Weihnachtsmärkte im Altkreis - Nach Weikersheim und Creglingen sagt jetzt auch Niederstetten ab / Jubiläums-Rossmarkt wird auf 2021 verschoben Immerhin: Märchen-Bilder hinter Glas

„Aufgrund der aktuellen Situation kann unser Weihnachtsmarkt 2020 nicht stattfinden“, heißt es aus Niederstetten. Auch Weikersheim und Creglingen feiern ihre entsprechenden Feste nicht.

Von 
Michael Weber-Schwarz
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Niederstetten verlagert seine weithin bekannten vorweihnachtlichen Märchenszenen ab Anfang Dezember in leerstehende örtliche Schaufenster. © Dietmar Breuninger

Main-Tauber-Kreis. Rund um die Rathäuser, Marktplätze, Kirchen, in lauschigen Höfen und auf den örtlichen Plätzen stehen die kleinen, liebevoll geschmückten und stimmungsvoll beleuchteten Holzhäuschen – Weihnachtsmarkt. In den vergangenen Jahren hatten die Kommunen im oberen Altkreis ihre Profile geschärft und heimelige Weihnachtsmärkte angeboten. Treffpunkt mit Rahmenprogramm zum Bummeln und zur Gemeinschaftspflege. Das alles wird es heuer wegen Corona und den damit verbundenen Auflagen und Unsicherheiten nicht geben.

Solidarität trotz Distanz

Keine Weihnachtsmärkte in den drei Kommunen des Oberen Bezirks: Einwohner und Gäste werden die bunten, stimmungsvollen Veranstaltungen mit ihren Lichtern und Buden wie ich schmerzlich vermissen.

Was der englische Begriff „social distancing“ wirklich bedeutet, wird an den Absagen offenbar. Eigentlich ist die ins Deutsche übersetzte „soziale Distanzierung“ mehr als missverständlich. Es bedeutet zunächst, dass Personen „gesellschaftlichen Abstand“ zueinander halten sollen. Es geht also nicht um eine brutale soziale Isolation der Individuen, sondern „nur“ um die räumliche Distanzierung von (möglicherweise) infizierten zu nicht infizierten Personen.

Doch die Realität holt den schwammigen Begriff jetzt ein. Der Mensch als Herdentier wird in der Tat isoliert. Kein gemeinsames Crêpe-Essen, keine Straßengespräche unter Bekannten, nichts, was das Soziale eben ausmacht. Das mag „hygienetechnisch“ noch so sinnvoll sein – menschlich muss man dieses Herunterfahren schlicht bedauern. Es ist in Wahrheit ganz, ganz schlimm.

Ich habe bislang jedes Jahr so gut wie alle Märkte in meiner Reichweite besucht. Leute getroffen, zahlreiche Schwätze gehalten, wichtige und weniger wichtige Neuigkeiten erfahren. Und – um mich mal freimütig als Vorweihnachtsgemütlichkeitsfan zu outen – auch hier einen warmen Eierlikör mit Sahne, dort einen Punsch getrunken. Weil’s einfach dazu gehört und zur Entspannung beiträgt in der parallelen Hektik, die einen sowieso erfasst, ob man will oder nicht.

Soll ich jetzt alle Geschenke ruhig aber anonym im Internet zusammenkratzen? Nein, das mache ich ganz sicher nicht. Hier ist auch Solidarität in und wegen der sozialen Distanz angesagt.

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Nach Weikersheim – hier hatte der Handels- und Gewerbeverein den beliebten Markt im Schlosshof bereits gecancelt – und Creglingen (Absage schon Mitte November) erklärt jetzt auch Niederstetten das endgültige Aus für das geplante Marktgeschehen. „Die Corona-Pandemie zwingt auch die Stadt Niederstetten dazu, den Märchenhaften Weihnachtsmarkt 2020 und das geplante Rossmarkt-Jubiläum 2021 abzusagen“, heißt es lapidar auf der Homepage der Vorbachtal-Kommune.

Am Mittwoch „ging die Absage an die Krämermarktbeschicker raus“, bedauert Sandra Neckermann vom Kultur- und Tourismusbüro der Stadt Niederstetten beide Absagen. Niederstetten wollte 2021 einem zweitägigen Jubiläumsprogramm den 175. Rossmarkt am Samstag, 16. und Sonntag, 17. Januar als großes Jubiläumsfest feiern. Das Jubiläum werde auf das Folgejahr verschoben, sagte Neckermann.

„Alternativ werden unsere Märchenbilder in der Innenstadt für weihnachtliche Stimmung sorgen – lassen Sie sich überraschen“, informiert die Stadtverwaltung aber weiter. Niederstetten verwandelt sich also immerhin (nur ohne Markt) in eine glitzernde Märchenwelt – in bislang leestehenden Schaufenstern, so der Plan.

Kurstadt hält sich Optionen offen

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Die in den vergangenen Jahren überall in der Altstadt verteilten lebensgroßen, ausgeschmückten Märchenszenen und -bilder sind längst zum Markenzeichen des Niederstettener Weihnachtsmarkts geworden. Und aufgrund der vielen positiven Rückmeldungen hat sich die Stadt entschlossen, die Bilder-Schau in einem gewissen Rahmen auch heuer zu zeigen, erklärt die Verantwortliche Heidi Maedel. Sie ist aktuell damit beschäftigt, die „Schaufenster-Märchen“ zu organisieren.

Gezeigt werden die Märchen-Bilder ab Anfang Dezember; sie sollen zum Flanieren einladen und den örtlichen Einzelhandel in der ohnehin schwierigen Corona-Zeit unterstützen, Menschen ins Städtle bringen.

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Offen planen in Sachen Weihnachtsmarkt im Altkreis aktuell nur die Verantwortlichen in Bad Mergentheim. Hier bleibt derzeit noch die Aktion „Weihnachtsmarkt Äußerer Schlosshof“ mit 33 Hütten einschließlich Einlassbeschränkungen an drei Wochenenden im Gespräch, sowie ein möglicher „Wildpark-Winter“ und Licht- und Illuminationskonzepte „Kurpark“ und „Wildpark“ (die FN berichteten über die jüngste Sitzung des städtischen Werbebeirats).

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Aufgrund der aktuell unklaren Entwicklungen bis Jahresende gelte, „dass mit entsprechender Flexibilität gegebenenfalls einzelne oder gesamte Bausteine geändert oder abgesagt werden müssen“, hieß es. Bad Mergentheim behält sich also Entscheidungen noch vor.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim