„Zukunft Karriere Digital“ - Erste virtuelle Ausbildungsmesse in der Region findet am 6. November unter der Schirmherrschaft von Landrat Reinhard Frank statt „Das Konzept passt in die heutige Zeit“

Landrat Reinhard Frank hat die Schirmherrschaft von „Zukunft Karriere Digital“ übernommen. Er ist überzeugt: „Unsere Region lebt von gut ausgebildeten jungen Menschen.“

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Elisa Katt
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Landrat Reinhard Frank. © Elisa Katt

Odenwald-Tauber. In einem Jahr, in dem persönliche Begegnungen kaum möglich sind, Unternehmen und zukünftige Azubis zusammenbringen: Das haben sich die Fränkischen Nachrichten zum Ziel gesetzt und veranstalten deshalb am Freitag, 6. November, „Zukunft Karriere Digital“ – die erste virtuelle Ausbildungsmesse im Main-Tauber-Kreis. Landrat Reinhard Frank erklärt im Interview, warum er die Schirmherrschaft übernommen hat, erinnert sich an seine eigene Jugend und betont immer wieder: „Unsere Region lebt von gut ausgebildeten jungen Menschen.“

Hintergrund: "Zukunft Karriere Digital"

  • Um Unternehmen, die auf der Suche nach Auszubildenden sind, eine Plattform zu bieten, veranstalten die Fränkischen Nachrichten am Freitag, 6. November, die virtuelle Ausbildungsmesse „Zukunft Karriere Digital“. Während Unternehmen und künftige Azubis auf der Plattform „Talentefinder“ in Kontakt treten, schalten die FN online eine ganze Bandbreite an Informationen frei.
  • Die Profile der Unternehmen gehen am 24. Oktober online, gleichzeitig veröffentlichen die FN als Print-Pendant einen Ausbilderkatalog.
  • Als Partner mit im Boot ist die Sparkasse Tauberfranken, unterstützt wird die Initiative von der IHK Heilbronn-Franken und der Agentur für Arbeit Schwäbisch-Hall-Tauberbischofsheim.
  • Für interessierte Ausbildungsbetriebe fand bereits vergangene Woche ein Webinar statt. Wegen großer Nachfrage wird dieses Info-Angebot am Freitag, 25. September, wiederholt. Von 9.30 bis 10.30 Uhr werden technische Fragen rund um die digitale Lehrstellenbörse geklärt.
  • Die Anmeldung ist online möglich. Weitere Informationen gibt es hier. eli
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Herr Frank, seit Jahren hört man, dass Unternehmen händeringend Nachwuchs suchen. Sie haben Mitte der 70er Jahre Ihren Abschluss gemacht. Waren junge Menschen damals auch schon so gefragt wie heute?

Landrat Reinhard Frank: Junge Menschen sind immer gefragt, zu allen Zeiten, weil sie die Zukunft der Gesellschaft darstellen. Aber das hat sich in der Tat gedreht. Wenn ich zurückdenke, hatte man damals auch schon wirtschaftliche Krisen, aber es gab keinen Fachkräftemangel. Es gab zwar Ausbildungsstellen, auf die man sich bewerben konnte, aber es waren andere Zeiten als heute, wo die Firmen händeringend nach jungen Menschen Ausschau halten. Damals haben viele Jugendliche einfach nach einem Ausbildungsplatz für ihre Zukunft gesucht.

Wie haben Sie und Ihre Mitschüler sich damals über mögliche Lehrstellen informiert?

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Frank: Bei mir war es mit der Information deshalb etwas einfacher, weil ich eigentlich schon lange den Berufswunsch gehegt habe, mal Bürgermeister zu werden. Es gab noch kein Internet, keine digitalen Medien oder Ausbildungsmessen in dem Sinne. Aber beim Arbeitsamt konnte man sich informieren, welche Berufe es gibt. Es gab damals auch noch nicht diese Vielzahl an Berufen. Heute hat man ja fast schon keinen Überblick mehr. Das macht einem manchmal, glaube ich, die Auswahl schwer.

Glauben Sie, dass die Corona-Krise dem Ausbildungsmarkt in der Region geschadet hat?

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Frank: Durch die Corona-Krise ist sicherlich die Arbeitslosigkeit insgesamt gestiegen. Für die jungen Menschen glaube ich nicht, dass sich ihre Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, verschlechtert hat. Es gibt Firmen, die aufgrund der wirtschaftlichen Situation weniger ausbilden. Aber es gibt umgekehrt auch Branchen, die durch Corona einen Zuwachs erfahren haben. Insofern wird es in einzelnen Branchen sicherlich schwieriger werden für Azubis, aber insgesamt verschlechtert sich ihre Situation dadurch nicht. Es gibt ja viele Bereiche – wenn ich an das Handwerk denke, die Pflege oder die EDV – wo nach wie vor enorm viele Fachkräfte gesucht werden und wo junge Leute nach wie vor tolle Chancen haben.

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Wie schätzen Sie insgesamt die wirtschaftliche Lage der Unternehmen hier im Main-Tauber-Kreis ein?

Frank: Wir sind im Main-Tauber-Kreis breit aufgestellt und damit ein Spiegel der bundesweiten Wirtschaft. Die Wirtschaft ist insgesamt betroffen, und zwar ganz erheblich, wie weltweit auch. Aber dank der aktuellen Politik, indem Kurzarbeit eingeführt und die Rettungsschirme aufgespannt wurden, halten sich die Einbrüche doch in Grenzen. Aber es wird sicherlich noch einige Jahre dauern, bis wir wieder das wirtschaftliche Niveau wie vor der Krise erreichen. Wobei es Hoffnung gibt, dass die Wirtschaft doch schneller wieder Fahrt aufnimmt, als ursprünglich befürchtet. Man darf nicht vergessen, dass es sich um den weltweit größten Wirtschaftseinbruch seit der Nachkriegszeit handelt. Der hat auch bei unseren Unternehmen Spuren hinterlassen.

