Wahlkampf - Regionale Erzeugung war Thema von Stefan Grimm Kleine Betriebe brauchen Luft zum Überleben

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Main-Tauber-Kreis. Um sich ein möglichst breites Bild über die Belange der Bevölkerung zu machen, informierte sich Stefan Grimm, Kreisrat und Landtagskandidat für die Freien Wähler für den Main-Tauber-Kreis, über die schwierige Lage der regionalen Erzeugung und Vermarktung am Beispiel einer Landmetzgerei. Dazu führte er ein Gespräch mit Michael Schmall, Fleischermeister, Fleischtechniker und Inhaber eines Schlacht- und Metzgereibetriebs in Uissigheim in dritter Generation.

Zum Handeln gezwungen

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Wie es im Bericht des Kandidaten heißt, erklärte Schmall, dass durch den Corona-Ausbruch bei einer Großschlächterei die desaströsen Zustände der Fleischindustrie wieder einmal publik geworden seien und die Politik endlich zum Handeln gezwungen gewesen sei. Durch ein neues Gesetz seien die viel kritisierten Werkverträge mit ihren teils unwürdigen Arbeitsbedingungen verboten. Zum Schutz der kleinen Betriebe gelten die neuen Regelungen allerdings erst ab 50 Mitarbeitern. „Dass die Großschlächterei als Antwort darauf viele kleine Gesellschaften gründete, sollte denen da oben doch zu denken geben,“ so Schmall.

Für Grimm ist das ein gutes Beispiel dafür, wie die große Politik Missstände behebe: „An der Umsetzung hapere es nicht selten und die Unternehmen finden kreativ Schlupflöcher.“ Ob das handwerkliche Fehler seien oder gute Lobbyarbeit, wolle er nicht beurteilen. Es sei auf jeden Fall „ein Armutszeugnis“.

Wie Schmall betonte, drücke die industrielle Massenerzeugung die Preise auf ein Niveau, „das uns Kleinen keine Luft zum Überleben lässt“. Davon seien nur Metzger betroffen, sondern auch Züchter, Landwirte und alle, welche die Produkte weiterverarbeiten: „Fällt ein Glied aus, zerbricht die ganze Kette und stirbt.“ Weiter forderte Schmall: „Billiges Fleisch darf nicht mehr beworben werden. Die Dumpingpreise setzen sich in den Köpfen der Kunden fest.“ Deshalb sein Appell: „Esst weniger Fleisch, und wenn, dann das richtige aus der Region. Das tut den Großen weh und unterstützt uns Kleine.“

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In seiner Funktion als Kreisrat war für Grimm auch der Wegfall der Metzgerausbildung an der Berufsschule in Bad Mergentheim ein Thema. Wenn sich auf diesem Gebiet nicht bald etwas radikal ändere, „hat man als junger Mensch in dieser Branche keine Perspektive“, zeigte sich Schmall überzeugt.

„Dieses düstere Szenario müsse sowohl politisch als auch gesellschaftlich verhindert werden“, so Grimm. Mit der Bio-Musterregion setze der Main-Tauber-Kreis stark auf regionale Vermarktung, Vernetzung und Vielfalt. Das Land müsse aber insbesondere die Rahmenbedienungen schaffen, dass Baden-Württemberg mit seinen landwirtschaftlich kleinteiligen Strukturen nicht für den Weltmarkt produzieren müsse. Denn: „Diesen Wettbewerb können wir nicht gewinnen.“

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Am längsten Hebel sitzen Grimm zufolge die Verbraucher. Jeder bestimme, was er esse, welchen Wert Lebensmittel und die Gesundheit haben und wie wichtig einem das Wohl der Tiere ist. Andere Länder haben eine Esskultur – bei uns ist Geiz geil!“