„SchuleWirtschaft“ Main-Tauber-Kreis - Die Vorsitzenden Marcus Wirthwein und Denise Voit äußern sich zur Zukunft des Netzwerks Bildung und Gewerbe enger verzahnen

Von 
Gabriel Schwab
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Projektor und Tafel: Der Unterricht an Baden-Württembergs Schulen findet immer noch hauptsächlich „analog“ statt. © DPA/Uli Deck/Wirthwein AG

Main-Tauber-Kreis. Marcus Wirthwein, Vorstand der gleichnamigen AG, übernimmt den Vorsitz des Netzwerks „SchuleWirtschaft“ zu einem spannenden Zeitpunkt. „Mein Hauptaugenmerk ist die Digitalisierung“, verrät er im Gespräch mit den FN. Als Unternehmer, aber auch als Familienvater, weiß er um die Defizite, die die Schulen in diesem Zusammenhang haben.

Schüler auf die sich schnell verändernde Welt vorbereiten

Das Netzwerk „SchuleWirtschaft“ wird getragen von den Arbeitgebern Baden-Württembergs in Kooperation mit dem Kultusministerium.

Regional ist es in verschiedene Arbeitskreise unterteilt, so auch im Main-Tauber-Kreis.

Innerhalb dieser Arbeitskreise gibt es einen Vorsitzenden aus der Wirtschaft und einen aus dem Bildungsbereich.

Im Fall des Main-Tauber-Kreises übernahm Marcus Wirthwein (Vorstand Wirthwein AG) den Vorsitz am 12. Oktober von Gerd Seitz (Michael Weinig AG).

Sein schulisches Pendant ist Denise Voit (Kopernikus-Realschule), die den Vorsitz in diesem Jahr von Karin Endres (ehemals Lorenz-Fries-Schule) übernahm.

Die Zielsetzung von „SchuleWirtschaft“, so das Bildungsministerium im Code of Conduct (Verhaltensregeln) ist, „die Schüler auf die sich schnell verändernde Welt und die damit verbundenen Herausforderungen“ vorzubereiten.

Die Umsetzung könne etwa durch „Entwicklung und Bereitstellung von qualitativ hochwertigen Lehr- und Lernmaterialien“, Experten im Unterricht sowie die Durchführung von Betriebserkundungen und Betriebspraktika“ erfolgen. gs

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Wie Studien und Befragungen zeigen, wurden die Mängel unter dem Brennglas der Pandemie noch deutlicher. In einer Studie des Münchener Ifo-Instituts gab fast die Hälfte der Eltern an, ihr Kind habe nie Online-Unterricht gehabt. Bei einer repräsentativen Befragung durch den Digitalbranchenverband Bitkom geben sie Schulen im Durchschnitt die Note „mangelhaft“ bei der Frage, wie sie die Vorbereitungen auf einen „möglichen neuen Lockdown“ mit Blick auf die Aufrechterhaltung des Unterrichts beurteilen.

Denise Voit, Wirthweins schulisches Pendant bei „SchuleWirtschaft“ (das Netzwerk hat immer einen Vorsitzenden aus dem Wirtschafts- und einen aus dem Bildungssektor) geht mit den Schulen nicht so hart ins Gericht. Doch erklärt die Konrektorin der Kopernikus-Realschule gegenüber dieser Zeitung, dass auch sie einen Schritt weiter gehen will, als es das Netzwerk bisher getan hat. Bisher konzentrierten sich seine Aktivitäten im Main-Tauber-Kreis auf Werksbesichtigungen und Informationsveranstaltungen. Die Kommunikation zwischen Schule und Wirtschaft – gerade im Hinblick auf die jeweilige Expertise und die jeweiligen Bedürfnisse – will sie über punktuelle Veranstaltungen hinaus enger verzahnt sehen. Damit äußert sie einen Standpunkt, den auch Marcus Wirthwein vertritt. Während Voit die Schulen in Zukunft etwa als ständiger Ansprechpartner in pädagogischen Fragen sieht, kann Wirthwein (kleines Bild) sich vorstellen, Lehrkräfte von dem IT-Wissen der Unternehmen profitieren zu lassen. „Es kann nicht sein, dass es ein Glücksgriff ist, ob es an der Schule jemanden gibt, der sich mit Computern auskennt“, sagt er. Einen gewissen Standard setzt er nicht nur im Wissen um PC und Software voraus, sondern auch bei der Verfügbarkeit.

Förderung vereinfacht

Das wiederum liegt aber hauptsächlich in der Hand der Landes- und Bundesregierung. Zwar stellt der Bund mit dem „Digitalpakt Schule“ einen Milliardenetat zur Verfügung. Abgerufen werden diese Gelder aber nur langsam (die FN berichteten). Stefanie Hubig, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, sagte bei einer digitalen Pressekonferenz am Freitag, dass mittlerweile Gelder in Höhe von rund 680 Millionen Euro bewilligt worden seien. Voraussetzung für eine Förderung ist, dass die Bildungseinrichtungen ein höchstbürokratisches Medienkonzept erstellen. Dieses muss mittlerweile wenigstens nicht mehr im Vorfeld eingereicht, sondern darf auch erst bei Abschluss einer Investitionsmaßnahme vorgelegt werden.

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Marcus Wirthwein sieht es nun als eine der Stärken von „SchuleWirtschaft“, dass die beiden Partner hier gemeinsam auf die Bildungspolitik zugehen können: „Dazu dienen ja Netzwerke mitunter. Mit ihnen lässt sich eine geballtere Kraft entwickeln.“

Engere Verzahnung der Institutionen, Bedürfnisse kommunizieren, von Expertise profitieren lassen: In diesen drei Punkten überschneiden sich die Zielsetzungen von Konrektorin Denise Voit und AG-Vorstand Marcus Wirthwein.

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Wie das in der Praxis gelingen kann, das war unter anderem Thema bei einem Treffen am Montag. Hier kamen die schulischen und wirtschaftlichen Vertreter des Netzwerks zusammen, um über genau diese Themen zu sprechen. Wirthwein wird an diesem Tag den Staffelstab des bisherigen Vorsitzenden Gerd Seitz (Michael Weinig AG) übernehmen. Wenn es nach Marcus Wirthwein geht, soll es in Zukunft öfter Treffen zwischen Vertretern von Wirtschaft und Schule geben. „Die dürfen von mir aus auch gerne digital stattfinden“, sagt er.