Ausbildungsmarkt - Unternehmen in der Region halten trotz der Corona-Krise an der Zahl der ausgeschriebenen Plätze fest Junge Menschen sind weiterhin gefragt

Eine kriselnde Wirtschaft verunsichert zukünftige Azubis. Die FN haben nachgefragt – und bekamen eine klare Antwort: „Der Bedarf an gut ausgebildeten jungen Menschen ist hoch.“

Von 
Elisa Katt
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Trotz der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie suchen Ausbildungsbetriebe in der Region Nachwuchs – in nahezu allen Branchen. © Monika Skolimowska/dpa

Odenwald-Tauber. Konjunktureinbruch, Corona-Rezession, Wirtschaftskrise – immer wieder dominieren solche Begriffe die Berichterstattung über die Pandemie. Viele Branchen kämpfen nach wie vor mit den Nachwehen des monatelangen Lockdowns. Und nun schnellen die Infektionszahlen erneut in die Höhe. Das verunsichert junge Menschen: Macht es überhaupt Sinn, sich in der aktuellen Lage um einen Ausbildungsplatz zu bewerben? Suchen Unternehmen trotz der Krise Nachwuchs? Und wie sieht es mit den Chancen auf eine spätere Übernahme aus? Die FN haben nachgefragt.

"Zukunft Karriere Digital"

  • Wer aktuell einen Ausbildungsplatz sucht, aber noch nicht sicher ist, in welcher Branche oder bei welchem Unternehmen, der kann sich informieren: Bei der virtuellen Ausbildungsmesse „Zukunft Karriere Digital“ am Freitag, 6. November.
  • Dazu erstellen die Teilnehmer ein Profil auf der Plattform „Talentefinder“: Wonach sucht Ihr? Was sind Eure Stärken und Interessen? Wie sieht Euer Werdegang aus?
  • Rund 50 Ausbildungsbetriebe aus der Region stellen sich auf der Plattform und im Ausbilderkatalog der FN vor. Junge Menschen können diese Profile anschauen und „Likes“ vergeben. Beruht das Interesse auf Gegenseitigkeit, treten Unternehmen und möglicher zukünftiger Azubi in Kontakt. Vielleicht hat der Teilnehmer noch Fragen zum Betrieb? Oder das Unternehmen möchte mehr über den Jugendlichen erfahren. Zudem besteht die Möglichkeit, für den Event-Tag am 6. November ein Video-Gespräch zu vereinbaren.
  • Infos und Anmeldung unter www.zukunft-karriere.de im Internet.

„Nachwuchs dringend gebraucht“

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„Der Bedarf an gut ausgebildeten jungen Menschen ist ungebrochen hoch“, betont Elisabeth Giesen, Leiterin der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim: „Nachwuchskräfte werden wie vor der Pandemie dringend gebraucht.“

Im Frühjahr seien einige Unternehmen noch vorsichtig gewesen: „Zu Beginn der Pandemie wurden in der Region Heilbronn-Franken deutlich weniger Azubis eingestellt“, berichtet Kerstin Lüchtenborg, Leiterin Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Bis zu den Sommerferien habe das Handwerk ordentlich zugelegt. „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir bei den neu eingetragenen Lehrverträgen nur noch ein kleines Minus von 3,5 Prozent“, stellt Lüchtenborg fest. „Die Firmen haben trotz Corona-Krise an ihren Ausbildungsvorhaben festgehalten“, erklärt auch Elisabeth Giesen. Bei den bereits eingestellten Azubis war während der Krise vor allem eins gefragt: Flexibilität. „Kurzarbeit hat natürlich zeitweise die personelle Zuständigkeit verändert“, räumt Kerstin Lüchtenborg ein. „Ausbildungsinhalte mussten zum Teil nachgeholt werden.“ Die Berufsschulen setzten auf Online-Unterricht, berichtet Detlef Schulz-Kuhnt, Pressesprecher der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken, und ergänzt: „Es wurden Homeoffice Modelle für die Auszubildenden zur Verfügung gestellt.“ Prüfungen, die Pandemie-bedingt ausgefallen waren, wurden mittlerweile nachgeholt, so Lüchtenborg.

Sorgen um ihre berufliche Zukunft müssten sich Jugendliche in der Region also nicht machen: „Die Unternehmen setzen alles daran, die jungen Menschen weiterhin gut auszubilden und auch zu übernehmen“, versichert Giesen. Um Betriebe dabei zu unterstützen, hatte die Regierung das Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ ins Leben gerufen. „Die Covid-19-Pandemie soll nicht zu einer Krise für die berufliche Zukunft junger Menschen und für die Fachkräftesicherung werden“, heißt es vonseiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Zukünftige Fachkräfte sichern

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Mit der Förderung sollen kleine und mittelständische Unternehmen motiviert werden, an ihrem Ausbildungsniveau der Vorjahre festzuhalten – oder es sogar zu steigern. Zudem möchte das Programm die Verbund- oder Auftragsausbildung stärken. Verteilt auf die Jahre 2020 und 2021 schätzt der Bund die Kosten für alle Bereiche dieser Ausbildungsförderung auf 500 Millionen Euro.

„Das Bundesprogramm ist im Handwerk sehr gut angenommen worden. Wir haben über 100 Anträge bearbeitet“, zieht Kerstin Lüchtenborg eine erste Bilanz. Insgesamt sei der Antragseingang bisher noch etwas verhalten ausgefallen, berichtet indes Elisabeth Giesen und appelliert: „Ausbildung lohnt sich mit Blick auf den großen Fachkräftebedarf. Es darf keinen Jahrgang Corona geben – das kann sich die Gesellschaft nicht leisten.“ Auch Detlef Schulz-Kuhnt betont: „Mit dem Angebot einer beruflichen Ausbildung können Unternehmen dazu beitragen, ihren zukünftigen Fachkräftebedarf zu sichern.“

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Auf dem Ausbildungsmarkt sei die Konkurrenz bei kaufmännischen Berufen in der Regel höher als in anderen Bereichen, berichtet Giesen. „Die Verdienstmöglichkeiten sind in handwerklichen und industriellen Berufen häufig besser als in klassischen Büroberufen“, stellt sie fest. Es gebe Aufstiegschancen und zudem die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen. Giesen bemüht in diesem Zusammenhang das trotz der Krise geltende Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“.

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Unabhängig davon würden aber „in nahezu allen Branchen“ Azubis gesucht. Für Schüler, die im kommenden Jahr ihren Abschluss machen, sei es nun höchste Zeit, sich nach einem Platz umzusehen. Die Bewerbungsverfahren für den Ausbildungsstart 2021 hätten bereits begonnen.

Allen jungen Leuten, die in diesem oder im nächsten Jahr den Schritt ins Berufsleben wagen, gibt Giesen mit auf den Weg: „Ihr habt eine gute Entscheidung getroffen. Eine abgeschlossene Ausbildung ist in jedem Fall eine gute Grundlage für das weitere Berufsleben.“

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Wertheim