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Hamsterkäufe: Zwischen Lust und Wahn

Michael Weber-Schwarz übers Hamster-Phänomen

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Michael Weber-Schwarz
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Neulich gleich zwei 500-Gramm-Päckchen Berglinsen gekauft. Vorgestern abend beim Kochen von Linsen und Spätzle (nach dem Ur-Rezept von Oma Gretel) ist mir dann klar geworden: Auch ich bin nicht frei von der gefühlten Nahrungsmittelkrise. Hamstern würde ich’s bei den zwei Päckchen ja nicht nennen. Trotzdem: Auf die Motivation, den inneren Impuls kommt es an. „Früher“ hätte ich nur eine Packung gekauft.

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Eine Ölkrise gibt es bei mir nicht – weil ich überhaupt kein Sonnenblumenöl verwende. Trotzdem habe ich mich auch hier schon beim Nachschauen in der Speisekammer erwischt – obwohl ich wusste, dass noch über zwei Liter Olivenöl da sind.

Ein gewisses Preppertum halte ich für (noch) normal. Ich wurde hohenlohisch-schwäbisch-sparsam von Nachkriegseltern erzogen. Alte Wecken und Brot werden zu „Eierblatz“ – ein plattgequetschter Riesensemmelknödel aus der Pfanne. Lecker mit Salat.

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Richtige „Prepper“, das sind heutzutage die, die immer aufs Schlimmste vorbereitet sind: Trinkwasservorrat, Milchpulver, mindestens 100 Konservenbüchsen, ein Nofallklo für den Keller. Und natürlich zwanzig gebunkerte Flaschen Salatöl. Der Begriff kommt übrigens vom Pfadfinderspruch „Be prepared“ für „Sei bereit!“

Sagmermal so: Weil ich schon immer mein Brot selber backe, habe ich einen gewissen Mehlvorrat. Und überhaupt – unabhängig sein, einfach raus und am Waldrand biwakieren, das hat mir schon von Kindheit an Freude gemacht. Die Grenze zwischen Lust und Überlebenswahn ist offenbar fließend.

In etwas unangenehmer Erinnerung ist mir eine Artikelüberschrift zu Beginn der „Speiseölknappheit“: „Wir werden nicht verhungern!“, hieß es da. Der Verfasser hat’s einerseits richtig gemacht und das Aufmerksamkeits-Angst-Thema nach vorne geschrieben. Anderer- und wichtigerseits: Ohne Salatöl ist noch keiner verhungert. Mit Blick auf echte Kriegs- und Hungergebiete wirkt der Titel wie blanker Zynismus. Discounter-Fläche hier: 1000 Quadratmeter Minimum oder mehr als das Doppelte. Voller Lebensmittel. Aktuell teurer, aber mit etwas Bewusstsein – den Gefühlsball flach halten.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Bad Mergentheim

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