermehrt Garten- und Kochbücher sowie Unterhaltungsliteratur verlangt.“

Kinderbücher stark gefragt

Und sie hat dieselbe Erfahrung wie ihre Kollegen gemacht: „Zu Rätsel- und Beschäftigungsbüchern für Kinder wird momentan gern gegriffen.“

Das Buch war ihrer Meinung nach ohnehin noch nie ganz weg: „In Zeiten von Corona hat man mehr Muße.“

Die Wertheimer Literaturexpertin Angelika Hörnig weiter: „Ewig nur Fernsehen wird vielen irgendwann auch langweilig, also warum nicht mal wieder ein gutes Buch lesen – zum Wegträumen oder Informieren.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim