Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) II - Abschuss von Katzen verboten / Rabenkrähen haben keine Ausnahmeregelung mehr, dafür eine längere Schonzeit Jagd auf Raben macht eigentlich nicht wirklich einen Sinn

Lesedauer: 

Main-Tauber-Kreis. "Kein Jäger tötet gerne einen Hund oder eine Katze. Das war auch im alten Jagdgesetz immer die ultima ratio", stellt Hubert Hartnagel vom Kreisjagdverband Tauberbischofsheim klar. Er weist daraufhin, dass jedoch nie die "Hausmieze" geschossen worden sei, sondern verwilderte Katzen, die geschützte Singvögel oder Feldhasen gefährden. "Verwilderte Katzen sind ein generelles Tierschutzproblem", weiß Elisabeth Döringer vom Tierschutzverein Tauberbischofsheim. Wie der Deutsche Tierschutzbund sieht sie im Abschuss keine Lösung und weist darauf hin, dass der Tierschutzbund eine Kastrationspflicht für Freigänger fordert.

Der Kolkrabe zählt zu den bedrohten Arten. Allerdings mischt er sich unter Rabenkrähen, die abgeschossen werden dürfen.

© dpa
AdUnit urban-intext1

Auch bei Hunden appelliert Döringer an die Vernunft der Halter, ihre Hunde im Wald anzuleinen oder zu sichern, damit dieser keine Rehe aus dem Wald hetzt, die dann panisch auf die Straße rennen. "Der Hund kann nichts für sein Herrchen", bedauert Döringer. Hält sich der Halter nämlich nicht an die Auflage, kann ein Hund im Wiederholungsfall laut dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) mit Genehmigung erschossen werden.

"Natürlich landet der eine oder andere Junghase in einem Rabenvogel-Nest, die eigentliche Ursache der schlechten Bestandssituation der Feldtiere ist aber der für diese Arten schlichtweg nicht mehr taugliche Lebensraum", sagt Dr. Ulrich Mäck, Diplom-Biologe und Rabenvogel-Experte. Es gebe keine seriöse Untersuchung, die nachweisen konnte, dass die Bejagung von Rabenkrähen mit legalen jagdlichen Mitteln an den Beständen der "Beutearten" hätte etwas verbessern können. "Rabenvögel verursachen keine unzumutbaren wirtschaftlichen Schäden, die nicht mit zumutbaren Mitteln verhinderbar wären", so Mäck. "Damit entfällt ein potenziell anwendbarer Grund für das Töten der Tiere aus dem Naturschutzgesetz heraus", kritisiert Mäck das neue Jagdgesetz scharf. "Es ist eine absolute Unmöglichkeit in einem angeblich modernen Jagdgesetz den Rabenvögeln überhaupt eine Jagdzeit zu geben. Egal wie lange oder wie kurz die Schonzeit ist."

Konrad Frohsdorfer von der ornithologischen Gesellschaft führt an, dass es zu Fehlabschüssen kommen kann, da die jungen Rabenvögel, die von den Jägern geschossen werden auch gemischt unterwegs sind - versehentlich könnten auch bedrohte Arten wie der Kolkrabe oder die Saatkrähe geschossen werden. Die Argumentation, Jungvögel zu schießen , um den Bestand zu verringern, sieht er als hanebüchen an. "Die Jugendmortalität bei Rabenkrähen liegt ohnehin bei 73 Prozent. Um in den Bestand einzugreifen müssten ergo 74 Prozent getötet werden, was bei diesem intelligenten Vogel nur schwer möglich sei. bpd