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Jüdische Geschichte - Mikwe soll musealer Bestandteil eines möglichen Bürgertreffs werden

Arbeitsgruppe stellt Konzept vor

Von 
Hans-Peter Wagner
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Das Haus, in dem sich die Mikwe befindet, erscheint derzeit in einem recht desolaten Zustand. © Hans-Peter Wagner

Nur noch weniges erinnert in der Brunnenstadt an die reichhaltige Geschichte Külsheimer Juden. Die Mikwe ist eine dieser augenfällig vorhandenen Denkmale.

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Külsheim. Eine Mikwe ist ein jüdisches Ritualbad und bildet neben der Synagoge und dem Friedhof einen der wichtigsten Bausteine des Judentums. Glaubensanhänger suchen das Bad auf, um sich dort religiös zu reinigen. Durch die zahlreich verloren gegangenen Kulturgüter jüdischen Lebens lassen sich nur noch selten solche baulichen Spuren des Judentums im heutigen Deutschland finden. Umso mehr wird versucht, jene Baulichkeiten zu schützen.

In Külsheim hat sich eine „Arbeitsgruppe Mikwe Külsheim“ gebildet, deren gemeinsames Ziel es ist, die Mikwe in Külsheim zu erhalten und ihre derzeit eher versteckte Existenz mehr in die Öffentlichkeit zu rücken. Der Arbeitsgruppe gehören Alfred Bauch, Klaus Wolpert, Professor Dr. Ulrich Weber und Henrik Münch an. Letzterer hat aktuell am Ende seines Masterstudiums eine wissenschaftliche Arbeit verfasst mit dem Titel „Architektur und Erhaltung eines jüdischen Ritualbades – Haus der Mikwe – Külsheim“.

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pm
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Die Geschichte der jüdischen Gemeinde ist beinahe so alt wie die der Stadt Külsheim selbst. Bereits 1378 wird die jüdische Gemeinde in einer Urkunde erwähnt. Getreu der Thora sollte jede jüdische Gemeinde neben einem Gebetsraum und einem Friedhof außerdem eine Mikwe besitzen. Das älteste erhaltene Grab auf dem jüdischen Friedhof in Külsheim datiert aus dem Jahre 1646, die Synagoge wurde 1796 eingeweiht. Spätestens ab diesem Zeitpunkt gab es in Külsheim eine Mikwe.

Natürliches Wasser

Ausschließlich „reine“ Personen dürfen im Judentum ohne Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Durch das Ritual des Bades wird der hohe Wert des jüdisch-religiösen Gesetzes der „Reinheit“ unterstrichen. Die Külsheimer Juden waren traditionelle Juden und haben ihre Rituale gepflegt. Zu diesen Ritualen gehört auch die Nutzung des Ritualbades Mikwe. Wichtig für die Nutzung der Mikwe ist „natürliches“ Wasser.

Die jüdische Gemeinde in Külsheim machte sich den Quellwasserreichtum der Umgebung zunutze. An dem in die Stadt einfließenden Frankenbrückengraben waren alle Voraussetzungen für ein reines Bad erfüllt. Es ist darauf zu achten, dass der Körper völlig untertaucht, um die Unreinheit fort zu waschen. Als rituelles Tauchbad ist die Mikwe primär ein Ort der religiösen Reinigung, nicht der Hygiene oder Körperpflege. Die körperliche Reinigung wurde in Külsheim in einem der Mikwe anliegenden Gebäude durchführt.

Das Külsheimer Ritualbad folgt architektonisch und baugeschichtlich dem typischen Muster einer eu-ropäischen Kellermikwe des 16. und 17. Jahrhunderts. Zur Külsheimer Mikwe selbst gibt es keine Überlieferung, die einen Hinweis auf ihr Erbauungsjahr geben könnte. Erste textliche Erwähnungen haben sich aus dem Jahr 1815 erhalten. Die Fliesen des Beckens sind auf den Zeitraum von 1900 bis 1930 datiert. Demnach wurde das Tauchbecken möglicherweise in diesem Zeitraum renoviert.

Besitzer 1936 ausgewandert

Als letzte jüdische Eigentümer des betreffenden Anwesens wird die Familie Held genannt. Diese wan-derte 1936 nach Palästina aus. Anfang 1936 hatte ein Nachbar die beiden Gebäude erworben, welche 1938 auf Geheiß des damaligen Bürgermeisters abgerissen werden mussten. Auf den Grundmauern des Wohnhauses errichtete man hälftig die heutige Scheune, auf denen des Anbaus einen kleinen Schuppen, der wiederum etwa 2005 abgebrochen wurde.

1950 setzte eine Wiedergutmachungsbemühung ein. Die „Jewish Restitution Successor Organization“ (JRSO) versuchte immer wieder, für die Immobilie Schadenersatzansprüche für die jüdische Gemeinde geltend zu machen. Eine Anklage wurde fallen gelassen. Von 1951 bis 1953 ist die JRSO als Eigentümerin aufgeführt. Danach ging das Anwesen in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über. Seit dem Jahr 2006 gehört das Haus der Mikwe der Stadt Külsheim.

Von dem ursprünglichen Gebäude sind neben dem rituellen Tauchbecken nur noch Teile des alten Mauerwerks erhalten. Das Gebäude wird aktuell nicht genutzt. Die baulichen Überreste der Mikwe stehen wegen wissenschaftlicher und heimatgeschichtlicher Gründe unter Denkmalschutz.

Die „Arbeitsgruppe Mikwe Külsheim“ stellt ihre Gedanken über eine mögliche Zukunft der Mikwe und des Bereiches in der Nähe in Kürze vor. Man spricht von „touristischer Sehenswürdigkeit“ und von einem „Bürgerhof“ als Treffpunkt von Bürgern Külsheims und jener von außerhalb. Die Vorstellung des Konzeopts findet am Donnerstag, 30. Juni, um 19.30 Uhr im Alten Rathaus statt.

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