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Freizeit

Sicherer bremsen mit ABS fürs Fahrrad

Für das Auto ist das Antiblockiersystem längst Standard – nun sollen E-Bikes damit ausgerüstet werden

Von 
Christoph Dernbach
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Wer die Bremstechnik etwa beim Sport stärker selbst beeinflussen will, kann die Eingriffe des ABS runterregeln oder gar ausschalten. © Zacharie Scheurer/dpa

Frankfurt/Main. Viele Radler haben vor einem scharfen Bremsmanöver regelrecht Angst. Drückt man die Bremse des Vorderrades zu kräftig, blockiert das Rad und kann gefährlich zur Seite wegrutschen. Bei etwas höherem Tempo besteht sogar die Gefahr, dass sich das Fahrrad überschlägt und man über den Lenker nach vorne auf die Straße stürzt.

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Dabei eignet sich die Vorderradbremse besonders, mit einem kurzen Bremsweg zum Halten zu kommen. Weil grob gesagt, das Körpergewicht beim Bremsen aufs Vorderrad gedrückt wird, es so mehr Traktion bekommt und mehr Bremskraft aufnehmen kann. Wäre da nicht die Befürchtung, dass sich das Vorderrad quer stellt oder das Hinterrad abhebt. Einen Ausweg aus diesem Dilemma suchten die Fahrradhersteller schon vor geraumer Zeit. Bereits vor 18 Jahren stellte der ostdeutsche Produzent Biria ein mechanisches Antiblockiersystem für Fahrräder vor. Es konnte sich aber am Markt nicht durchsetzen.

Die Ansätze von Biria weckten auch die Ambitionen bei Bosch. Der Konzern brachte 1978 das erste elektronische ABS für Autos auf den Markt. Es dauerte bis 2017, bis man ein elektronisch gesteuertes hydraulisches ABS für Fahrräder folgte. Im Frühjahr 2018 bestückten dann erste Hersteller Bikes mit dieser Technik von Bosch.

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Bislang sind aber nur die wenigsten E-Bikes mit ABS ausgestattet. Das könnte damit zu tun haben, dass die alte ABS-Steuerungseinheit von Bosch aus einem rund 800 Gramm schweren und klobig wirkenden Kasten bestand, der am Lenker montiert wurde. Auch der Aufpreis von rund 500 Euro dürfte viele potenzielle Nutzer abgeschreckt haben.

Alter, schwerer Kasten

Auf der Fachmesse Eurobike 2022 in Frankfurt am Main (13. bis 17. Juli) stellte Bosch nun ein komplett überarbeitetes System vor. Das ist deutlich kompakter und leichter geraten und fügt sich viel besser in die Optik des Fahrrades ein. Es soll auch etwas günstiger sein.

„Das Modul der zweiten Generation ist jetzt 77 Prozent kleiner und 55 Prozent leichter“ sagt Claus Fleischer, Geschäftsleiter der E-Bike-Systemsparte von Bosch. „Damit können wir es unten an der Fahrradgabel montieren, dicht am Bremssattel. Das ABS-System ist so für das ungeübte Auge kaum noch sichtbar.“

Einen großen Unterschied gegenüber der ersten Generation macht nun auch die Software. Während die erste Generation nicht zwischen Trekkingrad, Mountainbike oder Lastenrad unterscheiden konnte, berücksichtigt das ABS 2.0 nun die unterschiedlichen E-Bike-Typen mit dem individuellen Verhältnis von Gewicht und Schwerpunkt.

Beim Lastenrad mit einem niedrigen Schwerpunkt sorgt die ABS-Kombination aus Hardware und Software dafür, dass selbst bei voller Beladung ein schnelles, sicheres und spurtreues Bremsen möglich ist. Das Vorderrad kann nicht mehr blockieren und sich querstellen.

Software berücksichtigt Modell

Bei einem Touring- oder Mountainbike kommt ein Hinterrad-Abhebesensor zum Einsatz. Schlägt dieser an, wird innerhalb von Millisekunden automatisch der Bremsdruck am Vorderrad abgesenkt, so dass das Hinterrad wieder Bodenkontakt erhält. Sportliche Mountainbiker können dabei auch einen Modus auswählen, bei dem das ABS weniger ins Geschehen eingreift oder das ABS komplett abstellen. Der für das ABS benötige Strom wird vom E-Bike-Akku bereitgestellt. In einem Test mit einem Vorserienmodell wurde dabei keine nennenswerten Auswirkungen auf die Reichweite festgestellt.Selbst nach einem automatischen Abschalten der Motorunterstützung bei einem leer gefahrenen Akku steht das ABS immer noch lange zur Verfügung steht. Erst bei einem komplett leeren Akku meldet es sich mit einer kurz vorher aufleuchtenden Kontrollleuchte ab.

Geringer Strombedarf

ABS ist nach Einschätzung der Prüforganisation Dekra ein „sinnvoller Schritt in Richtung mehr Sicherheit auf dem Pedelec“. „Es entschärft viele kritische Bremssituationen und es dadurch ein großer Zugewinn für die Verkehrssicherheit.“Die Frage, wie teuer dieser Zugewinn an Sicherheit ausfallen wird, wird in Kürze beantwortet werden, wenn die Fahrradhersteller ihre neuen Modelle mit ABS vorstellen werden. Experten auf der Eurobike gingen von einem Aufpreis zwischen 300 und 400 Euro aus. dpa

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