Klima in der Stadt – Möglichkeiten für mehr Naturflächen

Lesedauer: 
© stock.adobe.com © 4Max #178665849

(Spitzmarke). Allein wegen des Klimaschutzes ist der Schutz der Natur auch in der Stadt ist für alle Beteiligten – Tiere, Menschen und Pflanzen – wichtiger denn je. Mit verschiedenen Initiativen – Stichwort „Urban Gardening“  - wird bereits versucht, mehr Grün in die Städte zu integrieren. Viele Städte entwickeln zudem Konzepte, um zusätzliche Naturräume zu schaffen. Möglichkeiten gibt es viele.

AdUnit urban-intext1

Wildnis in der Stadt

Viele Städte werden immer findiger, um den ökologischen Gedanken mitten in das urbane Leben zu tragen. Zum Beispiel in Sachsenhausen: Der sogenannte Monte Scherbellino, ehemals giftige Müllkippe, hat sich in ein 15 Hektar großes Naturparadies verwandelt. Auch mit dem Bonameser Nordpark ist man dort diesem Beispiel gefolgt. Generell gilt nach Angaben der Bundesregierung Frankfurt als Vorreiter, Wildnis in die Städte einziehen zu lassen. Genauso wie in Dessau und in Hannover: All diese Städte haben sich dem Pilotprojekt des Bundesumweltministeriums „Städte wagen Wildnis“ angeschlossen. Für den Umweltschutz unbestreitbar eine gute Sache. Doch auch dort, wo Wildnis in der Stadt nicht umgesetzt werden kann oder nicht gewünscht ist, gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Begrünung.

Grüne Stadt verheißt Lebensqualität

AdUnit urban-intext2

Grüne Städte sind für viele Menschen ein Kriterium für Lebensqualität. Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat die jüngste Naturbewusstseinsstudie, die im August 2020 veröffentlicht wurde, belegt, dass sehr vielen Städtern die Grünflächen ihres Wohnorts enorm wichtig sind. In dieser Studie gaben 92 Prozent der befragten Bürger an, dass Natur in der Stadt vor allem wichtig für Entspannung und Erholung ist. Seit einiger Zeit sprießt es in den Städten mehr und mehr. Das liegt auch an der wachsenden Zahl von Bürgerinitiativen liegt – Menschen, die Naturflächen in der Stadt nicht nur mit Blumen bepflanzen, sondern die Stadterde beackern, um Obst und Gemüse zu ernten. Andere begrünen Dachgärten und züchten Bienen oder schaffen auf ihren Balkonen grüne Oasen.

Würdigung für grüne Projekte

AdUnit urban-intext3

Ideen, die vielfach von Einwohnern ausgehen, die ihre Stadt grüner und damit lebenswerter machen wollen. Doch auch Politik, Vereine und Verbände denken um. In vielen Städten und Gemeinden Deutschlands mündete der ökologische Gedanke bereits in Projekten, die sowohl vom Deutschen Städtetag, dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und der Umwelthilfe gewürdigt worden sind. Darunter finden sich zum Beispiel folgende Projekte: 

AdUnit urban-intext4

Blühende Straßenränder (am Beispiel Bambergs, wo Straßenränder seit Ende der 1990er Jahre auf natürliche Vegetation ausgerichtet werden mit Verzicht auf Dünger und Pestiziden)

Naturschutz auf Friedhöfen (In Tübingen werden seit 2006 Friedhöfe im Stadtgebiet unter Aspekten des Naturschutzes gestaltet und gepflegt. Dadurch soll unter anderem mehr Artenreichtum entstehen. Mittlerweile ist dort eine Dohlenkolonie ansässig, und in abgestorbenen Bäumen haben sich Käuzchen und Spechte angesiedelt)

Umwidmung industriell und gewerblich genutzter Flächen (Unterhaching bei München hat das Gelände eines ehemaligen Militärflughafens in einen Landschaftspark umgewandelt)

Biotop in der Stadt (im Stadtpark in Münster haben viele Tiere, darunter bedrohte Arten, ein neues Domizil gefunden. Früher Pappelplantage und Ackerfläche wird hier heute der ökologische Gedanke umgesetzt – auf einer Fläche von 26 Hektar im Norden der Stadt)

Essbare Stadt

Dieses Modell gab es zuerst in Ansbach und Kassel, wo Flächen für den Obst- und Gemüseanbau zur Verfügung gestellt werden. Die Einwohner, die sich zu Vereinen zusammengeschlossen haben, bestellen die Erde und ernten gemeinschaftlich. Mitten in der Stadt wachsen Möhren, Tomaten, Äpfel, Kräuter und noch viel mehr. Dazu braucht es keine großen Flächen: In anderen Städten wie etwa in Nürnberg sprießen seit 2019 ebenfalls  Gemüse, Kräuter und Salate und zwar zwischen Jacobskirche und der Feuerwache auf einem Seitenstreifen. Es ist eine kleine Fläche, die aber trotzdem dem ökologischen Gedanken in mehrerer Hinsicht weiterhilft. Schon längst haben auch Geschäftsleute in den Städten Flächen begrünt und sogenannte Dachfarmen gegründet. Auch namhafte Institute wie das Fraunhofer-Institut entwickeln Konzepte, damit auf Hochhausdächern Gemüseanbau betrieben werden kann.

