Ausschuss für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr - Zwei Projekte zur Förderung der Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt Kreisübergreifende Initiative auf den Weg gebracht

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Koordinationsstellen und Netzwerkarbeit sollen die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt fördern.

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Main-Tauber-Kreis. Das Thema Flüchtlinge war das beherrschende der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Bildung, Kultur und Verkehr am Mittwoch in Tauberbischofsheim.Keine Entlastung oder Entwarnung gebe es bei der Flüchtlingsunterbringung, so Landrat Reinhard Frank einleitend. "Wir fahren unter Volllast."

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Doch für ein Dach über dem Kopf zu sorgen sei die eine Sache, die andere die der Integration. Hier sei die Koordination der unterschiedlichen Akteure im Kreis notwendig, um keine Doppelstrukturen zu schaffen. Als Beteiligte nannte er das Landratsamt, das Jobcenter, das Schulamt, die VHS, Wohlfahrtsverbände und die Runden Tische in den Städten und Gemeinden.

Um eine umfangreiche und nachhaltige Integration auf den Weg zu bringen, habe die Landkreisverwaltung des Main-Tauber-Kreises gemeinsam mit dem Landratsamt des Hohenlohekreises bereits Anfang 2015 einen Antrag "Integrationsnetzwerk Hohenlohe - Main-Tauber" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales gestellt, informierte Sozialdezernentin Elisabeth Krug. Der sei positiv bewertet worden. Die Laufzeit betrage vier Jahre.

"Ziel ist es, gemeinsam mit den Netzwerkpartnern voranzugehen", so Krug. Von Arbeitgebern - vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Weltmarktführer - lägen bereits über 20 Absichtserklärungen vor, Flüchtlingen Schnuppertage oder Praktika zu bieten.

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Das Projekt ist in sechs Teilprojekte untergliedert. Der Hohenlohekreis, der die Initiative zur Bewerbung gestartet hatte, soll die Projektleitung übernehmen und 60 Prozent der Ressourcen erhalten, der Main-Tauber-Kreis 40 Prozent. "Das Projekt ist mit 90 Prozent gut gefördert", so Krug. Insgesamt stehen 2,6 Millionen Euro zur Verfügung, von denen, bei einer Eigenbeteiligung des Kreises von rund 13 Prozent, gut eine Million Euro im Main-Tauber-Kreis eingesetzt werden.

Neuer Verwaltungsstützpunkt

Bereits am vergangenen Samstag sei eine sozialpädagogische Stelle für dieses Projekt ausgeschrieben gewesen, so Krug. Im Erdgeschoss des früheren Jugendamts in der Tauberbischofsheimer Museumsstraße entstehe deshalb derzeit ein Verwaltungsstützpunkt.

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Dr. Urban Lanig (CDU) bat um einen jährlichen Bericht, um Transparenz bei der Koordination der Flüchtlingsintegration zu schaffen. Zudem stelle sich die Frage, was die Aufgabe der Helferkreise in dieser Konstellation sei. Krug erläuterte, dass die Helferkreise keine offiziellen Aufgaben wahrnähmen. Für ihre Offenheit und Hilfen bei der Betreuung sei man hingegen sehr dankbar, obgleich keine Forderungen gestellt werden dürften.

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Eberhard Feucht (Bündnis90/Die Grünen) erhielt auf seine Frage, ob die neue Koordinationsstelle sowohl für die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften als auch für die kommunale Anschlussunterbringung zuständig sei, ein klares Ja zur Antwort.

Thomas Maertens (CDU) und Hubert Sadowski (Freie Wähler) wollten wissen, wie zu gewährleisten sei, dass Flüchtlinge an angebotenen Maßnahmen tatsächlich teilnähmen. Maertens meinte, dass immer wieder festgestellt werde, dass Flüchtlinge, die eigentlich in einer bestimmten Unterkunft sein sollten, dort nicht mehr anzutreffen oder stattdessen ganz andere dort seien. Zudem verdeutlichte er, dass eine Verpflichtung zur Vermittlung von Basissprachkenntnissen bestehe, nicht aber ein Anspruch auf Sprachkurse. Zum Thema Sozialbetreuung erinnerte er an ein vor Jahren mit dem Caritasverband ausgehandeltes Projekt. Dort sei festgeschrieben, dass der, der betreut werden wolle, auch betreut werde.

Weiter wurde angemerkt, wie schwierig es sei, sozialpädagogische Fachkraftstellen zu besetzen, da der Markt leer gefegt sei. Daher stelle sich die Frage, ob für alle Aufgaben eine so hohe Qualifizierung angesetzt werden müsse.

Als gut angelegtes Geld bezeichnete Rolf Grüning die Investition in das kreisübergreifende Projekt, das letztlich einstimmig beschlossen wurde.

Projekt für VABO-Klassen

Ein weiterer Tagesordnungspunkt in Sachen Flüchtlinge betraf ein Projekt des Kolping Bildungswerks. Für die Tauberbischofsheimer Klassen Vorqualifizierung Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO) soll für ein Jahr eine Nachmittagsbetreuung auf den Weg gebracht werden. Die Finanzierung erfolgt über Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF), Geldern von der Würth-Stiftung und einem Projektzuschuss vom Landkreis. Insgesamt sind 61 400 Euro projektiert. Aufgrund einer derzeit noch fehlenden sozialpädagogischen Fachkraft, hat sich der Start der Maßnahme bereits verschoben, soll aber sobald wie möglich beginnen.

Renate Gassert (SPD), Dr. Barbara Baier (FDP) und Ute Schindler-Neidlein (SPD) fragten an, ob solch ein sinnvolles Projekt auch auf andere Schulstandorte ausgeweitet werden könne. Thomas Maertens (CDU) bezeichnete die Förderung pro Schüler als "opulent". Das Geld, so seine Meinung, solle lieber in die Integration in den Arbeitsmarkt investiert werden. Landrat Reinhard Frank sieht in dem Projekt hingegen "einen weiteren kleinen Mosaikstein" in der Flüchtlingsintegration.

Bei einer Enthaltung von Thomas Maertens billigten die Ausschussmitglieder den Zuschuss zum Projekt "neuer Start" des Kolping Bildungswerks in Höhe von 15 300 Euro im laufenden Jahr. hvb