Steigender Eigenanteil bei Pflegeheimkosten: Das sind mögliche Pflegeheim-Alternativen

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Viele ältere Menschen ziehen die Pflege zu Hause einer Heimbetreuung vor. © pixabay.com © sabinevanerp (CCO Creative Commons)

Wenn eine Person in einem Pflegeheim untergebracht werden muss, stellen sich gerade den Angehörigen regelmäßig viele Fragen. Eine der drängendsten betrifft die Kosten für die Betreuung in einem Heim: Zwar ist klar, dass die professionelle Rundumversorgung in Pflegeheim ihren Preis hat. Gleichzeitig ist oft aber unklar, wofür die monatlichen Kosten überhaupt anfallen und wie sie finanziell gestemmt werden sollen. Bekannt ist nämlich: Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen für eine Betreuung im Pflegeheim aufwenden müssen, steigt stetig. Nicht zuletzt deshalb stellt sich vielen heute die Frage nach einer passenden Alternative. 

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Pflegebedürftigkeit als finanzielle Herausforderung

In Deutschland kann Pflegebedürftigkeit zu einer echten finanziellen Belastung für Betroffene und ihre Angehörigen werden. Das gilt ganz besonders in Baden-Württemberg. Schließlich ist der Eigenanteil, den Pflegebedürftige für eine Heimbetreuung aufbringen müssen, hier im bundesweiten Vergleich besonders hoch. 

Selbstverständlich wünschen sich Senioren hier – wie wohl überall –, noch bis ins hohe Alter fit und leistungsfähig zu bleiben. Wird eines Tages aber doch eine Heimbetreuung notwendig, möchten sie nicht auf besondere Sozialleistungen angewiesen sein oder die Familie finanziell belasten. Allerdings gelingt in vielen Fällen genau das nicht: Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung im Krankheitsfall übernimmt die Pflegeversicherung nämlich nicht die gesamten Kosten einer Pflegeheimbetreuung. Sie leistet lediglich einen Zuschuss. Kann der Pflegebedürftige den verbleibenden Eigenanteil nicht aus eigener finanzieller Kraft aufbringen, muss er von seinen Angehörigen übernommen werden. Viele Familien bringt die Betreuung eines Angehörigen so in finanzielle Bedrängnis. Jedoch gibt es oft erschwinglichere Alternativen zur klassischen Betreuung in einem Pflegeheim, die alle Beteiligten zufriedenstellen.

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Welche Kosten fallen für eine Unterbringung im Pflegeheim an?

Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige für eine Heimunterbringung aufbringen müssen, steigt stetig an. Zwar gibt es politische Bestrebungen, die Zuzahlung auf 700 Euro monatlich zu begrenzen. Aktuell handelt es sich hierbei aber lediglich um Überlegungen, die den konkret Betroffenen (noch) nicht weiterhelfen. Vielmehr müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen aktuell für eine Pflegeheimunterbringung noch durchschnittlich 2.015 Euro monatlich aufbringen. Eine finanzielle Belastung, die für viele nicht leicht zu stemmen ist.

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Die hohen Kosten für eine Heimbetreuung setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen. Insbesondere fallen sie für

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  • Betreuung und Pflege
  • Unterkunft und Verpflegung sowie für
  • Investitionskosten

an. Zusätzlich zu diesen Hauptkostenpunkten können Ausbildungsumlagen oder Zusatzleistungskosten anfallen.

Einen Teil der insgesamt anfallenden Heimpflegekosten übernimmt regelmäßig die Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen. Wie hoch der von der Pflegeversicherung geleistete Zuschuss konkret ist, hängt vom festgelegten Pflegegrad der pflegebedürftigen Person ab.

Gestaffelt nach dem Pflegegrad beträgt der Pflegeversicherungszuschuss zur Heimbetreuung:

  • 125 Euro bei Pflegegrad 1
  • 770 Euro bei Pflegegrad 2
  • 1.262 Euro bei Pflegegrad 3
  • 1.775 Euro bei Pflegegrad 4
  • 2.005 Euro bei Pflegegrad 5

Die tatsächlich für die Heimbetreuung anfallenden Kosten übersteigen den Betrag des Pflegeversicherungszuschusses regelmäßig deutlich. Sie unterscheiden sich auch zwischen den Bundesländern und sind gerade in Baden-Württemberg besonders hoch. Wie bereits dargestellt, beträgt der durchschnittliche Eigenanteil rund 2.000 Euro pro Monat.

