Beruf - Eigenes Digitalunternehmen bedarf gründlicher Vorbereitung und rechtlicher Kenntnisse Langer Atem für Online-Business

Von 
Sabine Meuter
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Um seine Produkte im Netz erfolgreich zu verkaufen, sind gute Fotos und möglichst viele Detailinformationen nötig. © Christin Klose/dpa

Berlin/München. Egal, ob es etwa um raffinierte Torten, effektive Fitnessvideos, ausgefallene Klöppeleien oder anderes aus eigener Produktion geht – schnell fällt der Satz: „Du kannst das ja im Internet verkaufen.“ Manch einer denkt tatsächlich darüber nach, Geld mit einem Online-Business zu verdienen.

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Doch über eines müssen sich Händler in spe von vornherein im Klaren sein: „Ein Online-Business lässt sich in aller Regel nicht einfach so nebenher machen“, sagt Florian Lange, Referent für Handel und Logistik beim Digitalverband Bitkom in Berlin. Das Vorhaben ist zeitintensiv – und es braucht eine wohlüberlegte Eintrittsstrategie. Das heißt, man muss sich überlegen: Welche Zielgruppen möchte ich erreichen? Welche Kanäle bieten sich hierbei an? Bei Letzterem gibt es mehrere Optionen. Der Anfang kann etwa eine niederschwellige Kleinanzeige sein. „Auch Plattformen bieten gute Vertriebsmöglichkeiten für private Händler“, erklärt Lange. Es gibt nicht nur allgemeine Allrounder, sondern auch spezialisierte Plattformen, die sich zum Beispiel auf Handgemachtes fokussieren. Auch über Social Media lässt sich gut Werbung in eigener Sache machen. „Nahezu alles lässt sich verkaufen“, so Lange. Wichtig sind gute Fotos und möglichst viele Detailinformationen zum Produkt.

Lange rät, sich zunächst auf einen kleinen Produkt-Stamm zu konzentrieren. „Wer zu früh zu viel will, kann sich schnell vergaloppieren, und das Geschäft gerät ins Wanken“, betont der Bitkom-Experte. Erst wenn sich zeigt, dass bestimmte Erzeugnisse oder Dienstleistungen gut laufen, sollte man sein Angebot schrittweise erweitern.

Man kann sich eine eigene Webseite zulegen oder einen Online-Shop einrichten. Es gilt: „Alle, die ein Online-Business aufbauen, müssen sich zwingend mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen vertraut machen“, betont Ulrike Regele vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin.

Impressum auf Webseite nötig

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Man kann nicht einfach zum Beispiel mit Spielzeug handeln, wie Regele sagt. „Solche, aber auch andere Erzeugnisse müssen bestimmte Sicherheitsanforderungen erfüllen, also produktsicher sein.“ Wer etwa über Ebay oder Zalando Produkte oder Dienstleistungen vertreibt, sollte sich unbedingt mit den Rechten und Pflichten der jeweiligen Plattform befassen.

Auch beim eigenen Online-Shop ist Vorsicht geboten. Beim Einrichten eines solchen Shops können einem schwerwiegende Fehler unterlaufen. So muss zum Beispiel das Impressum vollständig und rechtssicher formuliert, Widerrufsfristen müssen korrekt angegeben sein.

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Andernfalls riskiert der Shop-Betreiber, es mit einem Abmahn-Anwalt zu tun zu bekommen, wie Regele sagt. Das kann nervenaufreibend und teuer werden. Um solche und andere Fehler zu vermeiden, sollten alle, die sich ein Online-Business aufbauen möchten, beraten lassen. Anlaufstelle kann etwa die IHK sein.

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Auch aus Sicht des Verbands der Gründer und Selbständigen Deutschland (VGSD) in München macht es Sinn, sich vor dem Start eines Online-Business von professioneller Seite Tipps zu holen. „Für das Einrichten eines Shops hat man am besten jemanden an der Seite, der sich auskennt, auch in technischer Hinsicht“, sagt der VGSD-Vorsitzende Andreas Lutz. „Das geht schneller, als wenn man versucht, sich selbst alles beizubringen.“

Wer ein Online-Business hat, muss sich mit dem Thema Datenschutz auseinandersetzen. Kunden müssen zu Beginn des Nutzungsvorgangs über die Art, den Umfang und den Zweck der Datenerhebung und -verwendung informiert werden. „Dies muss von Kundenseite jederzeit widerrufbar sein“, erklärt Regele. Online-Shop-Betreiber sollten sich die ausdrückliche Erlaubnis des Kunden einholen, wenn sie dessen Mailadresse etwa dazu nutzen, ihm einen Newsletter zu schicken. Kunden sollten außerdem die Möglichkeit haben, vor Abschluss des Bestellvorgangs ein Häkchen für ihre Einwilligung setzen. „Zudem muss eine Verbraucher-Schlichtungsstelle auf der Webseite des Unternehmens anklickbar sein“, so Regele.

Konkurrenz beobachten

Ebenfalls wichtig: „Immer ein Auge auf die Konkurrenz haben“, rät Lange. Eine regelmäßige Markt-Analyse ist das A & O, um auch langfristig erfolgreich zu bleiben. Was kann ich besser als andere? Was läuft gerade nicht so gut und wie kann ich gegensteuern? Läuft der Verkauf gut, sollte man frühzeitig Aufgaben delegieren, um sich selbst nicht zu verausgaben. „Dann ist es gut, zwei bis drei Leute an seiner Seite zu haben“, so Lange.

Viele fragen sich auch, wie sie überhaupt an Kunden kommen. Eine Option: Über Google, Facebook & Co. Werbung schalten. Das kostet zwar Geld, kann sich aber unter dem Strich bezahlt machen.

Es gibt aber auch eine kostenlose Variante: über Social-Media-Kanäle. Dort sind Millionen von Nutzern zu finden, die klar und deutlich posten, für was konkret sie zu begeistern sind – Online-Verkäufer haben hier daher gute Möglichkeiten, potenzielle Kunden zielgenau zu kontaktieren. dpa