Kriminalstatistik 2019 im Polizeipräsidium Heilbronn - Polizeipräsident Hans Becker präsentierte positive Zahlen / Telefonbetrug nimmt immer mehr zu / Viele gescheiterte Wohnungseinbrüche Landesweit höchste Aufklärungsquote mit 68,1 Prozent im Neckar-Odenwald-Kreis

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Das Deliktfeld Telefonbetrug nimmt auch im Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn zu und rückt deshalb bei den Ermittlungen immer mehr in den Fokus. © DPA

Mit durchaus zufriedenstellenden Zahlen wartete Polizeipräsident Hans Becker bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2019 auf.

Wichtige Zahlen der Kriminalstatistik 2019 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn

Innerhalb des Polizeipräsidiums Heilbronn bewegen sich die Fallzahlen bei einem geringfügigen Zuwachs von 0,4 % (+144 Fälle) mit 33 308 Fällen im Jahr 2019 nahezu auf dem Vor-jahresniveau. Die Fallzahlen liegen im Landestrend.

Signifikante Rückgänge konnten in den Bereichen der gefährlichen Körperverletzungen (-177 Fälle), des Diebstahls insgesamt (-152 Fälle) und der Gewaltkriminalität (-181 Fälle) ver-zeichnet werden. Dem gegenüber stehen Anstiege bei den Rauschgiftdelikten um 208 Fälle sowie beim Waren-/Warenkreditbetrug um 211 Fälle.

Obgleich eine Zunahme der Kriminalitätsbelastung im Landkreis Heilbronn registriert werden musste, rangiert dieser gemeinsam mit dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem Hohenlohe-kreis in der vergleichenden Betrachtung aller Landkreise auf den vorderen Rängen. Der Main-Tauber-Kreis befindet sich im Mittelfeld der Landkreise Baden-Württembergs.

Bei den Straftaten gegen das Leben ging die Anzahl der Taten von 31 im Vorjahr um 7 auf 24 Fälle zurück. Dies entspricht einem prozentualen Rückgang von 22,6 %.

Bei den Straftaten gegen das Leben ging die Anzahl der Taten von 31 im Vorjahr um sieben auf 24 Fälle zurück. Dies entspricht einem prozentualen Rückgang von 22,6 %. Im Einzelnen ereigneten sich folgende Straftaten: Mord 12 (10 Versuche); Totschlag: 8 (8 Versuche); Fahrlässige Tötung: 2 (0 Versuche); Abbruch der Schwangerschaft: 2 (0 Versuche).

Durch vorsätzlich begangene Taten kamen zwei Menschen ums Leben. Beide Taten sind aufgeklärt .Drei der Straftaten gegen das Leben konnten nicht geklärt werden. Im Zusammenhang mit den Straftaten gegen das Leben wurden insgesamt 24 Tatverdächtige erfasst.

Bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist eine Zunahme um 54 auf 573 Fälle (+10,4 %) zu verzeichnen. Landesweit erfuhr dieser Deliktbereich einen Zuwachs von 6,7 %. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote. Sie liegt für das Polizeipräsidium Heilbronn bei 89,4 % (+3,7 %) und damit besser als die landesweite Aufklärungsquote mit 85,8 %. Die Straftaten gliedern sich wie folgt auf: Gesamt: 573 Fälle (+54; Vergewaltigung/sexuelle Nötigung/Übergriff (ab 2017) besonders schwerer Fall (ab 2018): 61 (-2); sexuelle Belästigung §184 i (ab 2017) 124 (+16); Ausnutzung sexueller Neigungen: 171 (+63); sexueller Missbrauch: 156 (-34).

Im Bereich der Verbreitung pornographischer Schriften an Personen unter 18 Jahren musste ein Zuwachs von neun Fällen auf 17 registrierte Fälle festgestellt werden. Diese Anzahl war bereits in den Jahren 2015 und 2017 verzeichnet worden.

Ein starker Anstieg von 62 auf 129 Fälle war bei der Verbreitung, des Erwerbes, Besitzes und der Herstellung von Kinderpornographie zu verzeichnen. Die Fälle haben sich mehr als verdoppelt. Viele Anzeigen sind auf Meldungen zu strafbaren Internetaktivitäten zurückzuführen, welche Folgeverfahren nach sich zogen.

Körperverletzungen gingen um 86 Fälle (-) zurück, andererseits nahmen Straftaten gegen die persönliche Freiheit um 50 Fälle (+) zunahmen. Nahezu auf dem Vorjahreswert stagnierten die Raubdelikte bei 143 Fällen. 2,5 %4,5 %pol

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Odenwald-Tauber. „Die Menschen im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn leben in einer sicheren Region“, lautet die Botschaft von Polizeipräsident Hans Becker anlässlich der Veröffentlichung der Polizeilichen Kriminalstatistik 2019 für den Bereich des Polizeipräsidiums Heilbronn. Nachdem Innenminister Thomas Strobl die landesweiten Statistikdaten für Baden-Württemberg bereits am 23. März bekanntgegeben hatte, wurden die regionalen Zahlen für den Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Heilbronn an diesem Freitag veröffentlicht.