Wegen der Pandemie mussten auch die Verwaltungen neue Wege gehen. Wie viel Ihrer Arbeit hat sich in den vergangenen Monaten in den virtuellen Raum verlagert?

Frank: Plötzlich musste alles digital funktionieren. Fraglos hat die Pandemie auch für unsere Verwaltung beim Thema Digitalisierung einen Schub verursacht. Wir haben wie viele andere Behörden und Unternehmen das Instrumentarium der Videokonferenz rauf und runter intensiv genutzt. Auch hausintern ist es zu einem gängigen Arbeitsmittel geworden. Man muss ja wirklich sagen, dass es Vorteile hat.

Wo sehen Sie diese?

Frank: Ein kleines Beispiel: Ich war erst vor kurzem beim Gruppenausschuss des Kommunalen Arbeitgeberverbands. Da kommen aus dem ganzen Land, von Konstanz bis Tauberbischofsheim, Vertreter nach Stuttgart. Sie fahren teilweise vier Stunden für eine Sitzung, die zwei Stunden dauert. Uns sind die Vorteile von Videokonferenzen bewusst geworden: Es ist effektiver, man gewinnt Zeit und tut etwas für die Umwelt. Natürlich ist der persönliche Austausch trotzdem notwendig. Aber ich glaube, es ist für die Arbeitswelt durchaus positiv.

Nun veranstalten die FN eine Ausbildungsmesse, die erstmals komplett in digitaler Form stattfindet. Was halten Sie von dem Konzept?

Frank: Ich bin hochgespannt, wie es ankommt. Der Austausch am Messestand, wo man vielleicht noch ein kleines Schokolädchen kriegt, hat natürlich eine andere Wertigkeit, als eine reine Begegnung am Bildschirm. Aber viele junge Leute sind durch soziale Medien schon digital vorbereitet und bewegen sich da viel selbstverständlicher als meine Generation. Sie wachsen damit auf. Der Boden ist auch durch den digitalen Unterricht geebnet. Ich glaube, das Konzept passt in die heutige Zeit.

Nimmt das Landratsamt selbst als Ausbilder an „Zukunft Karriere Digital“ teil?

Frank: Natürlich sind wir mit dabei. Wir haben ein ganz breites Portfolio an Berufen. Man sieht das von außen gar nicht so, aber es gibt keine Behörde, die so viele Berufsfelder unter ihrem Dach vereint, vom Vermesser über das Veterinäramt und den Naturschutz bis zum großen Sozialbereich. Das macht das Landratsamt so interessant für junge Menschen, denen wir viele Perspektiven bieten.

Wie viele Azubis hat das Landratsamt denn derzeit?

Frank: Ich staune selbst immer wieder: Wir haben aktuell 42 Auszubildende bei uns im Haus, das ist eine stolze Zahl. Wir haben in der Vergangenheit immer viel ausgebildet. Dieses Jahr haben wir wieder geplant, rund 20 Azubis und Studierende ins Haus zu holen. Wir leben von gut ausgebildeten jungen Menschen, die mit Begeisterung hier arbeiten.

Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, die Schirmherrschaft für „Zukunft Karriere Digital“ zu übernehmen?

Frank: Weil ich glaube – und nicht nur als Lippenbekenntnis – dass die Jugend unsere Zukunft ist. Gut ausgebildete Fachkräfte sind entscheidend für jedes Unternehmen. Wer nicht ausbildet, der verschläft seine Zukunft.

Wie profitiert die Region in Ihren Augen von der ersten digitalen Lehrstellenbörse?

Frank: Wir hatten ja sonst Präsenzveranstaltungen, die enorm nachgefragt waren. Die Jugendlichen sind zu Hunderten dorthin gepilgert und haben sich informiert. Nachdem das in diesem Jahr nicht möglich ist, ist die digitale Messe eine wichtige Orientierungshilfe für junge Menschen. Es gibt heute so viele ausdifferenzierte Berufe, die Jugendlichen werden schon fast von einem Überangebot erschlagen. Da das Richtige zu finden, ist gar nicht so einfach. Neben so einer Ausbildungsmesse sind in meinen Augen Praktika entscheidend, um in die Berufswelt hineinzuschnuppern. So eine Berufswahl ist ja – vielleicht neben der Heirat – eine der wichtigsten Entscheidungen, die man treffen muss. Und das in jungen Jahren und vor einem Überangebot an Möglichkeiten.

Sie sind selbst vierfacher Vater. Würden Sie Ihren Kindern die Teilnahme an „Zukunft Karriere Digital“ ans Herz legen?

Frank: Unbedingt. Zwei meiner Kinder gehen noch zur Schule. Bei ihnen steht diese Entscheidung demnächst an. Der Große hat schon hier und da ein Praktikum gemacht, aber ich würde ihnen auf jeden Fall empfehlen, einfach mal rein zu hören und mitzumachen. Es ist ganz wichtig, sich frühzeitig zu informieren. Als Eltern möchte man natürlich, dass die Kinder einen Beruf wählen, der sie langfristig tragen kann. Aber ich sage immer: Wenn Du etwas mit Begeisterung machst, dann machst Du es auch gut, und machst Deinen Weg, egal in welcher Branche.

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Elisa Katt
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