Bürgerinitiative Heilbronn-Franken - 18. Regionaltafel befasst sich mit regionalen Effekten an Hochschulen Bildung ist Rohstoff der Zukunft

Von 
Werner Palmert
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Mit dem Thema „Regionale Effekte von Hochschulen“ beschäftigte sich die Diskussionsrunde mit der Rektorin der DHBW, Professor Dr. Nicole Graf, Masterstudentin Elsa Strecker, dem Rektor der Hochschule Heilbronn, Professor Dr. Oliver Lenzen, der Personalleiterin der Adolf Würth GmbH & Co. KG, Carmen Hilkert, und dem Dekan der TUM School of Management der Technischen Universität München, Professor Dr. Gunther Friedl (von links). Die Moderation hatte Uwe Ralf Heer (links). © Werner Palmert

Im Mittelpunkt der 18. Regionaltafel der Bürgerinitiative „pro Region Heilbronn-Franken“ stand ein Vortrag von Professor Reinhold Geilsdörfer zum Thema „Regionale Effekte von Hochschulen“.

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Heilbronn. Mit den Ausführungen von Reinhold Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter-Schwarz-Stiftung, beschäftigte sich auch die anschließende Podiumsdiskussion in der Aula des Bildungscampus der Hochschule Heilbronn. Die Förderung von Bildung und Wissenschaft seien die sinnvollste Investition in die Zukunft. An diesem Leitgedanken werde die Dieter-Schwarz-Stiftung auch bei ihren künftigen Bestrebungen für den Ausbau der Hochschulstadt Heilbronn zur Universitätsstadt, festhalten, denn „Bildung ist der Rohstoff der Zukunft“, so Geilsdörfer.

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Jochen K. Kübler, bezeichnete die immense finanzielle Unterstützung der heimischen Wirtschaft als „Paradebeispiel für bürgerschaftliches Engagement“. Ohne die beachtlichen Mittel von Unternehmen wie Würth, SAP, der Dietmar-Hopp-Stiftung oder der Dieter Schwarz-Stiftung sei das bisher Erreichte nicht möglich. Kübler sieht aber auch noch „Luft nach oben“.

Anhand mehrerer Fakten nannte Geilsdörfer die positiven Auswirkungen und die Strahlkraft des Hochschulstandorts Heilbronn auf die gesamte Region. Neben den gesellschaftlichen und politischen Aktivitäten durch die Hochschule und ihre Studierenden seien auch beachtliche Effekte auf der Nachfrageseite nach Gütern, Dienstleistungen und Mitarbeitern zu spüren. Dies habe unmittelbaren Einfluss auf die Wertschöpfung, auf die Beschäftigung und damit auf die allgemeinen Steuereinnahmen.

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Auf der Angebotsseite entstünden Effekte wie Forschung und Lehre. Daraus generieren sich Wissen und steigende Produktivität sowie ein langfristiger positiver Einfluss auf das Wirtschaftswachstum. Eine Fraunhofer-Studie zeige positive Effekte regionaler Hochschulstandorte in ganz Deutschland. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) steige pro Kopf um 4500 Euro, die Arbeitslosenquote sinke um 3,1 Prozent und das Patentaufkommen in dieser Region lege um 13 Prozent zu. Die große ökonomische Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der Region liege auf der Hand.

Am Beispiel des relativ jungen Hochschulstandorts Garching machte Geilsdörfer deutlich, welche Auswirkungen das dort angesiedelte naturwissenschaftlich-technische Zentrum der Technischen Universität München hervorgerufen hat. Mit über 12 000 Studierenden an fünf Fakultäten ist der Campus mittlerweile der größte aller TUM-Standorte. Die Zahl der Forschungseinrichtungen wächst ständig und wird durch Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen bekannter Technologiefirmen noch aufgewertet. Die Einwohnerzahl der kleinen Gemeinde stieg von 1980 bis 2018 um 7500 Personen auf heute 18 600 Einwohner.

Gute Vernetzung

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Weniger erfreuliche Zahlen konnte Geilsdörfer beim Blick auf die Studierendendichte liefern. Die Region liegt hier auf dem vorletzten Platz. Nur die Region Nordschwarzwald ist noch schlechter. Dagegen kann sich die Region über ihre nationale und internationale Vernetzung durchaus sichtbar machen. National arbeitet die Hochschule Heilbronn mit den Universitäten Heidelberg und Mannheim, der Hertie School in Berlin, der Technischen Universität München der Viadrina in Frankfurt/Oder und anderen Forschungseinrichtungen zusammen. International werden Kooperationen mit den Universitäten in Oxford und Stanford gepflegt. Beim Blick in die Zukunft sieht Geilsdörfer 10 000 Studierende bis zum Jahr 2020 in Heilbronn.

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In der anschließenden Diskussionsrunde wurden die digitale Transformation und die Qualifizierung des Führungskräftepersonals für als die großen Herausforderungen genannt. Im Bemühen um die Gewinnung weiterer Fachkräfte wird die Hochschule, an der zur Zeit Studenten aus 90 verschiedenen Nationen eingeschrieben sind, auch den Fokus auf die sich verändernden Wertvorstellungen der jungen Studenten richten. Es zeichne sich ab, dass die künftigen Mitarbeiter stärker als bisher auf ein ausbalanciertes Arbeitszeitkonto achten werden.

Die Zeiten des „Law and Order-Denkens“ gehören der Vergangenheit an, so Hochschulrektor Professor Dr. Oliver Lenzen. Insgesamt wurde die regionale Strahlkraft und die Anziehungskraft der Hochschulstadt Heilbronn verbessert und man sieht sich in Richtung Universitätsstadt gut aufgestellt.