Fallzahlen minimal gestiegen

„Insgesamt kann die polizeiliche Kriminalstatistik für das Polizeipräsidium Heilbronn als positiv bezeichnet werden. Die Fallzahlen sind zwar minimal um 0,4 Prozent angestiegen, gleichzeitig konnten wir aber die Aufklärungsquote auf ein Fünf-Jahres-Hoch steigern und liegen über dem landesweiten Durchschnitt“, lautet die Kernaussage des Dienststellenleiters. „Die Ergebnisse zeigen uns, dass meine Kollegen sehr gute Arbeit leisten. Die Veränderungen im Kriminalitätsgeschehen zeigen uns aber auch, wo wir unsere personellen Ressourcen zielgerichtet einsetzen müssen“, so Hans Becker weiter.

Zu der guten Aufklärungsquote, die um 1,2 Prozent auf 62,4 Prozent gesteigert werden konnte, komme die „erfreuliche Tatsache“, dass die Stadt Heilbronn zum dritten Mal in Folge im Vergleich aller Stadtkreise Baden-Württembergs die sicherste Kommune ist. Das ist vor dem Hintergrund, dass im Jahr 2019 als besondere Herausforderung auch seitens der Polizei die Bundesgartenschau mit 2,2 Millionen Besuchern betreut werden musste, besonders erwähnenswert.

Platz zwei im Landes-Ranking

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Im Vergleich aller Dienststellen in Baden-Württemberg ist das Polizeipräsidium Heilbronn im Ranking der sichersten Polizeipräsidien des Landes von Platz drei auf Platz zwei, hinter dem zum 1. Januar 2020 aufgelösten Polizeipräsidium Tuttlingen vorgerückt. Die Dienststelle betreut die Großstadt Heilbronn, den Landkreis Heilbronn, den Neckar-Odenwald-Kreis, den Main-Tauber-Kreis und den Hohenlohekreis. Das ist mit 4400 Quadratkilometern der flächenmäßig größte Zuständigkeitsbereich in Baden-Württemberg in dem insgesamt über 855 000 Menschen leben. Der Präsidiumsbereich ist sowohl ländlich als auch städtisch geprägt. Diese Faktoren wirken sich auf die Kriminalität beziehungsweise Kriminalitätsbelastung aus, weshalb einzelne Deliktbereiche differenziert betrachtet werden müssen.

Die landesweit höchste Aufklärungsquote im Vergleich aller 44 Land- und Stadtkreise ist mit 68,1 Prozent im Neckar-Odenwald-Kreis zu verzeichnen. „Eine nochmalige Steigerung auf die wir stolz sind und mit der wir zufrieden sein können“ bewertet Polizeipräsident Hans Becker diese Zahl.

Diebstähle gingen zurück

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Die Kriminalitätsbereiche verändern sich laufend. Schon seit Jahren sinkend ist die Zahl der Diebstahldelikte im gesamten Zuständigkeitsbereich. Die Anzahl ging hier um 152 Fälle auf 9123 Straftaten zurück. Die gleichwohl steigenden Zahlen im Stadt- und Landkreis Heilbronn sind auf die Teildeliktbereiche „Diebstahl aus Kfz“ und „Diebstahl aus Automaten“ zurückzuführen. Eine eigens eingerichtete Ermittlungseinheit bei der Kriminalpolizei kümmert sich seit Jahren erfolgreich um genau diese Deliktfelder. Die Aufklärungsquote bei den Diebstahlsdelikten liegt über dem Landeswert.

Aufklärung zahlt sich aus

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Erneut gute Zahlen kann das Polizeipräsidium Heilbronn bei der Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität aufweisen. Die Gesamtzahl ist zwar um sieben Taten auf 346 gestiegen, von den Fällen endeten aber 161 im Versuchsstadium und 21,7 Prozent der Einbrüche konnten aufgeklärt werden. „Dass wir mit der Aufklärungsquote im Bereich des Wohnungseinbruchsdiebstahls über dem Landesdurchschnitt von 20,5 Prozent liegen, ist ein Resultat des seit mehreren Jahren angewandten Intensivkonzepts beim Polizeipräsidium Heilbronn“, erklärt der Leiter der Kriminalpolizei Heilbronn, Thomas Schöllhammer. Der Leitende Kriminaldirektor bekräftigt, dass sich der ganzheitliche Ansatz aus Präventionsmaßnahmen, offensiver Öffentlichkeitsarbeit und der akribischen Arbeit der Ermittler seit mehreren Jahren bewährt hat und dazu beiträgt, dass das Heilbronner Polizeipräsidium erneut einen Spitzenplatz bei der Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls belegt.

