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Hier hat der Leser das Wort - Zur Übernahme von Verantwortung während der Coronakrise

Inklusion und Teilhabe ernst nehmen

Von 
Leserbrief-Schreiber: Matthias Fenger, Michael Müller
Lesedauer: 

Das Grab ist leer, der Held erwacht! – oder doch besser die Helden? Wie halten wir es mit der zentralen Osterbotschaft der Christenheit? Gottesdienst ja oder nein? Osterfeuer in Zeiten der Ausgangssperre anbieten oder lieber nicht?

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Als Vorstand des Caritasverbands im Tauberkreis sind wir davon überzeugt, dass es nicht nur, aber ganz besonders in diesem Jahr viele Helden sind, die uns die Osterbotschaft auf ganz persönliche Weise überbringen. Seit über zwei Wochen sind große Teile unserer Häuser und der Werkstätten nicht nur unter Quarantäne, sondern teilweise von einem großflächigen Corona-Befall unter Bewohnern, Werkstatt-Beschäftigten sowie Mitarbeitern betroffen. Das führt alle Einrichtungen in der Eingliederungshilfe an ihre absolute Belastungsgrenze.

Unsere Mitarbeiter sind dabei unsere wahren Osterhelden – ihr Einsatz ist ein grandioses Beispiel österlicher Nächstenliebe. Sie bewegen sich in der sogenannten Arbeitsquarantäne Tag für Tag zwischen den eigenen Familien und der Betreuung beziehungsweise Versorgung von Corona-Infizierten und leisten echten Liebesdienst vor Ort. In großen Teilen noch ohne Impfung schwingt da sicher an vielen Stellen Angst und Sorge mit. Und trotzdem ducken sie sich nicht weg, sondern packten an, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Welche konkretere Osterbotschaft könnten Christus und die Christenheit senden?

Als Caritas-Vorstände aber auch als Bürger haben wir höchsten Respekt vor diesem Einsatz, der ganz sicher auch in vielen weiteren Altenpflegeheimen, Wohnhäusern, Krankenhäusern oder aufsuchenden Diensten der Jugend- und Altenhilfe im Main-Tauber-Kreis geleistet wird.

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Ganz besonders stolz und zukunftszuversichtlich macht uns dabei die aktive Rolle, die unsere FSJler, Bufdis und Azubis übernehmen. Sie übernehmen Verantwortung, die weit über ihre eigentlichen Aufgaben hinausgeht, und sind so ein leuchtendes Beispiel für uns alle in dieser Coronakrise und eine echte Wette auf die Zukunft.

Dass diese brisante Situation hätte vermieden werden können, wenn Menschen mit Teilhabebeeinträchtigung, also mit geistiger oder schwerstmehrfacher Behinderung beziehungsweise mit psychischer oder seelischer Erkrankung in der Impfreihenfolge vergleichbar den Altenpflegeeinrichtungen in die Prioritätsstufe 1 aufgenommen worden wären, mag vielen in der persönlichen Sorge um einen Impftermin nicht sonderlich erwähnenswert scheinen. Doch zeigt es uns, dass wir es trotz des vielfach gepriesenen Bundesteilhabegesetzes mit der Inklusion und Teilhabe noch nicht wirklich ernst meinen.

Diese gefährdete vulnerable Zielgruppe hatte entweder keine ausreichende Lobby auf Bundesebene oder wurde einfach vergessen. Beides wäre dramatisch.

Unser österlicher Wunsch wäre, dass diese unbefriedigende Situation im Hinterkopf bleibt, wenn auf Kreisebene ab 2022 wahrscheinlich über eine siebenstellige Kostensteigerung in der sogenannten Eingliederungshilfeleistung gesprochen werden wird.

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Diese müsste dann unmittelbar aus dem Kreishaushalt und damit unser aller Steuersäckel beglichen werden. Ohne sie wird aber das Versprechen des Bundesteilhabegesetzes, nämlich, die individuellen Ansprüche von Menschen mit Teilhabebeeinträchtigung passgenau zu erfüllen, nicht haltbar sein.

Dann sind Helden in der Politik gefragt, die ihr Herz am rechten Fleck haben und die Osterbotschaft der Nächstenliebe in Realpolitik umsetzen.

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