Oft kann der Eigenanteil nicht aus eigener Tasche gezahlt werden

Der Eigenanteil, den Pflegebedürftige für eine Betreuung im Pflegeheim zuzahlen müssen, kann beträchtlich sein. Oft kommt es vor, dass das vorhandene Vermögen des Pflegebedürftigen nicht genügt, um die Kosten zu tragen. Ist das der Fall, kann zur Finanzierung der Heimkosten die sogenannte „Hilfe zur Pflege“ beim zuständigen Sozialamt beantragt werden. Das Amt übernimmt dann den Eigenanteil, sofern die Angehörigen des Pflegebedürftigen nicht vorrangig unterhaltspflichtig sind.

Alternativen zu einer Heimbetreuung

Viele Pflegebedürftige wünschen sich ohnehin, in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und so weit wie möglich selbstbestimmt leben zu können. Daher ist es oft sinnvoll, sich frühzeitig Gedanken über eine Alternative zur Betreuung in einem Pflegeheim zu machen. Außerdem bringen viele alternative Pflegeformen auch finanzielle Vorteile mit sich, die eine bedarfsgerechte Pflege bezahlbarer machen.

24-Stunden-Pflege im eigenen Zuhause

Eine gerne gewählte Alternative zur Pflege in einem Heim ist die 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause. Obwohl die Pflege hier in der gewohnten Häuslichkeit stattfindet, ist eine optimale Betreuung jederzeit gewährleistet. Schließlich ist eine professionelle Betreuungskraft stets im Haushalt zugegen und somit jederzeit ansprechbar.

Die Pflegekraft übernimmt im eigenen Zuhause die Grund- sowie hauswirtschaftliche Versorgung des Pflegebedürftigen. Gleichzeitig ist sie Ansprechpartner, leistet dem Pflegebedürftigen Gesellschaft oder animiert beispielsweise zu Bewegung.

Bei den Kosten einer 24-Stunden-Pflege fällt regelmäßig ebenfalls ein Eigenanteil an. Dieser besteht im Wesentlichen aus dem Gehalt der Pflegekraft abzüglich Pflegegeld, Steuervorteilen und Leistungen für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege.

Betreuung in einer Pflegewohngruppen

Auch eine Pflegewohngruppe unterscheidet sich aufgrund ihrer familiären Atmosphäre deutlich von einer Betreuung im Pflegeheim. Schließlich leben hier mehrere pflegebedürftige Personen so eigenverantwortlich wie möglich zusammen und werden durch einen Pflegedienst betreut. Selbstverständlich kann sich jeder Bewohner jederzeit zurückziehen, erhält aber auch die Möglichkeit, sich am gemeinschaftlichen Kochen, Essen oder an Aktivitäten zu beteiligen.

Genau wie bei einer Betreuung im Pflegeheim, leistet die Pflegekasse einen finanziellen Zuschuss auch zur Betreuung in einer Pflegewohngruppen. Die Leistungen richten sich auch hier nach dem Pflegegrad und betragen zwischen 689 (Pflegegrad 2) und 1.995 Euro (Pflegegrad 5). Außerdem kann ein Anspruch auf einen Zuschlag aufgrund der Wohngruppenunterbringung in Höhe von 214 Euro monatlich bestehen.

Häusliche Pflege

Auch die häusliche bzw. ambulante Pflege ist eine sinnvolle Alternative zu einer Betreuung im Pflegeheim. Auch hierbei wird der Pflegebedürftige, ähnlich wie bei einer 24-Stunden-Pflege, im eigenen Zuhause betreut. Die Betreuung erfolgt allerdings nicht rund um die Uhr, sondern lediglich zeitweise durch Pflegedienste. Somit wird eine größtmögliche Eigenständigkeit des Pflegebedürftigen aufrechterhalten. Gleichzeitig wird die Pflegeintensität an die Bedürfnisse des zu Pflegenden angepasst.

Oft kann die häusliche Pflege als sogenannte Bezugspflege stattfinden. Das bedeutet, dass der Pflegebedürftige von wenigen, kaum wechselnden Pflegekräften betreut wird. So haben die betreute Person sowie seine Angehörigen stets feste Ansprechpartner.

Was die Kostenübernahme der häuslichen Pflege betrifft, können Personen mit Pflegegrad zwischen 2 und 5 hierfür sogenannte Pflegesachleistungen erhalten. Faktisch ist auch hierunter eine anteilige Kostenübernahme für die Pflege in der eigenen Häuslichkeit durch die Pflegekasse zu verstehen. Je nach Pflegegrad werden Pflegesachleistungen im Umfang von 689 (Pflegegrad 2) bis 1.995 Euro (Pflegegrad 5) gewährt. Kosten, die über diesen Betrag hinausgehen, müssen selbst übernommen werden. Allerdings ist der zu übernehmende Eigenanteil auch hier meist deutlich geringer als im Falle einer Heimunterbringung.