IG Metall - Ortsvorstand Tauberbischofsheim, der Mitglieder im Main-Tauber-Kreis und im östlichen Neckar-Odenwald-Kreis vertritt, diskutierte über Tarifrunde Dauerhafte Beschäftigung mit einer 4-Tage-Woche sichern

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pm
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Bei einer virtuellen Sitzung des IG-Metall-Ortsvorstands Tauberbischofsheim wurde die Blockadehaltung der Arbeitgeber kritisiert. © dpa

Odenwald-Tauber. Der Ortsvorstand der IG Metall Tauberbischofsheim hat die aktuelle Tarifsituation in einer virtuellen Sitzung diskutiert. Die IG Metall Tauberbischofsheim vertritt Mitglieder in den Betrieben des Main-Tauber-Kreises und des östlichen Teils des Neckar-Odenwald-Kreises.

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Im November vergangenen Jahres hat die große Tarifkommission Baden-Württemberg die Forderung für die Tarifrunde 2021 beschlossen. Die IG Metall Baden-Württemberg fordert ein Zukunftspaket, in dessen Kern es darum geht, einen tariflichen Rahmen für optionale Modelle der Arbeitszeitabsenkung wie die 4-Tage-Woche mit Teillohnausgleich und Zukunftstarifverträge zu schaffen. Zur Stärkung der Einkommen und für die Finanzierung der Beschäftigungssicherung – wie den Teillohnausgleich bei Arbeitszeitabsenkung – wird ein Volumen von vier Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten gefordert. Auch tarifliche Regelungen zur Verbesserung der Ausbildung und des dualen Studiums, vor allem die unbefristete Übernahme der Ausgebildeten, sind Gegenstand der Gewerkschaftsforderung.

Harald Gans, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Tauberbischofsheim, fasst die Forderung wie folgt zusammen: „Die Jugend braucht eine gute Zukunft und alle Beschäftigten einen sicheren Arbeitsplatz und wo möglich mehr Geld. Nur so kommt die Wirtschaft wieder in Schwung.“

Die IG Metall begründet Höhe und Struktur der Forderungsempfehlung mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Auswirkungen der aktuellen Krise auf die Beschäftigung. Weiter sei zu berücksichtigen, dass die Entgelttabellen im März 2020 um weitere neun Monate fortgeschrieben wurden.

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Der private Verbrauch sei 2020 eingebrochen. Aus Sicht der IG Metall sei es dringend geboten, die Einkommen zu stabilisieren. Hinzu komme die Notwendigkeit, Maßnahmen der Sicherung von Beschäftigung und Ausbildung zu finanzieren.

Sabine Maurer, Betriebsratsvorsitzende von Magna in Assamstadt und Ortsvorstandsmitglied erklärte mit Blick auf die Beschäftigten: „Die Vier-Tage-Woche kann eine Antwort sein, um auf lange Sicht Beschäftigung zu sichern. Neben der Corona-Krise haben wir auch noch die digitale und ökologische Transformation in den nächsten Jahren zu bewältigen. Und diese findet unabhängig von der wirtschaftlichen Lage der Betriebe statt. Dieser Wandel kann allein mit Kurzarbeit nicht abgefedert werden. Da brauchen wir in den Betrieben bessere Instrumente, um die Beschäftigung zu halten.“

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In den ersten beiden Verhandlungen in Baden-Württemberg war es nicht möglich, sich anzunähern. Laut IG Metall sei das Gegenteil der Fall gewesen. Die Arbeitgeber rüsteten sich zum Angriff auf den Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg und forderten massive Verschlechterungen.

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Bodo Kaufmann, Betriebsratsvorsitzender bei Procter & Gamble in Walldürn und langjähriges Ortsvorstandsmitglied der IG Metall Tauberbischofsheim positioniert sich: „Die Arbeitgeber stehen in der Verpflichtung in der aktuellen Lage allen Beschäftigten eine sichere Zukunft mit einem starken Einkommen zu gewährleisten. Die Forderungen der Arbeitgeber, wie die Abschaffung der Alterssicherung, sind nicht akzeptabel. Außerdem kann und darf die Corona-Pandemie kein Grund für Entlassungen und Sparmaßnahmen auf Kosten der Arbeitnehmer sein. Wir bei P&G haben erst kürzlich die Weichen für unsere Belegschaft für eine sichere Zukunft gestellt. Weitere fünf Jahre Beschäftigungssicherung, Ausbildung von 20 Azubis jedes Jahr und die unbefristete Übernahme, übertarifliches Weihnachtsgeld.“

Die IG Metall Vertreter sind mit den ersten beiden Verhandlungen unzufrieden. „Wir sind entsetzt. Letztes Jahr hat die IG Metall durch Verzicht auf eine gewöhnliche Tarifrunde gezeigt, dass sie bereit war, die Krise gemeinsam zu bewältigen. Diese Bereitschaft vermissen wir bei den Arbeitgebern deutlich. Jetzt wären sie an der Reihe, auch einen Schritt auf die Beschäftigten zuzugehen. Stattdessen fordern Sie massive Verschlechterungen im Tarifvertrag. Sie kündigen damit das solidarische Handeln in der Krise auf“, fasst Harald Gans die Stimmung im Ortsvorstand und bei den Betriebsräten zusammen.

Die Gewerkschaftsvertreter, so das Resümee, hoffen auf Vernunft im Arbeitgeberlager, bereitet sich jedoch parallel auf eine scharfe Tarifrunde vor. pm