Weniger Aggressionsdelikte

„Wir wissen, dass nicht nur die Zahlen des Wohnungseinbruchsdiebstahls, sondern auch die Straftaten im öffentlichen Raum das Sicherheitsgefühl nachhaltig prägen. Deshalb bin ich sehr froh darüber, dass die Aggressionsdelikte im öffentlichen Raum deutlich zurückgegangen sind“, erklärt Polizeipräsident Becker die Zusammenhänge. „Es gibt zwar einen leichten Zuwachs bei der Straßenkriminalität, der vor allem aus einer Steigerung der Diebstahlzahlen resultiert, die Zahl der Aggressionsdelikte ging aber um 6,2 Prozent auf 1449 Fälle zurück, nachdem zuletzt in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Zunahmen zu verzeichnen waren.“

Vermutlich wäre hier die Bilanz sogar noch besser gewesen, denn die Aggressionsdelikte, zu denen beispielsweise Gewaltkriminalität, Körperverletzungen und tätliche Angriffe im öffentlichen Raum gehören, gingen fast im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums zurück.

Zu schaffen machte den Ermittlern allerdings eine Jugendgruppierung aus Mosbach, die für eine Vielzahl der 38 dort registrierten Fälle verantwortlich ist und somit die deutliche Steigerung in diesem Bereich im Neckar-Odenwald-Kreis mitverursacht hat. Mit gezielten Präsenz- und Präventivmaßnahmen konnte zwischenzeitlich erreicht werden, dass auch die dortigen Zahlen sinken.

„Weiterhin inakzeptabel ist für mich als Dienststellenleiter die hohe Zahl der Straftaten gegen Polizeibeamte und Rettungskräfte“, kommentiert Hans Becker die Werte in diesen Deliktbereichen. Die Fälle der Gewalt gegen Polizeibeamte ging zwar um zehn Fälle leicht nach unten, dennoch liegt der Wert deutlich über dem Schnitt der letzten fünf Jahre. Gestiegen ist die seit 2016 statistisch erfasste Zahl der Gewalt gegen Rettungskräfte von fünf auf 15 Fälle. „Es ist besonders verwerflich, dass ausgerechnet diejenigen die helfen sollen, selbst Opfer von Gewalttätigkeiten werden. Wichtig ist, dass derartige Delikte konsequent verfolgt und durch die Justizbehörden entsprechend geahndet werden.“

Besonders im Fokus der Polizei Heilbronn: Anrufstraftaten. Ganz perfide ist die Vorgehensweise von Tätergruppierungen in den Phänomenbereichen „Enkeltrick“ und „angeblicher Polizeibeamter“. Kriminelle machen sich das gute Ansehen der Polizei und die Unsicherheit meist älterer Menschen zu Nutze, um an deren Daten und letzten Endes an deren Geld und Wertsachen zu gelangen. Die Betrugsfälle „Enkeltrick“ sind im vergangenen Jahr erneut gestiegen.

Die Betrugsfälle „Falscher Polizeibeamter“ sind zwar zurückgegangen, dennoch erbeuteten die Täter fast 300 000 Euro von ihren Opfern. „Aufgrund des starken Anstiegs der Fallzahlen, der organisierten Vorgehensweise und der hohen Schadensbeträge einzelner Taten gelangten die Phänomenbereiche in unseren besonderen Fokus“, erklärt der Leiter der Kriminalpolizei, Thomas Schöllhammer. Die Maßnahmen des Polizeipräsidiums Heilbronn wurden auf eine intensive Bekämpfung dieser Phänomene ausgerichtet. „Einerseits wurde die Sachbearbeitung bei der Kriminalpolizei zentralisiert, parallel dazu verstärkte das Polizeipräsidium Heilbronn seine Maßnahmen in einem eigens aufgelegten Präventionskonzept in diesem Bereich“, so der Leitende Kriminaldirektor weiter.

Gezielt wurde an Senioren sowie deren Umfeld herangetreten, um für die Gefahren, welche von den Tätergruppierungen ausgehen, zu sensibilisieren. Mehrere Festnahmen und der Umstand, dass rund 98 Prozent der Taten im Versuchsstadium blieben, bestätigen das Polizeipräsidium Heilbronnin seiner Arbeit. Allerdings dürfte die Dunkelziffer in diesem Deliktfeld hoch sein.

Das Konzept „Telefonbetrug“ wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. „In der Gesamtschau bin ich mit unseren Zahlen sehr zufrieden. Wir konnten auf vielschichtige Herausforderungen in allen Bereichen der Kriminalität reagieren und damit dafür sorgen, dass es in unserer Heimat sicher ist“, so Becker.

Personalstand nicht optimal

„Noch bedeutsamer ist dieser Aspekt, wenn man berücksichtigt, dass wir personell immer noch nicht optimal ausgestattet sind. Daran wird sich aber bald einiges ändern. Ab dem kommenden Jahr stehen uns die starken Ausbildungsjahrgänge zur Verfügung und wir werden uns dann personell deutlich besser aufstellen. Unabhängig von der Personalsituation werden wir auch weiterhin in unserem gesamten Zuständigkeitsbereich verlässlich mit einem zielgerichteten Personal- und Ressourceneinsatz dafür sorgen, dass sich die Bevölkerung sicher fühlen kann“, beschloss der Polizeipräsident seine Ausfühurngen