Frieden ist keine Garantie

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Sag mir, wo die Blumen sind...". In Igersheim findet seit vielen Jahren jeden Montag um 15 Uhr ein Ökumenisches Friedensgebet statt. Männer und vor allem Frauen beten für den Frieden. Manche von ihnen haben den Zweiten Weltkrieg als Kinder erlebt. Langsam gerät er in unserem Land in Vergessenheit - der Krieg und die damit verbundenen Grausamkeiten. Wir haben uns nach vielen Jahrzehnten an den Frieden gewöhnt - und für viele ist es unvorstellbar, dass mitten in Europa ein Krieg ausbrechen könnte. Aber das ist naiv. Der Frieden ist keine Garantie. Man muss wachsam bleiben. Beten. Nachdenken. Hoffen. Glauben. Lieben. Ein Lied kann dabei helfen. Oder ein Bild: Eine kleine Blume wächst aus einem Soldatenhelm. Darunter steht: "Sag mir, wo die Blumen sind..."

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Die Idee zu diesem Lied kam von einem Gedicht von Mikhail Sholokov "Und stille fließt der Don...". Der Amerikaner Pete Seeger schrieb daraus ein Anti-Kriegslied, Marlene Dietrich machte die deutsche Fassung bekannt: "Sag mir wo die Blumen sind/ wo sind sie geblieben?/ Sag mir wo die Blumen sind/ was ist gescheh'n?/ Sag mir wo die Blumen sind / Mädchen pflückten sie geschwind/ Wann wird man je versteh'n? / Wann wird man je versteh'n?"

Blumen blühen... Ein Bild des Friedens. Und Mädchen, unterwegs in grünen Sommerwiesen, man hört das Lachen, Blumenkränze werden gebunden und ins Haar gesteckt... Die Mädchen werden älter ... "Sag mir wo die Mädchen sind/ Männer nahmen sie geschwind..."

Der Kreis des Lebens. Feier des Lebens. Mann und Frau begegnen sich. Hohe Zeit. Hochzeit. Doch bedrohliche Wolken ziehen auf am Horizont. Blitzhochzeiten werden geschlossen. Geheiratet im Fronturlaub. Die Höfe ohne Männer. Die Familien ohne Vater.

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"Sag mir wo die Männer sind/ Zogen fort, der Krieg beginnt ..."

"Ab heute wird zurückgeschossen!" Es ist Krieg. Erste Erfolgsmeldungen. Eroberungen über Eroberungen. Die Wochenberichte sind voll davon. Erste Lügen, erste Verluste, erste Tränen. Und dann: millionenfaches Sterben, Verrecken auf den Schlachtfeldern. Von wegen Heldentod. Und fürs Vaterland. Für die wahnwitzigen Ideen eines Hitler, eines Göbbels, Göring und wie sie alle hießen.

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"Wollt ihr den totalen Krieg!?!" "Ja!" Dunkle Stunde im Berliner Sportpalast. Bombennächte auf die Zivilbevölkerung, massenhaft Flucht, Vertreibung... Massenfaches Morden in den Konzentrationslagern. Fünfeinhalb Jahre Zweiter Weltkrieg - eines der dunkelsten Kapitel der Menschheit.

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"Sag wo die Soldaten sind/ Über Gräbern weht der Wind ..."

Nie wieder soll das geschehen,und immer wieder geschieht es doch: Krieg. Wir Menschen vergessen zu schnell.

"Sag mir wo die Gräber sind/ Blumen weh'n im Sommerwind..."

Der Kreis schließt sich - neue Chance, neues Leben, neue Blumen und wieder Mädchen in Sommerwiesen, die sie pflücken,sich Blumenkränze binden und ins Haar stecken. Neue Chance zum Frieden.

"Wann wird man je versteh'n?/ Wann wird man je versteh'n?"

Der Frieden ist keine Garantie. Man muss wachsam bleiben. Beten. Nachdenken. Hoffen. Glauben. Lieben. Damit Frieden bleibt. Damit Frieden wird.

Herr, gib uns deinen Frieden.

Uwe Krauß, Pfarrer in Igersheim