Zahl der Bienenhelfer wächst

Städtisches Gärtnern in privaten Gärten oder auf Balkonen hat derzeit Konjunktur. Wer keinen Garten hat, verwandelt neben Pflanztöpfen und –Kübeln gern auch ausgediente Badewannen oder Holzkisten in Mini-Beete. Gründe dafür sind unterschiedlich. Das eigene Gemüse ziehen, den Balkon verschönern oder einfach mit den Händen in Erde zu arbeiten. Viele Stadtbewohner tun sich zum Urban gardening zusammen und viele von ihnen haben dabei auch das Wohl der Bienen im Blick: Mehr Grün in der Stadt bedeutet auch mehr Nahrung für die Honigsammler, denen wegen Monokulturen, des Klimawandels und Einsatzes von Pestiziden mehr und mehr  die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Je mehr Bienenhelfer sich in der Stadt mit sogenanntem Urban beekeeping dem Schutz des Insektes verschrieben haben, desto vielfältiger ist das Nahrungsangebot – und zwar während des ganzen Jahres. In Hamburg und Berlin zum Beispiel gibt es mittlerweile in verschiedenen Stadtteilen Hobbyimker, die gut durchdachten Natur- und Bienenschutz miteinander vereint haben. In München existiert bereits ein Bienengarten.

Leitbild heißt „Kompakt, urban, grün“

Die Herausforderung der Zukunft, so das Umweltbundesamt, „besteht darin, eine kompakte Stadt der kurzen Wege zu schaffen, die für Energieeinsparung und Klimaschutz besonders vorteilhaft ist. Es sollten deshalb Stadtstrukturen geschaffen und erhalten werden, die begrünen und kühlen können, so dass die Stadt auch in Hitzeperioden eine hohe Lebensqualität aufweist.“ Je mehr versiegelte Flächen, desto heißer ist es in den urbanen Zentren. Die Hitzesommer der vergangenen Jahre haben Einwohnern der deutschen Städte bereits vor Augen geführt, welche Auswirkungen der Klimawandel auf das urbane Leben hat: Durch die hohe Wärmespeicherung in Städten ist es noch heißer geworden als zuvor. Wie stark sich die Hitze entwickelt, hängt auch von der Stadtstruktur ab. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird erwartet, dass die durchschnittliche Jahrestemperatur in den kommenden Jahrzehnten bis zu 4,5 Grad Celsius höher liegt als noch 1990. 

Vertikale Begrünung

Gezielte grüne Infrastruktur in Ballungsräumen kann Abhilfe schaffen: Damit sind Netzwerke von naturnahen und natürlichen Flächen gemeint. Viele Städte suchen gezielt nach Möglichkeiten und Flächen. Die lassen sich unter anderem auf dem Dach finden: Es muss nicht gleich eine Dachterrasse oder ein Dachgarten sein, um mehr grün in die Stadt zu bringen. Begrünte Dächer wirken sich positiv auf das Stadtklima aus, indem sie für Abkühlung sorgen und Wärmeinseln reduzieren können. Gleichzeitig bieten sie Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, sie binden Staub und Schadstoffe und halten Regenwasser zurück. Im Rahmen der Stadtgestaltung sind sogar Dachparks möglich. Das Mikroklima einer Stadt profitiert außerdem von begrünten Fassaden, zum Beispiel an öffentlichen Gebäuden. Immergrüne Gewächse an vertikalen Wänden haben nicht nur eine wärmedämmende Wirkung, sie helfen auch, Lärm einzudämmen. Nicht zuletzt bieten grüne Fassaden zusätzlichen Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Bäume sorgen für Kühlung und Sauerstoff

Für ein besseres Stadtklima benötigen urbane Zentren Stadtbäume – und zwar viele. Realistisch betrachtet gibt es in vielen Ballungsräumen immer noch Straßen und Betonwüsten, in denen kein einziger Baum wächst. Dabei regulieren Eiche, Ahorn & Co den Kohlendioxid-Haushalt, filtern Staub und andere Verunreinigungen aus der Stadtluft und produzieren Sauerstoff. Stadtplaner tun gut daran, nach geeigneten Plätzen für mehr Bäume oder auch Baumgruppen zu fahnden, denn der Lebensraum von Stadtbäumen ist im Wandel begriffen.

Bei der Anpflanzung kommt es auch auf die Frage nach den Baumarten an. Weil sich das Klima ändert, müssen neue Bäume bereits mit Blick in die Zukunft gepflanzt werden. Solche mit hohem Wasserverbrauch werden sich künftig möglicherweise schwer tun, denn schon jetzt kämpfen Bäume mit der Trockenheit. Auch die Frage nach den örtlichen Gegebenheiten des Bodens muss berücksichtigt werden. Bäume sind auch deshalb wichtig, weil in längeren Wärmeperioden in den Städten generell ein höheres Bedürfnis nach Erholung im Freien besteht, und damit auch Bäume als Schattenspender attraktiver werden. Insbesondere auf Sportflächen oder auf Spielplätzen und Arealen, die gern von älteren Menschen besucht werden. Werden größere Baumgruppen gepflanzt, könnten diese außerdem einen kühlenden Effekt bewirken, wenn sie kühlere Luft durch die Straßen transportieren.