Landtagswahl 2021 - Drei Fragen an Dr. Leonhard Haaf, Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen im Main-Tauber-Kreis „Klima- und Artenschutz voranbringen“

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Energiegewinnung durch die Sonne: Auf privaten und öffentlichen Dächern sieht man das nach Ansicht der Grünen noch zu selten. © Sabine Braun

Main-Tauber-Kreis. Zur Landtagswahl am 14. März haben die Bürger im Main-Tauber-Kreis zwölf Kandidaten zur Auswahl. Die FN haben den Bewerbern drei Fragen gestellt. Für Bündnis 90/Die Grünen antwortete Landtagskandidat Dr. Leonhard Haaf (Tauberbischofsheim).

Dr. Leonhard Haaf ist Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen. © Grüne
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Welchem Ihrer politischen Ziele würden Sie als gewählter Abgeordneter des Main-Tauber-Kreises im Landtag oberste Priorität einräumen und welche benennen Sie auf den Plätzen zwei und drei?

Dr. Leonhard Haaf: Aktuell geht es vor allem darum, die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen. Als Impfarzt im Kreisimpfzentrum leiste ich selbst einen kleinen Beitrag dazu. Ich bin froh und dankbar dafür, dass die breite Mehrheit in unserem Land den Infektionsschutz beachtet und die Verbreitung des Virus eindämmt, auch wenn wir allmählich pandemiemüde werden. Bis alle geimpft werden können, wird es aber noch einige Zeit dauern.

Langfristig will ich vor allem den Klima- und den Artenschutz voranbringen. Wenn wir als Menschheit und als Zivilisation überleben wollen, müssen wir diese beiden Dinge anpacken. Beides gehört politisch zusammen, beides erfordert ähnliche Vorgehensweisen und beides kann sich gegenseitig positiv verstärken. Dafür brauchen wir die energetische Sanierung unserer Gebäude, den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Verkehrswende. Mit der Verlagerung von Verkehr vom Auto auf Busse, Bahnen, Rad- und Fußverkehr wollen wir auch im Verkehrsbereich die CO2-Emissionen drastisch verringern. Für den Artenschutz bedarf es einer Ökologisierung der Landwirtschaft. Der Einsatz von Pestiziden muss stark reduziert werden. Corona hat zudem gezeigt, dass wir im Land Nachholbedarf bei der Digitalisierung haben. Dieses Defizit zu beheben, ist wichtig für die Bildung und die Wirtschaft.

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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind noch nicht absehbar. Was befürchten Sie für die Wirtschaft, den Einzelhandel, die Gastronomie und den Tourismus im Main-Tauber-Kreis und welche Maßnahmen können zur Abfederung beitragen?

Haaf: Der Lockdown bringt viele Betriebe der Gastronomie, des Einzelhandels, des Friseurhandwerks, der Veranstaltungsbranche, die Mini-Jobber und viele andere in Existenznot. Ihnen muss genauso wie Kulturschaffenden und Soloselbstständigen schnell und unbürokratisch geholfen werden. Wenn die Pandemie im Laufe dieses Jahres beherrscht wird, liegt es an jedem einzelnen, mit seiner Kaufentscheidung dazu beizutragen, dass sich die Wirtschaft wieder erholen kann. Kaufen beim Einzelhändler vor Ort sollte dann selbstverständlich sein. Die Restaurants, Kneipen, Bistros und Cafés müssen durch unsere Besuche wieder florieren. In der durch Corona ausgelösten Wiederentdeckung des Nahtourismus sehe ich für uns im Main-Tauber-Kreis eine große Chance, die genutzt werden muss. Vor allem der nachhaltige Tourismus hier und in den Nachbarländern wird sich durch unsere Nachfrage erholen können. Ich bin optimistisch, dass die Bevölkerung zusammensteht und weiß, worauf es ankommt. Dies gilt auch für den Bereich von Kunst und Kultur. Es liegt am Staat, an den Ländern und Kommunen, diese Bereiche zu unterstützen und nach Ende der Pandemie wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Es braucht die ganze Gesellschaft, neue Ideen, ständigen Erfahrungsaustausch und politische Unterstützung.

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Die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie werden sich in allen Haushalten vom Bund über das Land bis zu den Kommunen niederschlagen. Wie stellen Sie sich den Umgang mit der exorbitanten Verschuldung vor? Wo kann gespart, wie finanziert werden?

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Haaf: Die exorbitante Verschuldung fällt noch höher aus als gedacht, denn die Krise ist leider noch lange nicht vorbei. Wir dürfen hoffen, dass die wirtschaftliche Erholung schnell erfolgt. Maßgeblich für die Unterstützung jetzt muss sein: Wer ist persönlich gefährdet und wer muss vor Erkrankung geschützt werden? Dabei sollte man sich am Gemeinwohl orientieren und an den großen Aufgaben, die wir in der nächsten Zeit neben Corona sowieso noch zu bewältigen haben. Gespart werden könnte, ja muss, an den hohen Subventionen, die trotz Klimavertrag von Paris aus dem Jahre 2015 immer noch in die atomaren und fossilen Industrien fließen. Wir finanzieren hier Bereiche, die nicht nachhaltig, nicht zukunftsfähig sind und wo es längst gute und sichere Alternativen gibt. Die erneuerbaren Energien haben Marktreife, fördern Beschäftigung und lokale Wertschöpfung. Der Weltkonzern Apple, so haben US-Steuerfachleute ausgerechnet, zahlt etwa nur 17 Prozent Steuern. Hier muss die Politik unbedingt eingreifen. Normale Einkommen werden bei uns höher besteuert als die Kapitalerträge, das ist ungerecht dem einzelnen Arbeitnehmer gegenüber. Klar muss sein, dass Steuern gerechter sein müssen und die Tatsache berücksichtigen sollten, dass kräftige Schultern mehr tragen können.