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Mobilfunkausbau - EnBW will passive Mobilfunkinfrastruktur ausbauen und eine integrierte kommunale Mobilfunkplanung entwickeln Agieren und nicht nur reagieren

Den Mobilfunkausbau im Main-Tauber-Kreis und das Projekt PowerCo der EnBW stellte Dezernent Jochen Müssig in der jüngsten Kreistagssitzung vor.

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Heike von Brandenstein
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Main-Tauber-Kreis. Funklöcher sind im Main-Tauber-Kreis keine Seltenheit. Der langjährige Kreisrat Urban Lanig hatte das in den vergangenen Jahren immer wieder moniert und mit Blick auf das Rettungswesen für eine Verbesserung plädiert. Doch die ist – auch wegen der geografischen Voraussetzungen mit tiefen Tälern in hügeliger Landschaft – nicht so einfach umzusetzen.

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Der Mobilfunkausbau war Thema im Kreistag. © v. Brandenstein

Die Telekom hat kreisweit 54 Standorte für die Mobilfunkversorgung, Vodafone 59 und Telefónica 55. Jede dieser Gesellschaften rüstete im vergangenen Jahr zudem auf und plant weitere Verbesserungen. Die Telekom will im laufenden Jahr insgesamt 29 neue Standorte aufbauen. Außerdem ist das Unternehmen ATC Germany im Landkreis unterwegs, bildet Suchkreise und ermittelt Mobilfunkstandorte. Als weiteren Partner für den zügigen Mobilfunkausbau steht dem Landkreis nunmehr die EnBW zur Verfügung.

Strommasten als Standorte

Jochen Müssig berichtete vom Aufbau einer passiven Mobilfunkinfrastruktur, wofür der Main-Tauber-Kreis als Pilotprojekt vorgesehen ist. Dabei prüft die EnBW in der ersten Phase, ob sich eine eigene Liegenschaft des Konzerns, wie etwa Strommasten, Umspannwerke oder Gebäude, als Standorte für Mobilfunkantennen eignen. Landesweit verfügt die EnBW über rund 670 solch möglicher Entwicklungspunkte. Diese Standorte werden dann mit den Mobilfunkbetreibern abgestimmt, die für die aktive Infrastruktur sorgen.

In der zweiten Phase geht es um die integrierte kommunale Mobilfunkentwicklung. Dabei nutzt die EnBW die Kenntnis über die vorhandenen weißen Flecken, identifiziert Funklöcher und definiert gemeinsam mit den jeweiligen Kommunen Flächen für Antennen. Dieses Grobkonzept wird mit den Mobilfunkanbietern abgestimmt.

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Gemeinden bestimmen mit

Als Vorteil dieser Herangehensweise stellte Müssig die Mitbestimmung der Gemeinden dar. Sie hätten Einfluss, wo auf ihrer Gemarkung die Mobilfunkinfrastruktur entsteht. EnBW und Kommunen loten im nächsten Schritt gemeinsam bei den Mobilfunkunternehmen das Interesse am Aufbau der aktiven Mobilfunkinfrastruktur aus. „Das bedeutet zu agieren, anstatt nur zu reagieren“, so Jochen Müssig.

Weiße Flecken schließen

Das Mobilfunkförderprogramm des Bundes will die EnBW nutzen, um die passive Mobilfunkinfrastruktur auszubauen. Dieses Programm mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro wird von der Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft, die im Januar ihre Arbeit in Naumburg aufnahm, umgesetzt.

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Ziel ist es, dort, wo die Mobilfunknetzbetreiber nicht privat ausbauen und keine Versorgungsauflagen bestehen, die sogenannten weißen Flecken in enger Einbindung von Unternehmen und Kommunen zu beseitigen und so für eine flächendeckende Versorgung mit mindestens 4G zu sorgen.

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Bürger einbeziehen

Andreas Lehr (CDU) berichtete von einer gewissen Skepsis vor Ort, wie man beim Mobilfunkstandort in Stuppach gesehen habe. Er mahnte, mit Sorgfalt an die Standortsuche zu gehen und Ortschaftsräte und Bürger einzubeziehen aber auch regionale Anbieter, wie das Stadtwerk Tauberfranken und die Stadtwerke Wertheim für die regionale Wertschöpfung mit einzubeziehen.

Elmar Haas (Freie Wähler) begrüßte den Ansatz zum Mobilfunkausbau ebenso wie Ute Schindler-Neidlein für die SPD. Christian Kremer (Freie Wähler) merkte an, dass die vielen Tiefflugzonen der Bundeswehr im Main-Tauber-Kreis die Suche nach Mobilfunkstandorten erschwerten. Hier müsse das Gespräch mit der Bundeswehr gesucht werden.

AfD sieht Gefahr bei Funkwellen

Aus einer Schrift „Auswirkung von 5G auf die menschliche Gesundheit“ des Wissenschaftlichen Diensts des Europäischen Parlaments zitierte Dr. Christina Baum (AfD). Dabei ging es um die noch nicht vollständig geklärte Gefahr und Dauerauswirkung von Funkwellen. Weil sich diesen niemand entziehen könne und die Folgen nicht absehbar seien, stimme die AfD nicht zu.

„Da ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig“, meinte Thomas Schreglmann. 5G sei auch im Niedrigfrequenzbereich möglich. Gerade im ländlichen Raum werde nicht mit Hochfrequenz gearbeitet. Er wies auch darauf hin, dass UMTS am 30. Juni abgestellt werde.

Absichtserklärung

Bei zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen stimmte der Kreistag der Absichtserklärung zu, den Main-Tauber-Kreis gemeinsam mit der EnBW zum Pilotlandkreis für eine integrierte kommunale Mobilfunkplanung zu entwickeln.

Redaktion Zuständig für die Kreisberichterstattung Main-Tauber