Justiz - Anklage gegen „Schein-Einlader“ erhoben

Türken in Deutschland abgetaucht

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dpa
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Istanbul. Mehrere türkische Staatsbürger sollen mithilfe sogenannter grauer Dienstpässe ohne Visum nach Deutschland eingereist und teilweise untergetaucht sein. Gegen eine Person wurde in Hannover in dem Zusammenhang Anklage erhoben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge der Deutschen Presse-Agentur am Montag bestätigte. Das türkische Innenministerium leitete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu Ermittlungen gegen sechs Gemeindeverwaltungen wegen mutmaßlicher Verwicklung in den Vorgang ein.

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Dem in Hannover Angeklagten Ersin K. wird Oberstaatsanwalt Klinge zufolge vorgeworfen, zwischen dem 30. Juli und 1. August 2020 fälschlich Einladungen für mehrere Personen in der Türkei ausgestellt zu haben. Er soll demnach als „Schein-Einlader“ fungiert und den Personen so die Einreise ohne Visa nach Deutschland ermöglicht haben. K. werde Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen.

Laut Anklage wurden 53 Menschen aus der Türkei eingeladen, 46 seien dieser gefolgt, sagte Klinge. Nach der Einreise hätte sich die Gruppe zerstreut. Inzwischen habe man fünf Personen gefunden, die später Asyl beantragt hätten.

Türkische Medien hatten berichtet, dass 45 Menschen aus der osttürkischen Provinz Malatya mithilfe von Dienstpässen nach Deutschland gereist waren und davon nur zwei in die Türkei zurückkehrten. Der Vorfall in Malatya war nach türkischen Medienberichten aber kein Einzelfall. Zahlreiche andere Gemeinden sollen in ähnliche Praktiken verwickelt sein. Die Reisenden zahlten nach türkischen Medienberichten für die Pässe zwischen 6000 und 8000 Euro pro Person. 

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